Hägglingen

Ein Bier auf Blumencorso und Weltmeister

Vereinspräsidentin Monika Andres und Dorfchronist Marco Saxer stossen mit dem vereinseigenen Radlager-Bier auf das gelungene Jubiläumsjahr und die Vereinschronik an. Bild: Andrea Weibel

Vereinspräsidentin Monika Andres und Dorfchronist Marco Saxer stossen mit dem vereinseigenen Radlager-Bier auf das gelungene Jubiläumsjahr und die Vereinschronik an. Bild: Andrea Weibel

Zu seinem 100. Geburtstag schenkte sich der Veloclub Hägglingen ein Jahr voller Highlights. Präsidentin Monika Andres schaut zurück.

Es ist früher Nachmittag, noch zu früh, um ein Radlager-Bier zu öffnen. Doch verdient hätte sie es. Monika Andres, Präsidentin des Veloclubs Hägglingen, hat zusammen mit Patrick Geissmann, dem OK-Präsidenten für die Jubiläumsevents, und sehr, sehr vielen Helfern ein für den Verein beinahe unmögliches Jubiläumsjahr geschafft. Alles lief hervorragend. Vieles wird bleiben. Allem voran die Vereinschronik, die sie mit dem Dorfchronisten Marco Saxer geschrieben hat. Und vorerst auch das Radlager, das Bier, das die Brauerei Erusbacher und Paul eigens für den Verein mit der Jubiläumsetikette versehen hat. Vorerst – nur fünf Harassen sind noch da. «Es ist ein bisschen schade, dass es kein Radler war», lacht Andres. Ein Witz, der sie vermutlich seit dem Jugendfest Ende Juni begleitet. Da wurde das Bier erstmals ausgeschenkt. Natürlich auch gemischt als Radler. Die Präsidentin lacht glücklich: «Es war wirklich ein unglaubliches Jahr.» Was abgesehen von Buch und Bier bleiben wird, sind die Geschichten. Und davon hat sie einige zu erzählen.

Erste zwei Highlights: Dinner und Jugendfest

Das Jubiläumsjahr war in vier Abschnitte, vier Highlights, gegliedert. Zu Beginn, im März, lud sich der Verein selbst ein. «Für einmal durften sich all die, die sonst immer helfen und arbeiten, bedienen lassen.» Ein mehrgängiges Menü und ein schöner Vereinsabend für alle, so läutete der Verein sein Jubeljahr ein. Doch schon bald war das Zurücklehnen vorbei. Das Jugendfest rollte auf rasanten Rädern heran. «Früher war unser Veloclub bekannt für seine Teilnahme an Blumen-Corsos», erzählt Andres. «Ein Mann fuhr in der Mitte und hatte eine Standarte an seinem Velo montiert. Von der aus gingen Bänder zu den anderen Fahrern um ihn herum. Dabei musste alles stimmen: Die Bänder mussten perfekt gespannt sein, die Tenüs und Velos blitzsauber, die Blumen hübsch.

Heute: Der Blumencorso vom Jugendfest 2019 – schick wie früher.

Heute: Der Blumencorso vom Jugendfest 2019 – schick wie früher.

Einmal hat Hägglingen sogar einen Punkteabzug erhalten, weil ein Velo nicht die Originalpumpe dran hatte.» Sie muss laut lachen, bevor sie fortfährt: «Gut, dass die damaligen Wettkampfrichter am Jugendfest-Umzug nicht dabei waren, die hätten sich an den Kopf gefasst. Schon kurz nach dem Start hatte ein Velo das Band zwischen den Speichen. Das Band sah anschliessend aus, als hätte es eine Kuh im Maul gehabt. Aber wir hatten alle grossen Spass.» Zumindest die Kommandos wurden noch wie vor 50 Jahren gegeben. «Aufsteigen!», ruft Andres lachend.

Auch Frauen wären gern am Corso mitgefahren – «aber das war früher Männersache, das ging nicht», mussten sie erfahren. Dafür nahmen die Frauen und viele andere Klubmitglieder am Umzug auf Einrädern, geschmückten Damenrädern, Falträdern, einem hochmodernen Rennrad, einem Tandem und sogar zwei Hochrädern teil, wobei Zylinder und Frack nicht fehlen durften. Und natürlich fuhr auch ein Cargovelo mit, das das Radlager direkt ans Publikum verkaufte.

Drittes Highlight: Rennen über sieben Hügel

«Und dann kam der Monster-Event», sagt Monika Andres und atmet tief durch. «Das hätten wir nie so gross erwartet.» Am 30. August und 1. September organisierten sie zwei Etappen des GP Rüebliland, des internationalen Junioren-Etappenrennens. «Es war eine spezielle Stimmung im Dorf, schon Tage vorher, als die Teams die Strecke besichtigten.» Ausserdem erinnerte das Rennen viele ältere Semester an die Maiengrünrundfahrt, das Strassenrennen, das von 1947 bis 2001 28 Mal in Hägglingen stattgefunden hat. «Heute kann man so was kaum mehr durchführen, allein schon wegen der Bewilligungen.» Gewonnen hat ein Amerikaner, der drei Wochen später auch Weltmeister wurde. «Das lag ganz sicher am Küsschen der Hägglinger Ehrendamen», sind sich die Vereinsmitglieder einig.

Historisches Vorbild: So sah der Blumen-Corso 1986 aus.

Historisches Vorbild: So sah der Blumen-Corso 1986 aus.

Eine zweite hübsche Nebengeschichte handelt vom Nachbardorf Tägerig: «Um die Tägliger vorzuwarnen, haben wir allen einen Zettel in den Briefkasten gelegt, damit sie sich nicht ärgern, wenn sie kurzfristig nicht zu ihren Häusern fahren können. Das bewirkte aber, dass die Leute die Strasse säumten wie bei einer Tour de Suisse. Die Organisatoren haben nachher gefragt, wie wir so viele Leute mobilisiert haben, sie wollen es nächstes Mal auch so machen», berichtet die Präsidentin grinsend.

Zwischen den Rennen wurde der Sieben-Hügel-Trail durchgeführt, ein Spassrennen, bei dem nicht das schnellste Team gewann, sondern jenes, das am Fotoposten das witzigste Foto machte. «Am Ende konnten wir uns fast nicht entscheiden», lacht Andres. Gut möglich, dass die Idee auch in Zukunft wieder aufgenommen wird. Am Sonntag dann folgten Bike-Rennen und die Schweizer Meisterschaft im Militärrad-Quer.

Viertes Highlight: Die 100-Jahr-Chronik

Zum Schluss feierte der Verein Ende Oktober die Vernissage der neuen Vereinschronik. «Unter anderem haben Marco Saxer und ich alle ehemaligen Präsidenten interviewt.» Das Schönste dabei: «Manchmal konnten wir so sogar alte Geschichten oder Missverständnisse aufklären, damit alles richtig in der Chronik steht. Was könnte schöner sein?»

Nun hofft Monika Andres, dass Velos und der Verein auch in 100 Jahren noch existieren. «Es braucht Visionäre, die sich im richtigen Moment einsetzen. Am Anfang wurden wir auch belächelt, als wir eine E-Bike-Gruppe einführten, aber jetzt ist die richtig beliebt.»

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