Bremgarten

Ein Einsatz jagt den nächsten – unterwegs mit den Nachtpatrouillen der Repol

Die Nachtpatrouillen der Regionalpolizei Bremgarten sorgen nicht nur für Ruhe, sie helfen auch bei seelischen und gesundheitlichen Nöten.

Jugendliche in Feierlaune sorgen in Bremgarten immer wieder für nächtliche Ruhestörungen und Verunreinigungen öffentlicher Anlagen. Die Klagen wurden so laut, dass Stadtammann Raimond Tellenbach sich deswegen an die Teilnehmer der letzten Einwohnergemeindeversammlung wandte und um Verständnis dafür bat, dass die Regionalpolizei nicht sämtliche Hotspots der Stadt permanent überwachen könne. Um der Sache auf den Grund zu gehen, machte sich die AZ in der Nacht von Freitag auf Samstag mit der Zweierequipe der Repol Bremgarten auf zum Dienst.

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Für diese Aufgabe muss man nicht nur körperlich, sondern vor allem auch psychisch top fit sein. Es ging hoch her in dieser Nacht. Ein Einsatz jagte den nächsten. Als Jeannine Pozzi und ihr Kollege, der aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes weder genannt noch gezeigt werden will, sich kurz nach 17 Uhr für den Dienst bereit machten, rief schon der erste Einsatz. Eine besorgte Tochter fürchtete, ihrer Mutter sei etwas zugestossen, denn sie ginge nicht ans Telefon und ihre Wohnung sei von innen verschlossen. Der Schlüsseldienst öffnete die Wohnung und tatsächlich: Die alte Dame lag mit Schenkelhalsbruch auf dem Boden.

Von da ging es zu einer Privatwohnung, aus der ein Einbruch gemeldet wurde, danach zu einem Mann, der als suizidgefährdet gilt und dessen Freunde nicht in seine Wohnung kamen.

Ein Hund bellte in einem Mehrfamilienhaus über Stunden, was die beunruhigten Mieter zwang, die Polizei zu rufen. Das Nachtessen aus dem Takeaway, gegen 22 Uhr, wurde schnell unterbrochen, als die Zentrale meldete, auf der Wohlerstrasse sei eine Frau bewusstlos zusammengebrochen.

Ruhe und Empathie zeichnen die Polizisten aus

Jedesmal, wenn die Patrouille einen der Bremgarter Hotspots ansteuern wollte, kam via Funk ein neuer Auftrag rein. Als der Regen einsetzte, lächelte Pozzi: «Der dritte Mann kommt zum Einsatz.» Wenn es regnet, verziehen sich die Jugendlichen von ihren Treffpunkten im Freien, was dann augenblicklich für mehr Ruhe sorgt. Doch der «dritte Mann» verhinderte nicht das Überfahren einer roten Ampel, die Ohnmacht einer stark alkoholisierten Minderjährigen, die Ruhestörung durch Gäste einer neu eröffneten Bar in Wohlen und den Notruf einer Automobilistin, die von einem Verfolger bedrängt wurde. Bis nach drei Uhr morgens ging es Schlag auf Schlag. Bei all dem glänzten Pozzi und ihr Kollege durch Ruhe und Empathie. «Wir haben Menschen gern. Anders geht es in diesem Job nicht.»

Autor

Christian Breitschmid

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