Pure Freude und Begeisterung auf den Gesichtern, als der Cadillac V8, Baujahr 1933, mit Blaulicht und Sirene auf den Platz vor dem Feuerwehrlokal Villmergen einbiegt. Es ist zurück, das erste Zug- und Pikettfahrzeug der Feuerwehr Villmergen, das damals Material und Feuerwehrmänner dahin brachte, wo es brannte. «Wir mussten viele Feste organisieren, bis wir das Geld hatten, um ihn zu kaufen», sagt Bruno Nübling, Präsident des Feuerwehrvereins Rietenberg.

Schwierig zu fahren

Was jetzt folgt, sind Restaurationsarbeiten – der Cadillac hat schon bessere Zeiten gesehen. Ursprünglich war es ein Direktionsfahrzeug der Schuhfabrik Bally. 1954 erwarb die Feuerwehr das noble Fahrzeug, allerdings erst nachdem es für den neuen Verwendungszweck umgebaut wurde.

Die Polstersitze wurden durch karge Holzbänke ersetzt, im Gepäckraum Halterungen für Feuerwehrmaterial angebracht, das Fahrzeug mit einer Zug- und einer Feuerwehrwarnvorrichtung ausgestattet. Schlauchwagen, Pikettwagen und ab 1959 die Motorspritze wurden mit dem Cadillac auf den Übungs- oder Einsatzplatz transportiert.

Nur wenige Feuerwehrmänner durften das Gefährt steuern. Willy Brunner, einst Feuerwehrkommandant, war einer von ihnen: «Er war schwierig zu fahren, ist auch gerne mal ‹abgesoffen›.» Trotzdem hätten sich natürlich alle gerne einmal hinters Steuer gesetzt.

Zu schwach für schwere Geräte

1967 wurde das amerikanische Schmuckstück dem Verkehrskorps zugeteilt. Die Feuerwehr beschaffte sich einen Mowag als Pikett- und Zugfahrzeug. Und bald sollte sich herausstellen, dass der Cadillac auch in seiner neuen Funktion nicht mehr zu gebrauchen war: Zu anspruchsvoll war der Unterhalt und zu gering die Anhängerlast für die immer schwereren Gerätschaften.

Das Fahrzeug wurde ausgeschrieben und schliesslich an einen Villmerger Oldtimerfreund verkauft. Einige Jahre später gelangte es in den Besitz der Garage Dubler aus Wohlen, von der es der Feuerwehrverein Villmergen nun zurückgekauft hat. «Das Auto ist hier besser aufgehoben als bei uns», findet Walter Dubler, der den Schlüssel am Freitag feierlich übergab.

Die Reparaturarbeiten werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen, vermuten die Mitglieder des Feuerwehrvereins. Ziel ist es, den Cadillac durch die MFK zu bringen und an Oldtimerausstellungen sowie an Repräsentationsfahrten einzusetzen.

Die früheren Feuerwehrleute erzählten sich bei der Übergabe auch Anekdoten rund um das historische Fahrzeug. So sollen ein paar Feuerwehrmänner einmal bei einer Übung mit ihm einen Abstecher in eine Beiz gemacht haben. Unglücklicherweise startete das Fahrzeug danach nicht mehr – sie mussten ihren Kommandanten anrufen, damit der Cadillac abgeschleppt werden konnte.