Merenschwand

Ein Biber überflutet 71 Hektaren Land – Bauern fordern: «Der Biberdamm muss sofort weg»

Ein Biber-Damm am Merenschwander Unterrütikanal bringt Bauern zur Verzweiflung und die Gemeinde in eine schwierige Situation.

Für die Freiämter Landwirte hat es diesen Sommer eher zu wenig als zu viel Wasser gegeben. Mit Ausnahme eines rund 70 Hektaren grossen Gebietes am Unterrütikanal in Merenschwand. Wie die Bauernzeitung berichtet, hat dort ein Biber einen Damm gebaut, und das hat die bevorstehende Weizenernte in Gefahr gebracht: «Bereits sind die am tiefsten gelegenen Parzellen vernässt, weil das Wasser aus dem Kanal in die Drainagen und damit auf die Felder hinausdrückt. Die bevorstehende Weizenernte kann nicht mehr sichergestellt werden», wandten sich am 10. Juli acht Merenschwander Bauern an die Sektion Jagd und Fischerei im Departement Bau, Verkehr und Umwelt und baten um Hilfe.

Immense Schäden an den Kulturen befürchtet

Die Gefahr, dass die Mähdrescher bei der Ernte einsinken und massive Schäden an den Kulturen anrichten würden, sei immens, und auch die anschliessende Ansaat der Folgekulturen könnte wegen der Vernässung nicht erfolgen. Es gebe nur eine Lösung: «Der Biberdamm muss sofort weg», forderten die Bauern.

Zuvor hatten sich die Landwirte laut Bauernzeitung an die örtliche Behörde gewandt, wegen der Schulferien stand jedoch keine baldige Entscheidung in Aussicht. Deshalb wandten sich die Bauern mit Unterstützung von Ralf Bucher, Grossrat und Geschäftsführer des Bauernverbandes Aargau, direkt an den Kanton.

Vor Ort hatte sich das Verständnis für die Sorgen der Bauern bis dato in Grenzen gehalten: «Macht Öko-Flächen aus eurem Land», oder «der Biber war schon vor den Bauern da, jetzt holt er sich halt seinen Lebensraum zurück», hätten sie sich anhören müssen. Das Problem wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gelöst. Zumindest vorübergehend. Der Damm war eines Morgens einfach nicht mehr da. Das Drainagesystem funktionierte wieder, die Felder trockneten und die Ernte konnte ohne finanzielle Einbussen für die Bauern eingebracht werden. Allerdings läuft jetzt eine Anzeige gegen unbekannt.

Dem Biber war egal, wer seinen Damm zerstört hatte. Er baute ihn einfach wieder auf, innerhalb einer knappen Woche. Deshalb drückt das Wasser via Drainageleitungen jetzt erneut in die Felder, und das wird es wohl noch eine Weile tun. Denn ein offizielles Gesuch für eine Entfernung des Biber-Damms liegt erst seit dem 6. August öffentlich auf – für einen ganzen Monat. Danach, hielt Christian Tesini von der Sektion Jagd und Fischerei gegenüber der Bauernzeitung fest, könne es aber rasch vorwärtsgehen: «Solche Entscheide werden in der Regel schnell gefällt. Es sei denn, es werden Einwendungen gegen die Damm-Entfernung gemacht.»

Gesetzesmühlen mahlen für die Bauern zu langsam

Für Ralf Bucher vom Bauernverband ist dieser gesetzlich vorgegebene Weg jedoch viel zu lang: «Sollten die Regenfälle anhalten und das Gebiet überschwemmt werden, so wäre eine vorgezogene Dammentfernung dringendst zu prüfen. Meiner Meinung nach liesse sich das über eine superprovisorische Verfügung ohne aufschiebende Wirkung oder andere, ähnlich rasch umsetzbare Massnahmen realisieren.»

Den Handlungsbedarf erachtet Bucher als dringend: «Betroffen sind mittlerweile 71 Hektaren, und das wegen eines einzigen Bibers. Noch sind dort nicht alle Felder abgeerntet, und bei Nässe können die Bauern auch keine Folgekulturen anbauen, wozu sie vom Gesetz her eigentlich verpflichtet sind.»

Vom Biber gestauter Bach dient der Entwässerung

Die Bauern, sagt Bucher weiter, hätten grundsätzlich nichts gegen Biber. Doch sie verlangten zum Schutz ihres Kulturlandes entsprechende Massnahmen vom Kanton. «Beim Unterrütikanal», hält er weiter fest, «handelt es sich zudem um ein künstlich angelegtes Bächlein. Es ist im Rahmen der Melioration angelegt worden, um das Wasser aus den Drainageleitungen zu fassen und abzuleiten. Meiner Ansicht nach wäre es paradox, wenn dieser Kanal, und damit auch das gesamte Drainagesystem, wegen eines einzigen Bibers seinem ursprünglichen Zweck nicht mehr gerecht werden könnte.»

Er sehe, erklärt Bucher, auch die Gemeinde in der Verantwortung: «Es gibt sicher auch in Merenschwand ein Reglement über den Unterhalt der Meliorationsanlagen. Üblicherweise sind die Gemeinden verpflichtet, solche Werke zu unterhalten. Für die Finanzierung können sie von den Bauern sogenannte Arenbeiträge verlangen.»

Unterhalt der Drainagen ist in Reglement festgelegt

Tatsächlich gibt es in Merenschwand das «Reglement über die Sicherung und den Unterhalt der subventionierten gemeinschaftlichen Bodenverbesserungswerke im Gemeindegebiet (Unterhaltsreglement)». Es ist 2013 letztmals überarbeitet worden und legt – wie Ralf Bucher richtig vermutet hat – fest, dass die Gemeinde für das richtige Funktionieren der Drainageleitungen zu sorgen hat.

Das ist auch Gemeindeammann Hannes Küng bewusst. Laut ihm befindet sich der Gemeinderat in dieser Angelegenheit in einem Zwiespalt: «Einerseits möchten wir die Natur und den Biber schützen, was sicher auch im Sinne unserer Bevölkerung ist. Anderseits hat das, was da jetzt passiert, für unsere Bauern doch sehr weitreichende Folgen.» Es gelte jetzt, sagt Küng, die Interessen sauber abzuwägen. Mit der öffentlichen Auflage des Gesuches für eine Beseitigung des Biber-Damms und dessen Prüfung durch die verantwortlichen Instanzen werde das geschehen.

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