Auf der Kirchbühlstrasse in Muri prallen die Interessen von Kindern und Autofahrer direkt aufeinander. Das zeigt ein Film des Aargauer Videoportals zur Raumentwicklung www.zeitraum-aargau.ch. Marco Hüttenmoser von der Forschungs- und Dokumentationsstelle Kind und Umwelt legt im Beitrag «Fallstudie Schulweg» dar, wo die Probleme liegen.

Die Strasse ist nicht nur ein Schulweg, sondern wird auch immer öfter von Automobilisten als Schleichweg zur Umgehung von Staus auf den Hauptverkehrsstrassen benutzt.

Heikel trotz Pfosten

Tempo 30 wurde vor Jahren abgelehnt, die Gemeinde markierte an der relativ engen Kirchbühlstrasse mit gelben Streifen ein Trottoir. Das hilft den Fussgängern zwar etwas, trotzdem kommen sich vor allem Kinder und Autos immer wieder gefährlich nahe, wie der Film eindrücklich darlegt.

Der an der Kreuzung Mattenweg angebrachte gelb-schwarze Pfosten ist tatsächlich wichtig, damit die Autofahrer gezwungen werden, beim Abbiegen genügend Abstand zum Strassenrand zu halten. Die Kirchbühlstrasse dient nicht nur den Kindern des Schulhauses Badweiher und des Kindergarten Wey als Schulweg, sondern auch für Schülerinnen und Schüler des Schulhauses Kloster. Sie ist entsprechend stark auch mit Schülerinnen und Schülern auf dem Velo frequentiert. Auch sie benutzen die Strasse mit erhöhtem Risiko.

Aufforderung zum Nachdenken

Seit seiner Lancierung vor eineinhalb Jahren hat zeitraum-aargau.ch, das Aargauer Videoportal zur Raumentwicklung, vier goldene Auszeichnungen der Web- und Filmbranche erhalten. Das Videoportal ist nun mit neuen Filmen zu den Themen «Aargauer Mobilität», «Kind und Raum» und «Hightech-Firmen Aargau» ausgebaut worden und fordert so erneut zum Nachdenken über die Entwicklung unseres Lebensraums auf.

Nun laden neun neue aktuelle Filme zu den Themen «Mobilität», «Kind und Raum» und «Wirtschaft», rund 25 neue Archivfilme sowie vier weitere Flugaufnahmen zu neuen Reisen durch Aargauer Raum und Zeit ein.

Andere Bedürfnisse

Am Beispiel der Kirchbühlstrasse in Muri zeigt der neue Film, dass Kinder andere Bedürfnisse an den Raum haben als Erwachsene. Und er wirft Fragen auf: In welchem Zusammenhang stehen die Raumplanung und die Entwicklung der Kinder? Was erzählen Kinderzeichnungen über den Lebensraum und die kindliche Raumwahrnehmung?

Wer hätte gedacht, dass in ländlichen Gebieten mehr Kinder bis zum 5. Lebensjahr das Haus nicht alleine verlassen können als in manchen städtischen Gebieten? «Was sind unsere gesellschaftlichen Interessen? Wollen wir Kindern eine gesunde Entwicklung gewährleisten?», fragt im Film Hüttenmoser.

«Wollen wir dafür sorgen, dass sie
gute, diskussions- und konfliktfähige Mitglieder der Gesellschaft werden? Oder wollen wir nur anpassen, dass sie immer schön brav auf der Seite gehen und nicht miteinander diskutieren dürfen? Das ist eine ganz zentrale Frage in unserer Gesellschaft.»