Wohlen

Ein Apfelbaum für den berühmtesten Wohler Einwohner

Viktor Kortschnoi (sitzend) greift bei der Pflanzaktion selber zum Spaten. BA

Viktor Kortschnoi (sitzend) greift bei der Pflanzaktion selber zum Spaten. BA

Der russische Schachgrossmeister Viktor Kortschnoi erhielt in seiner Wahlheimat in der Casa Güpf an seinem 82. Geburtstag eine späte Ehrung. Er griff gleich selbst zum Spaten und

Der russische internationale Schachgrossmeister Viktor Kortschnoi erhält in seiner Wahlheimat in Wohlen ein kleines Denkmal: An seinem 82. Geburtstag wurde am Samstag im Garten des Seniorenzentrums Casa Güpf ein Apfelbaum gepflanzt.

Mitten im Kalten Krieg setzte sich Viktor Kortschnoi 1976 in den Westen ab. In der für ihn zu eng gewordenen Sowjetunion wollte er nicht mehr leben. So wählte er an einem Turnier, das er in den Niederlanden bestritt, den Weg in die Freiheit. 1978 landete er in Wohlen, unterstützt von seiner Lebensgefährtin Petra Leeuwerik, die er 1992 heiratete.

In Wohlen bereitete ihm Gemeindeammann Rudolf Knoblauch damals im Gemeindehaus einen grossen Empfang.

Viktor Kortschnoi, dem es nie vergönnt war, Schachweltmeister zu werden, liess sich in der Schweiz einbürgern und wohnt seit 2011 mit seiner Gattin in der Casa Güpf.

In Wohlen weigerte sich Kortschnoi nach seiner Flucht lange, seinen Telefonanschluss im Telefonbuch eintragen zu lassen.

Aus guten Gründen: «Ich erhielt früher bedrohliche Anrufe. Kaum hatte ich ein Telefon, meldete sich die sowjetische Botschaft und teilte mir mit, dass ich nicht mehr Staatsbürger der UdSSR sei. Der Anruf trug nicht dazu bei, mich von der Sicherheit meines Aufenthaltes zu überzeugen. Ich wechselte die Wohnung und wurde Untermieter von Petra Leeuwerik», erzählte Kortschnoi später in einem Interview.

Heute fühlt sich der Schachspieler einiges sicherer. Er verzichtete auf den ihm aufgezwungenen Datenschutz. Seine Telefonnummer steht wie die von allen anderen, auch weniger berühmten Bürgern im offiziellen Verzeichnis.

Schlaganfall im Jahr 2012

Für die Schweiz legte Viktor Kortschnoi viel Ehre ein. Fast 50 Jahre trat er an Schacholympiaden an, elfmal für die Schweiz.

Neben den sechs Olympia-Schachgoldmedaillen errang er viermal Gold für die Schweiz mit dem besten Brettergebnis.

Von einem Schlaganfall, den Kortschnoi letztes Jahr erlitt, hat er sich ganz ordentlich erholt. Um seine physische Stärke zu beweisen, griff der Schachgrossmeister an der Baumpflanzaktion gleich selber zum Spaten und segnete den jungen Apfelbaum von der seltenen Sorte «Berner Rose» mit ein paar Schaufeln Erde ein.

Apfelbaum für russische Persönlichkeiten

Mit seinem unbezwingbaren Schalk fragte er sein Publikum: «Gibt es jetzt einen Kanonenschuss?» Die versammelte Runde, darunter auch Gemeindeammann Walter Dubler, quittierte den Scherz mit herzlichen Lachen.

Die Baumpflanzaktion ist Teil eines Kunstprojektes. Die Lausanner Künstlerin Anne-Julie Raccoursier erhielt den Auftrag, die im Umbau stehende Schweizer Botschaft in Moskau mit Kunst am Bau zu schmücken.

Um die guten Verbindungen zwischen Russland und der Schweiz zu unterstreichen, wird in allen 26 Schweizer Kantonen ein Apfelbaum gepflanzt: so im Aargau für Viktor Kortschnoi, im Wallis vor dem Spielcasino Saxon für den spielsüchtigen Dichter Fjodor Dostojewski und im Kanton Freiburg für den russischen Eishockeyspieler Slava Bykow.

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