Wenn am 15. Februar die Schweizer Eishockey-Nati an der Winterolympiade ihr erstes Spiel gegen Kanada bestreitet, dann ist auch ein Freiämter mit von der Partie. Fabio Rampa wird zwar selbst keine Gegner in die Bande checken. Er hilft aber dabei, die Sportler für den Wettkampf fit zu machen. Der Aristauer ist Physiotherapeut und unterstützt das Team auf vielfältige Weise. Seine Hauptaufgabe ist es, die Sportler zu massieren und während des Spiels kleinere Verletzungen zu behandeln. Er hilft zudem beim Einrichten der Garderobe, füllt Trinkflaschen auf oder räumt Handtücher weg. «Auch wenn nirgendwo geschrieben steht, dass ich das machen muss – als Teil des Teams darf man sich dafür nicht zu schade sein», erklärt er.

Rampa, geboren und aufgewachsen in Lugano, ist schon von klein auf Eishockey-Fan. Gibt er den Spielern Tipps, wenn sie auf der Massagebank liegen? «Meistens reden wir nicht über Eishockey, sondern über den Alltag und was die Akteure neben dem Sport beschäftigt. Die Spieler wollen ja abschalten. Wenn doch, dann lobe ich sie vielleicht für einen guten Pass oder ein schönes Tor.» Kritik gehöre nicht zu seinen Aufgaben, er wolle für gute und entspannte Stimmung sorgen, erklärt Rampa.

Er selbst bereitet sich immer ähnlich auf die Spiele vor, egal welcher Gegner wartet. «Wenn wir gegen ein so gutes Team wie Kanada spielen, dann spürt man die Anspannung vorher etwas mehr», räumt er ein.

Auf die Zähne beissen

Der Physiotherapeut arbeitet schon seit fünf Jahren in der Schulthess Klinik in Kloten und betreut dort die Spieler der Kloten Flyers. Sind Profisportler anders als «gewöhnliche» Patienten? «Ein Profisportler muss schneller wieder auf die Beine kommen. Dafür geht man auch ein gewisses Risiko ein», erklärt Rampa. Komme hinzu, dass jemand mit einem Bürojob nicht gleich viel Zeit für die Physiotherapie verwenden könne. «Aber auch bei Berufssportlern braucht die Wundheilung eine gewisse Zeit, die nicht verkürzt werden kann.»

Eishockeyspieler gelten gemeinhin als weniger schmerzempfindlich als zum Beispiel Fussballer – ist das wirklich so? Rampa grinst. «Nun ja, ich habe noch nie eine Profi-Fussballmannschaft betreut. Ich kann nur sagen: Hockeyaner können auf die Zähne beissen. Manche sagen, wer nach einem Match keine Schmerzen hat, hat nicht gespielt.»

Kein Urlaub

Rampa freut sich auf Olympia. «Ich bin gespannt auf die andere Kultur. Und ich frage mich, wie viele Zuschauer ins Stadion kommen und wie die Stimmung ist. Hockey hat in Korea sicher nicht einen so hohen Stellenwert wie in der Schweiz.»

Viel Zeit wird nicht bleiben, um das fremde Land zu erkunden. Rampa ist jeweils drei Stunden vor Spielbeginn in der Halle, eine Stunde früher als die Spieler, um mit den Vorbereitungen zu beginnen. Und wenn die Hockeyaner ihren Einsatz beendet und sich gestärkt haben, dann kommt manch einer noch auf die Liege, um sich eine Massage zu gönnen – so ist der Freiämter manchmal auch nach Mitternacht noch im Einsatz.

«Trotzdem wird es sicher auch für mich Gelegenheit geben, zu entspannen. An einem spielfreien Tag machen wir einen Ausflug mit dem Team oder sehen uns vielleicht einen Wettkampf an.» Urlaub sei die Reise nach Südkorea trotzdem nicht.

Bleibt die Frage: Wie weit schafft es die Schweizer Hockeymannschaft an Olympia? «Wenn wir nicht ins Viertelfinal kommen, bin ich enttäuscht», gibt Rampa unumwunden zu. Von da an sei alles offen – mit Kanada, Finnland, Schweden und Russland gebe es einige Anwärter auf Gold. «Aber zugegeben, es wäre schon schön, wenn wir auf dem Rückflug eine Medaille im Gepäck hätten.»