Es sind 325 Betreibungsbegehren, die Gesamtsumme der Forderungen beträgt 562 000 Franken. Was sagt uns das? «Es ist für Laien schwierig, die Zahlen richtig zu interpretieren», sagt der Leiter des Regionalen Betreibungsamtes Oberfreiamt, Josef Sachs.

Das ist diplomatisch ausgedrückt: Tatsächlich kann es sich bei diesen Zahlen um einen einzigen Schuldner handeln oder aber um 325. Die Forderungssumme könnte von einer Betreibung über 0,5 Mio. Franken stammen oder aber von 325 mit kleinen Beträgen. Die Statistik des Betreibungsamtes ist wahrscheinlich diejenige, mit der man als Bürgerin und Bürger am wenigsten anfangen kann. Immerhin zeigt sie: Beim Betreibungsamt wird gearbeitet.

Krankenkasse drückt

Und zwar immer mehr. «Lange Zeit waren die Zahlen im oberen Freiamt recht stabil, aber mit dem Bevölkerungswachstum stiegen in den letzten fünf Jahren auch die Betreibungsbegehren markant an», stellt Sachs fest, der nach 25 Amtsjahren den Überblick hat. «Besonders oft werden Krankenkassenforderungen betrieben, Tendenz zunehmend. Die Leute haben wenig Skrupel, die Prämien nicht zu bezahlen.»

Immer häufiger müssen die Betreibungsbeamten bei jungen Leuten anklopfen. Zu holen, also zu pfänden, ist da in den meisten Fällen nichts. Und dann gibt es jene, die ihre Miete schuldig bleiben. «Da scheinen die Vermieter oftmals fahrlässig zu sein; manche holen vor einer Vermietung nicht einmal einen Betreibungsauszug ein.»

Die Betreibungen von Mietern werden bei einem sich abzeichnenden Überhang an Mietwohnungen zunehmen, ist Sachs überzeugt. «Es gibt Vermieter, vor allem von älteren Wohnungen, die einfach mal froh sind, wenn die Wohnung vermietet ist, und deshalb lieber nicht so genau hinschauen.»

Josef Sachs und seine Stellvertreterin Sandrina Keller urteilen nicht. Für sie sind säumige Zahlerinnen und Zahler grundsätzlich ganz normale Menschen. «Es kann jeden treffen», weiss Sachs. Eine Trennung oder ein Job-Verlust bringt die Finanzen durcheinander, eine Krankheit oder nicht aufschiebbare Investitionen lassen das Budget aus dem Ruder laufen – «da sind oft ziemlich harte Schicksale hinter den Zahlen.»

Aber es gibt auch die anderen. «Es ist bei weitem nicht immer eine Frage der Lohnhöhe, ob es zu einer Betreibung kommt oder nicht», erklärt Keller. «Es gibt Menschen, die einfach nicht gelernt haben, mit Geld umzugehen.» Oder solche, die es ziemlich dreist darauf ankommen lassen, immer wieder mal zügeln, nicht mehr oder nur schwer erreichbar sind und bleiben wollen.

Wieder andere tricksen, indem sie beispielsweise ein Auto auf einen anderen Namen einlösen. Oder sie betreiben Urkundenfälschung, indem sie mit gefälschten Betreibungsauszügen Bonität vorgaukeln.

Die Mitarbeitenden auf dem Betreibungsamt erleben viel. «Einer hat mal behauptet, 80 Prozent der Schuldner lügen uns in irgendeiner Art und Weise etwas vor», lacht Sachs, «ich glaube, das stimmt.» Dabei haben Betreibungsbeamte einen tiefen Einblick – allein schon wegen der Betreibungsanfragen, die sie beantworten. «Manchmal wissen wir vor dem Käufer, ob er das, was er sich wünscht, kaufen kann oder nicht», erklärt Keller.

Eine sichere Anleitung, nie in den Kontakt mit dem Betreibungsamt zu kommen, haben Sachs und Keller nicht. «Ich bin aber überzeugt, dass das Vorbild im Elternhaus ein wichtiger Faktor ist, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn», sagt Sachs. Verführerische Werbung oder vermeintlicher gesellschaftlicher Druck können Auslöser sein, sich finanziell zu übernehmen und dann in die Statistik des Betreibungsamtes zu kommen. Das Beispiel ganz am Anfang ist übrigens aus der Gemeinde Dietwil. Aber weil die Statistik, wie erwähnt, nicht wirklich etwas aussagt, kommts auch nicht darauf an.