Muri/Buttwil
Ein Alpenmaler und ein Klosterdekan auf geistigen Höhenflügen

Der Alpenmaler Caspar Wolf und der Klosterdekan Hugo Huwiler im Licht der Forschung. Beide stammen aus dem Freiamt, lebten aber in unterschiedlichen Jahrhunderten.

Jörg Baumann
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Caspar Wolf, Alpenmaler, im Jahre 1774 und P. Hugo Huwiler , Dekan der Benediktinerabtei Muri-Gries.

Caspar Wolf, Alpenmaler, im Jahre 1774 und P. Hugo Huwiler , Dekan der Benediktinerabtei Muri-Gries.

Zur Verfügung gestellt

Sie waren auf ihre Art Gipfelstürmer: der Alpenmaler Caspar Wolf (1735–1783) aus Muri und P. Hugo Huwiler (1878– 1915) aus Buttwil, Stiftsdekan im Kloster Muri-Gries bei Bozen. Ihnen ist die Jahresschrift 2015 der Historischen Gesellschaft Freiamt gewidmet.

Wolf wurde erst lange nach seinem Tod weltberühmt, jüngst auch bei amerikanischen Kunstsammlern, die drei seiner Werke erwarben. Auch P. Hugo Huwiler musste lange warten, um bekannt zu werden. Sein Grossneffe Josef Nietlispach aus Muri stiess auf Briefe, die sein Grossonkel aus der Ferne seiner Familie schrieb.

Neue Sicht auf Caspar Wolf

Eine neue Sicht auf Wolfs Bilder der Schweizer Alpenwelt gewährt der Fotograf und Bergsteiger Gilles Monney. Er suchte die Orte auf, von wo aus Wolf Berge malte, und verglich die reale Landschaft mit der von Wolf dargestellten. Monney hielt sich an 13 verschiedenen Punkten auf, die 22 unterschiedlichen Zeichnungen und Gemälden von Wolf entsprechen.

Dabei stiess der Fotograf auf überraschende Fakten. So ist die Drachenhöhle bei Stans nach Monneys Befund viel niedriger, als es das Gemälde von Wolf vermuten lässt. Wolf habe in seiner Darstellung ganz offensichtlich übertrieben. Ebenfalls überraschend sei, dass der Alpenmaler die Landschaft im Hintergrund ein beachtliches Stück näher herangerückt habe.

Ähnlich frei sei Wolf bei der Gestaltung von anderen Alpenmotiven vorgegangen, stellt Monney in der Jahresschrift der Historischen Gesellschaft Freiamt fest. Es stelle sich die Frage, ob Wolf den im späteren 18. Jahrhundert gebräuchlichen, konvex gebogenen Claude-Taschenspiegel verwendet habe, um einen Weitwinkeleffekt zu erzielen. Der letzte Beweis für diese Hypothese fehlt aber.

Ein Bauernbub hat Heimweh

Anders als der Alpenmaler Caspar Wolf geriet P. Hugo Huwiler, der vor hundert Jahren jung verstarb, in Vergessenheit. Erst nachdem im Estrich im Grodhof in Beinwil eine Mappe mit Briefen aufgetaucht war, erhellte sich das Leben des Paters, der es bis zum Stiftsdekan im Kloster Muri-Gries brachte.

Leonz Huwiler, der später den Namen Hugo annahm, wurde am 28. Juni 1878 als Jüngster von zehn Kindern auf einem Bauernhof in Buttwil geboren. Er besuchte die Bezirksschule in Muri und trat 1894 in die Klosterschule Einsiedeln ein.

Seiner Schwester Emerentia, der Grossmutter von Josef Nietlispach, teilte er aus Einsiedeln mit, dass es am Anfang «etwas langweilig» gewesen sei, «bis ich mich hier auf die frohe Ferienzeit herab wieder eingelebt hatte.» Er habe regelmässig Heimweh gehabt.

«Doch bald war diese Krankheit wieder geheilt, denn die Professoren sorgen schon, dass man nicht Zeit hat, an das Heimweh zu denken.»

Am 14. April 1898 bewarb sich Leonz Huwiler darum, ins Kloster Muri-Gries aufgenommen zu werden. P. Benno Kühne, Rektor der Stiftsschule Einsiedeln, empfahl, das Gesuch gutzuheissen. Huwiler sei einer der besten Schüler, «gesund, brav und durchaus empfehlenswert; bei den Mitschülern ist er sehr beliebt.»

Mit Widerwillen absolvierte Huwiler die Rekrutenschule und trat im Herbst wunschgemäss als Novize ins Kloster Muri-Gries. Ausführlich schilderte er seiner Schwester den klar geregelten Tagesablauf, der um halb vier Uhr mit der Tagwacht beginne und nach dem Nachtessen früh ende, damit der Novize genügend Schlaf finde.

Der Doktor wird Klosterdekan

Der junge Freiämter gab wegen seiner Intelligenz zu grösten Hoffnungen Anlass. Deshalb lag das Studium des Kirchenrechts in Rom nahe. Aus der Ewigen Stadt berichtete Huwiler, dass er mit Angehörigen aller Nationen zusammenlebe: mit Österreichern, Deutschen, Franzosen, Italienern, Spaniern, Engländern, Belgiern, Niederländern – «ja sogar Amerikanern».

Huwiler schloss sein Studium 1907 mit dem Doktorat im kanonischen Recht ab. 1913 ernannte ihn Abt Alfons Maria Augner zum Dekan des Klosters. Viel Arbeit erwartete ihn. 1914 teilte er seiner Schwester zum ersten Mal mit, dass er «etwas herzleidend» sei.

Die Sache sei aber noch nicht gefährlich «und wird durch Ruhe und Schonung wieder ganz gut werden.» In der Kur in Dussnang (Thurgau) hoffte Huwiler, sich wieder erholen zu können.

Doch das Leiden verstärkte sich. P. Hugo Huwiler starb am 15. März 1915. Abt Augner bezeichnete den Verstorbenen als «vollendeten Ordensmann» und als Mann der Wissenschaft, Frömmigkeit und strengen klösterlichen Disziplin.

Die Jahresschrift der Historischen Gesellschaft Freiamt ist für 30 Franken bei Muri-Info und Daniel Güntert, Rebbergstrasse 43, Wohlen, erhältlich.

Die Generalversammlung der Gesellschaft findet am Donnerstag, 29. Oktober, 18.45 Uhr, im Dachtheater in Muri statt. Um 19.45 Uhr folgt der Vortrag von Gilles Monney: «Als Fotograf auf den Spuren von Caspar Wolf».

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