Er kniete vor dem siebenjährigen Mädchen und berührte es über den Kleidern am Bauch und im Schambereich. Dann griff er dem Kind ins Höschen, fuhr mit seiner Hand über die nackte Haut und streichelte den Genitalbereich. Der 27-jährige Tazo (Name geändert) sagte vor dem Bezirksgericht Bremgarten, wo er sich für seine Straftat verantworten musste: «In dem Augenblick wurde mir klar, was ich getan hatte. Es tut mir leid. Danach fühlte ich mich sehr schlecht, es ging mir nicht gut.»

«Mein Leben zerstört»

Der Angeklagte zeigte sich einsichtig und stellte fest: «Mein Leben, meine Zukunft habe ich durch diese Tat zerstört. Ich glaube, dass es auch mein Opfer schwer haben wird, die Sache zu verarbeiten.» Er sei in das Leben des Mädchens getreten und habe ihm etwas angetan, das es noch gar nicht begreifen könne und das lange nachwirken werde, gab sich Tazo überzeugt.

Der Angeklagte war auf zwei Mädchen vor dem Eingangsbereich eines Mehrfamilienhauses aufmerksam geworden und hatte die beiden angesprochen. Während sich eines der Kinder entfernte, wandte sich Tazo dem anderen Mädchen zu und fragte es, ob er ihm etwas zeigen und ausprobieren dürfe. Darauf kam es zur Straftat, wobei der Angeklagte vom Kind abliess, als sich Drittpersonen näherten.

Tat zuerst abgestritten

Die Tat stritt Tazo bei der Einvernahme durch die Untersuchungsbehörden anfänglich hartnäckig ab. Schliesslich lenkte er ein und gestand seine Verfehlung. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten beantragte für den Angeklagten wegen des Tatbestandes der sexuellen Handlungen mit Kindern eine unbedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr und die Anordnung einer ambulanten Massnahme (Therapie). Zur Last gelegt wurde ihm auch mehrfache Pornografie, denn bei einer Hausdurchsuchung wurden zwei Mobiltelefone beschlagnahmt, auf denen sich kinderpornografisches Material (Fotos und Videos) befand.

«Sexuelles Problem»

Gegenüber dem Einzelrichter Lukas Trost zeigte sich Tazo, der in keiner Beziehung lebt, sehr offen und meinte: «Ich habe ein allgemeines sexuelles Problem und bin deswegen dauernd im Stress. Ich möchte es in den Griff bekommen.» Während ein Gutachter bei ihm speziell ein sexuelles Problem mit Kindern feststellte, meinte der Angeklagte: «Eigentlich bin ich nicht pädophil veranlagt.» Dennoch gab er seiner Hoffnung Ausdruck, eine therapeutische Behandlung möge ihm helfen. Der Gerichtspräsident jedenfalls meinte, dass in der sexuellen Entwicklung des Angeklagten noch nicht alles dort sei, wo es sein sollte. Gewisse Auffälligkeiten reichen bis weit in die Kindheit von Tazo zurück, wo es einen ersten Vorfall im Kindergarten gab und einen zweiten in der Schule. Ausserdem ist er vorbestraft, weil er vor sechs Jahren Geschlechtsverkehr mit zwei minderjährigen Mädchen hatte.

Bei seinem jungen Opfer hat sich der Täter übrigens nicht entschuldigt. Als Grund führte er vor Gericht an: «Die Tat kann ich ohnehin nicht rückgängig machen. Wenn das möglich wäre, hätte ich es längst getan.» Der Gerichtspräsident legte ihm nahe, einen Entschuldigungsbrief zu schreiben; es sei ein Zeichen für das Opfer, aber auch für ihn, den Täter.

Lukas Trost verurteilte den Angeklagten zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe, die jedoch zugunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben wird. Das sei eine Chance für ihn, die er packen soll, schärfte er Tazo ein. Allerdings müsse er bei einem Abbruch der Massnahme ins Gefängnis, daran führe dann kein Weg vorbei.