«Im Alter von sieben Jahren kam ich mit meiner Familie aus Ungarn in die Schweiz. Ich betrieb intensiv verschiedene Kampfsportarten und prügelte mich oft mit anderen Typen. Nach einer Lehre auf dem Bau musste auch ich, der Papierli-Schweizer, ins Militär einrücken. Ich war ein harter und brutaler Kerl, der in der Grenadier-Rekrutenschule als regelrechte Killermaschine galt und jeden Auftrag bedingungslos ausführte. Sehr stolz war ich auf die zahlreichen Auszeichnungen und die Beförderungen, die ich erhielt. Meinem stark angeschlagenen Selbstbewusstsein schmeichelte das.»

Sechs Jahre im Zuchthaus

Die Zuhörer im Wohler Chappelehof-Saal hingen förmlich an den Lippen von Rudolf Szabo, dem ehemaligen Bank- und Posträuber, der sechs Jahre ins Zuchthaus gesteckt wurde. In seiner Lebensgeschichte beeindruckte das Publikum vor allem die Tatsache, dass der Räuber, der aus Geldmangel Banken, Postämter und Läden überfallen hatte, auf den rechten Weg zurückfand. Aus dem einstigen Schwerverbrecher ist ein geläuterter Sozialarbeiter geworden. Er ist heute Mitarbeiter in der Wohngemeinschaft Falkennest in Liestal, wo er als Anti-Aggressions-Trainer erfolgreich mit Problemjugendlichen arbeitet, die er bis zur Lehrabschlussprüfung begleitet. «Der Glaube hat mir geholfen», betonte er und beantwortete die interessanten Fragen aus dem Publikum.

Organisiert wurde die bei Jung und Alt beliebte Nacht der Begegnungen von den katholischen Pfarreien des Pastoralraums Unteres Freiamt: Wohlen, Dottikon, Hägglingen, Niederwil, Fischbach-Göslikon und Waltenschwil.

«Ein grosser Erfolg»

«Ein grosser Erfolg – wir haben nicht mit so vielen Leuten gerechnet», hielt Markus Leutenegger aus Niederwil, Moderator der Nacht der Begegnungen, gegenüber der Aargauer Zeitung fest. Die insgesamt elf Ateliers zogen gesamthaft 260 Zuhörerinnen und Zuhörer in ihren Bann. Neben Rudolf Szabo, der offen über seine Bankräuberkarriere erzählte, war da noch Christoph Müller. Sein Projekt für die Gewinnung von Wasser aus der Luft faszinierte das Publikum genauso wie die Schilderungen der Ordensfrau aus dem Wallis.

Telefon 143 und Kirchen-Radio

Alle zweieinhalb Minuten wählt in der Schweiz jemand die Telefonnummer 143: Menschen in Not finden bei der «Dargebotenen Hand» eine Ansprechperson – ein Thema, das an der Wohler Nacht der Begegnungen ebenfalls auf grosse Aufmerksamkeit stiess. Die weiteren Ateliers bestritten das Fi sherman-Radio, der Gefängnisseelsorger aus dem Limmattal, ein Ex-Junkie vom Platzspitz und ein Sterbebegleiter. Marit Neukomm, die Aargauerin des Jahres 2015, gab einen Einblick in die Flüchtlingshilfe. Weiter kamen noch ein Spitalseelsorger und ein Sekten-Experte zu Wort.