Muri
Ein Ehepaar und ein Vierteljahrhundert für die Klosterkultur

Martin und Beatrice Egli haben sich seit der Gründung in der Vereinigung der Klosterfreunde stark engagiert

Jörg Baumann
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Das Ehepaar Martin und Beatrice Egli vor der Klosterkirche. Jörg Baumann

Das Ehepaar Martin und Beatrice Egli vor der Klosterkirche. Jörg Baumann

Jörg Baumann

Die 1027 von den Habsburgern gestiftete Klosterkirche in Muri kennt viele treue Wegbegleiter. In der Vereinigung der Freunde der Klosterkirche kommt es nun zu einem markanten Stabwechsel: Der Präsident Martin Egli und seine Ehefrau Beatrice, die seit 24 Jahren das Sekretariat führt, geben ihre Ämter ab. Gleichzeitig hat nach 16 Jahren auch Vorstandsmitglied Rosa Eichholzer aus Oberlunkhofen ihren Rücktritt aus dem Vorstand angekündigt.

Auf das Ehepaar Egli durfte die Vereinigung seit der Gründung am 17. August 1992 zählen. Ihre Arbeit verrichteten sie immer ehrenamtlich und gratis. «Die Vereinigung wurde bei uns zu Hause in unserer Stube gegründet», erinnern sich die beiden. «Und zwar ausgerechnet am Geburtstag des letzten österreichischen Kaisers Karl I. Aber das ist uns erst später aufgefallen.» Die katholische Kirchgemeinde sei damals in grosser Not gewesen, erzählen Martin und Beatrice Egli. Denn diese muss zwei Kirchen unterhalten, neben der Pfarrkirche auch die Klosterkirche. So gründete man die Vereinigung, um die notwendigen Mittel für die anstehende Aussenrenovation zu beschaffen. Erster Präsident war Hans-Martin Strebel, früher Chefarzt am Kreisspital Muri.

Breite Abstützung ist wichtig

Die Vereinigung der Klosterfreunde verstand sich immer als Förderorganisation. «Für den Karren, der an der Klosterkirche zieht, braucht es vier Räder: Neben der Kirchgemeinde Muri auch die kantonale und die eidgenössische Denkmalpflege und die Klosterfreunde», betont Martin Egli. Also war Teamarbeit gefragt. Mit der Unterstützung der Klosterfreunde gelang es, den Martinsbrunnen wieder zu errichten und laufende Renovationen zu unterstützen, aber auch die Publikation von Büchern und Schriften über die Klosterkirche und das Kloster sowie die Herstellung von Musik-CDs zu fördern, die alle in der Klosterkirche entstanden. Unter der Federführung des Musikers Johannes Strobl entwickelte sich Muri zu einem internationalen Mekka der Kirchenmusik. Viele weltbekannte Stars sind schon in Muri aufgetreten – und das ohne Rummel und eitle, in kostbare Roben gehüllte Besucherinnen, wie es beispielsweise in Bayreuth an der Tagesordnung ist.

Über 900 Mitglieder gewonnen

«Die Klosterfreunde verstehen sich als Ermöglicher», meint Martin Egli. In den letzten 24 Jahren kamen erstaunliche Geldbeträge zusammen. «Nur ein Ziel haben wir leider nicht erreicht. Wir strebten tausend Klosterfreunde an, sind aber bei 902 stehen geblieben. Neue Mitglieder zu gewinnen, bleibt also eine Daueraufgabe», sagen die beiden. Aber stolz sind Martin und Beatrice trotzdem darauf, dass Menschen aus dem Ausland, bis nach Chile, zu den Klosterfreunden zählen, selbstredend auch Abt Benno Malfèr aus dem Südtirol – «und der Schweizer Schriftsteller Francois Loeb, der in Deutschland lebt», merkt Beatrice Egli an.

Erinnerungen: Sekretariat war rund um die Uhr und auch in den Ferien besetzt

Martin Egli ist seit der Gründung im Vorstand und seit dem Jahr 2000 Präsident der Vereinigung. Von Anfang an betreute seine Ehefrau Beatrice Egli das Sekretariat. Diese Aufgabe habe sie «rund um die Uhr beschäftigt», sagt sie. Das ist keine Übertreibung. Bei Eglis konnte man auch anrufen, wenn sie in den Ferien waren. «Dann schalteten wir einfach das Telefon um. So konnten wir auch jenen helfen, die nicht mehr wussten, wann der Gottesdienst an einem bestimmten Feiertag in der Klosterkirche stattfindet, die ein Buch oder eine Musik-CD wünschten oder ‹subito› durch die Klosterkirche geführt werden wollten.» Helfen konnte Beatrice Egli auch Albrecht Kottmann, der einige seiner Broschüren über die romanische Klosterkirche nach Deutschland ausführen wollte. Deutschen Zöllnern war der Professor mit seinem Paket unter dem Arm so suspekt, dass sie ihn in den Sicherheitsbunker baten. «Die glaubten tatsächlich, dass Kottmann eine Bombe nach Deutschland schmuggeln wollte», sagt Beatrice Egli. Heute kann sie darüber lachen. Damals eher nicht. (BA)

Die Klosterfreunde haben für die Kirchenrenovation eine Spendenaktion gestartet und mit einem Beitrag auch ermöglicht, dass für das in der Klosterkirche wirkende geistliche Personal neue Konzelebrationsgewänder angeschafft werden können. Diese stellen die Nonnen und weltlichen Textilfachfrauen vom Kloster Fahr her. «Die können das – und wie gut», meint Egli. Die Gewänder werden am Martinitag vom 11. November 2016 erstmals getragen.

Klostergeschichte aufarbeiten

Wichtig ist Martin und Beatrice Egli auch die laufende Aufarbeitung der Klostergeschichte. Ein Historikerteam ist an der Arbeit und soll diese «möglichst früh» vor der Tausendjahrfeier der Klosterkirche abgeschlossen haben, hofft Egli. An der Gründung der Stiftung Geschichte Kloster Muri beteiligten sich die Klosterfreunde seinerzeit mit einem Startbeitrag von 10 000 Franken. Im Stiftungsrat hat sie deshalb auch einen Sitz inne. «Die Zeit verfliegt schnell. Das Jahr 2027 rückt näher, schneller, als man meint. Wir müssen dann auch noch das grosse Jubiläumsfest vorbereiten.» Wer wird nach ihm neuer Präsident der Vereinigung? «Das ist noch ein Geheimnis. Es wird an der Jahresversammlung am 9. April gelüftet», erklärt Martin Egli. Weitere Informationen: www.kloster-muri.ch.