Oberrüti
Ein Dorf ringt um eine Sporthalle – und um ihre Grösse

Nach der Referendumsabstimmung geht der Gemeinderat in eine weitere Runde - die etappierte Lösung kommt gut an, dennoch gehen die Interessen der Bevölkerung weit auseinander.

Eddy Schambron
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Nördlich der heutigen Schulanlage könnte eine neue Sporthalle auf gemeindeeigenem Land realisiert werden. E

Nördlich der heutigen Schulanlage könnte eine neue Sporthalle auf gemeindeeigenem Land realisiert werden. E

Eddy Schambron

«Bevor die Gemeinde entscheiden kann, wie es in Sachen Sporthalle und Schularealgestaltung weitergehen soll und wie es mit der Finanzierung aussehen wird, müssen wir doch wissen, was das Ganze kostet», sagte Frau Gemeindeammann Franziska Baggenstos. Dafür braucht es einen Projektierungskredit. Nur: So weit war man in Oberrüti schon einmal.

Dann wurde das Referendum gegen den mit 51 Ja gegen 48 Nein getroffenen Gemeindeversammlungsbeschluss ergriffen und der Projektierungskredit von 250'000 Franken mit 267 Nein gegen 189 Ja im März 2015 an der Urne versenkt. Jetzt wollte der Gemeinderat an einer Informationsversammlung den Puls der Bevölkerung fühlen. Klar war nachher, dass eine Null-Variante als nicht zukunftsgerichtet und eine Variante Vollausbau nicht finanzierbar ist. Einer Etappierung bei der Lösung der Bedürfnisse wurde von den gegen 100 Besucherinnen und Besuchern der Vorzug gegeben. Ansonsten gehen die Interessen nach wie vor weit auseinander.

Bedürfnisse ermittelt

An der Ausgangslage hat sich seit der ursprünglichen Zustimmung zum Projektierungskredit nichts Grundlegendes geändert: Eine Zunahme der Einwohner- und damit der Schülerzahlen, neue Vorschriften und veränderte Schulmodelle, steigende Ansprüche wie Blockzeiten und Tagesstrukturen machen für die Schule eine neue Turnhalle notwendig, wie Schulpflegepräsident André Widmer darlegte.

Noch grösser ist vor allem der Bedarf des Damenturnvereins, welcher Turnflächen von zweimal 16 mal 28 Meter oder eine Doppelturnhalle von 32 mal 28 Meter oder 896 Quadratmetern sowie verschiedene Zusatzräume wünscht. Zum Vergleich: Die heutige, 1968 erstellte Turnhalle bietet 290 Quadratmeter Fläche. Schliesslich sucht der Inlinehockey-Club Z-Fighters Oberrüti-Sins nach einer Halle. Deren Bedürfnisse an die Fläche sind mit 26 mal 52 Metern oder 1352 Quadratmetern nochmals bedeutend höher und ihre Ansprüche an den Bodenbelag andere als diejenigen des Damenturnvereins oder des Schulsports.

Handlungsbedarf besteht auch bei der Entwicklung des Schulareals. Das heutige bietet den Schülerinnen und Schülern wenig und entspricht nicht mehr den Vorschriften. Mit einer neuen Turnhalle könnte auch ein neuer Pausen- und Sportplatz mit einem erweiterten Spielangebot geschaffen werden.

In einer zweiten Etappe könnte die heutige Raumorganisation optimiert werden. Die alte Turnhalle, beispielsweise, würde künftig für kulturelle Zwecke genutzt. Die heute schlecht platzierte Bibliothek bekäme einen attraktiveren Standort und es könnten Musikzimmer realisiert werden.

In einer dritten Etappe würde der heutige Spielplatz angepasst sowie neue Veloabstellplätze und Parkplätze geschaffen. Eine vierte Etappe sieht schliesslich als Option eine zusätzliche Parkierungsanlage bei der neuen Turnhalle vor, welche auf gemeindeeigenem Land nördlich der heutigen Schulanlage realisiert würde.

Bisher nur Schätzungen

Die Kosten – reine Schätzungen – werden für eine Doppelturnhalle mit 5,5 Mio. Franken angenommen, dazu der Pausenplatz mit 800'000 Franken. Die zweite Etappe, die Optimierung der bestehenden Gebäulichkeiten, wird auf 1,1 Mio. Franken geschätzt, die dritte Etappe auf 400'000 Franken und die vierte Etappe schliesslich auf 2 Mio. Franken. «Auch nur die erste Etappe wird Auswirkungen auf den Steuerfuss haben», machte Baggenstos deutlich, wollte sich aber bezügliche Steuerprozente ohne genaue Zahlen nicht auf die Äste hinauswagen.

Der Gemeinderat bevorzugt die Variante Etappierung nicht nur aus finanziellen Überlegungen, sondern auch wegen der grösseren Flexibilität. «Wir können uns veränderten Bedürfnissen später noch anpassen.» Projektkosten würden, anders als bei der Variante Gesamtschau, nur für effektive Projekte mit Ausführung anfallen. Die Variante Nullrunde hingegen sei zwar im Moment die günstigste Lösung, «aber sehr kurzfristig gedacht».