Natürlich ist es eine besondere Liebe, die Beziehung von Hardy Ketterer mit dem Filmklub Muri. «Ich bin immer mit Leib und Seele dabei gewesen», lacht der 77-jährige ehemalige Architekt. Jetzt, nach 40 Jahren, verlässt er das Kinoteam. «Ich will gehen, bevor alle sagen, er sollte jetzt gehen.» Ketterer hat den Filmklub und das heutige Kino Mansarde geprägt wie kein anderer.

Die Geschichte des Filmklubs Muri geht in die Zeit des damaligen Kino Pax zurück, später wurden anspruchsvolle Filme – als Gegenstück zu den damals beliebten Spaghetti-Western – im Ochsen-Saal gezeigt. Hardy Ketterer, von Anfang an Mitglied im Filmklub, erinnert sich gut an die Zeiten. Auch daran, wie er sozusagen über Nacht zum Filmklub-Operateur wurde. «Bei einer Vorstellung im Ochsensaal – gezeigt werden sollte ‹Tod in Venedig› von Luchino Visconti – gelang es Otto Müller, der den Projektor bediente, nicht, das Bild scharf zu stellen. Man erinnerte sich, dass Ketterer eine Ahnung von Kinotechnik hatte, weil er als Student als Nebenverdienst in Kinos Operateur-Jobs übernahm. «Das Bild wurde scharf, und ich war danach für diese Aufgabe gesetzt», lacht er.

Goldene Film-Zeiten

Es war die «goldige Zeit des Films», wie sich Ketterer ausdrückt: Die Namen berühmter Filmproduzenten purzeln nur so aus ihm heraus. Die Umstellung von der 16 mm- auf die 35 mm-Technik brachte dem Filmklub Muri ganz neue Möglichkeiten. Jetzt konnte Ketterer, der 2010 das Präsidium des Klubs abgab, aktuelle Filme zeitnah mit den anderen Kinos in den Projektor einspannen. Nochmals einen bedeutenden Schritt vorwärts ging es, als der Filmklub das heutige Kino Mansarde beziehen konnte – dank Ketterer. Er war beim Architekturbüro Hans Wyder angestellt, das unter anderem mit der Rekonstruierung des Daches im Südtrakt der Klosteranlage beauftragt war. «Als projektleitender Architekt habe ich meine Möglichkeiten schon ausgenützt», erinnert sich Ketterer. Er machte dem Gemeinderat den Vorschlag, unter dem neuen Dach einen Mehrzweckraum, auch für den Filmklub, einzurichten – und er fand Unterstützung. Später kam eine richtige Kinobestuhlung dazu. Und auch die Digitalisierung, die zur Existenzfrage für den Klub wurde, machte der technisch immer auf dem neusten Stand stehende Operateur mit Engagement mit.

Das Bild durch den Rauch

In 40 Jahren hat sich viel verändert. Hardy Ketterer erinnert sich mit einem Schmunzeln daran, wie im Ochsensaal während den Filmvorführungen noch geraucht wurde. «Wir blendeten jeweils ein Dia ein mit der Schrift: Rauchen Sie bitte nur so lange, wie sie das Bild noch sehen.» Der Filmklub Muri organisierte Open-Air-Kino, als es neben Locarno noch so gut wie nichts dergleichen gab. Die Filmwelt an sich veränderte sich. «Früher konnte man Filme von bekannten Regisseuren blind buchen, sie waren erfolgreich. Heute ist alles schnelllebiger, man muss Filme für die Programmgestaltung vorvisionieren, um sich nicht einen Flop einzuhandeln.» Verändert hat sich aber auch der Klub selber. «Mit acht bis zehn aktiven Leuten war das Klubleben sehr familiär, ein Vereinsabend war ein Ereignis. Heute engagieren sich über 20 Leute für dem Filmklub, die zudem noch anderweitige Interessen verfolgen.» Ketterer ist aber nicht einer, der in Nostalgie verfällt und findet, früher sei alles besser gewesen. «Es wandelt sich alles, von der Technik bis zur Lebensweise. Das ist eben so.»

Carte blanche

Am nächsten Wochenende werden er für seine 40 Jahre und Christiana Affolter, die das Kino-Team nach 20 Jahren verlässt, für ihre Treue und ihre Arbeit geehrt, und zwar mit einem Film ihrer Wahl; sie haben die Carte blanche erhalten. Während Affolter am Donnerstag «Sliding Doors», eine englische Komödie laufen lässt, hat sich Ketterer für «Amarcord», Fellinis Erinnerung an seine Jugendzeit in den 1930er-Jahren in Italien, entschieden.

Er wird dem Kino Mansarde treu bleiben, als Zuschauer. Neben seiner Leidenschaft für den Film wird er mehr Zeit für seine weiteren Liebschaften aufwenden können: Er macht für MuriKultur Klosterführungen, geniesst gerne klassische Musik «und ist damit in Muri natürlich am richtigen Ort». Ketterer liest gerne gute Literatur und macht das, «was Senioren gerne tun»: geniessen und reisen. Für Letzteres muss er aber nicht nach Thailand oder so. «Um nur schon in Europa das Wesentliche zu sehen und zu erleben, bräuchte ich zwei Leben.»