Sarmenstorferinnen und Sarmenstorfer müssen umlernen. Von ihren Eltern oder in der Schule haben sie gelernt, der «Spieldruckenwinkel» habe seinen Namen von einer Spieldosenfabrik, die dort einst betrieben worden sei.

«Diese Deutung ist über Generationen weitergegeben worden, doch sie stimmt nicht», sagt Benedikt Stalder, der die alten Flur- und Waldnamen erforscht hat. Das Buch dazu, «Die Flurnamen von Sarmenstorf», wird am Sonntag, 8. November, offiziell vorgestellt. In dieser aufwendig gestalteten, mit vielen guten Fotos aufgelockerten Schrift werden die aktuellen Sarmenstorfer Flur- und Waldnamen erklärt und auch solche, die es längst nicht mehr gibt. Dazu kommen ein spannender geschichtlicher Abriss mit historischen Fotos, zwei Kapitel zu den Gewässern und den Strassennamen sowie eine separate Übersichtskarte.

Idee eines Musikers

Den Anstoss zum Buch gegeben hat Markus Meier. Er plante 2014 mit seinem Bläserquartett Brass4fun ein Konzert über die Sarmenstorfer Flurnamen: «Markus Meier hat mich angerufen und gefragt, ob ich bereit wäre, dabei mitzuwirken», erzählt Benedikt Stalder, der in Boswil ein Büchlein über alte Flurnamen veröffentlicht hat und sich auch mit einer Dokumentation über die Freiämter Flurnamen befasste. «Der Zufall wollte es», erklärt der in Sarmenstorf aufgewachsene und heute in Boswil lebende Stalder weiter, «dass ich vor Meiers Anruf soeben den Kartenausschnitt von Sarmenstorf auf meinem PC geöffnet hatte.»

Das Konzert im November 2014 wurde ein voller Erfolg, und mit der Kollekte der Grundstock für das Buch gelegt, das der Verkehrs- und Verschönerungsverein in einer Auflage von 1000 Stück herausgibt (sieheBox).

Ursprung ist der «Wilde Mann»

Zurück zum Spieldruckenwinkel, in dem Ideengeber Markus Meier wohnt: Der 2001 verstorbene Dorfhistoriker Karl Baur habe den Namen mit dem Gasthof «Wilden Mann» in Zusammenhang gebracht, der am Fusse des Spieldruckenwinkels steht. Dort hätten seit je «Spilleute» mit Musik und Theater für Unterhaltung gesorgt.

Der Begriff «Drucke» wiederum stand früher ebenso für Behältnisse und Transportgebinde wie für jene kleinen Kammern, die sich in Bauernhäuser meist auf einem Halbstockwerk befanden. Benedikt Stalder folgert nun: «Wenn bei ungünstiger Witterung nicht im Freien Theater gespielt oder musiziert werden konnte, ist man ins kleine Sälchen des ‹Wilden Mann› ausgewichen. Und weil dort die Platzverhältnisse so eng waren, habe das Lokal den Kosenamen Spieldrucke und der Dorfteil die Bezeichnung Spieldruckenwinkel erhalten.»