Villmergen
Ein Blackout im Stromnetz ist ganz und gar nicht ausgeschlossen

Droht auch der Schweiz bald ein Stromausfall in riesigem Ausmass? Philippe Meuli, Leiter Projektierung von Swissgrid, wollte das in seinem Vortrag am Wirtschaftsapéro nicht ganz ausschliessen.

Toni Widmer
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Philippe Meuli bei seinem Vortrag in der gut besetzten Kantine der Montana Bausysteme AG in Villmergen. Toni Widmer

Philippe Meuli bei seinem Vortrag in der gut besetzten Kantine der Montana Bausysteme AG in Villmergen. Toni Widmer

Toni Widmer

«Wir tun alles dafür, einen Blackout, wie er sich vor 10 Jahren in Italien ereignet hat, auszuschliessen. Doch das wird zunehmend schwieriger», redete Philippe Meuli Klartext. Der Referent vom 9. Wirtschaftsapéro in Villmergen ist Leiter Projektierung beim Schweizer Stromnetzbetreiber Swissgrid und weiss, wovon er spricht. «Wenn wir die Versorgungssicherheit auch weiterhin aufrechterhalten wollen, müssen wir in den nächsten Jahren kräftig in die Stromverteilung investieren.

Wenn wir alle Projekte, die uns der Bundesrat aufgetragen hat, in den nächsten 20 Jahren realisieren, brauchen wir dafür rund 4 bis 6 Mia. Franken.

Eine Frage der richtigen Verteilung

Ein allfälliger Blackout droht der Schweiz nicht, weil zu wenig Strom vorhanden sei. Das Netz könne vor allem auch dann zusammenbrechen, wenn zu viel Strom fliesse. «Die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, bedeutet, das Netz im Gleichgewicht zu halten», erläuterte Meuli. Bei steigendem Verbrauch müsse die Produktion hochgefahren, bei sinkendem Verbrauch entsprechend gedrosselt werden. Gelinge das nicht innerhalb der vorgegebenen kurzen Zeit, könne ein ganzes Verteilnetz aussteigen. «Im Extremfall brauchen wir dann bis zu 12 Stunden oder länger, um dieses Netz wieder hochzufahren.

Alternative Energien ein Problem

Philipp Meuli hat gar nichts gegen alternative Energien. Seinen Job allerdings machen sie ihm nicht leichter. «Eine Photovoltaik-Anlage ist nicht so steuerbar wie ein Kraftwerk. Sie schaltet bei Über- oder Unterfrequenzen einfach ab. Dies auszugleichen, stellt hohe Ansprüche an die Regelung und Steuerung.»

Swissgrid muss deshalb nicht nur in neue Verteilnetze investieren, sondern auch in Leitwerke. Und das kann dauern, auch wenn pfannenfertig Projekte und das nötige Geld vorhanden sind. «Zurzeit müssen wir bei einem Projekt mit einem Planungs- und Bewilligungsverfahren von rund 15 bis 16 Jahren rechnen. Ideal wären etwa 6 Jahre», sagte Meuli. Beschleunigen will Swissgrid die Verfahren mit einem früheren Einbezug von Umweltschutzorganisationen sowie Kantonen und Gemeinden. Zudem wird zu jedem Freileitungs- auch ein Kabelprojekt ausgearbeitet.