Gerichtsfall
Ehefrau vertrieb die Freundin ihres Mannes mit illegalem CS-Spray

Eine Rumänin fand in ihrer Wohnung in Wohlen die Freundin ihres Mannes und reagierte heftig: Sie setzte einen sogenannten CS-Spray ein, eine Waffe, die in der Schweiz verboten ist. Nun stand sie vor Gericht.

Dominic Kobelt
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Die Rumänin setzt einen sogenannten CS-Spray ein, eine Waffe, die in der Schweiz verboten ist.

Die Rumänin setzt einen sogenannten CS-Spray ein, eine Waffe, die in der Schweiz verboten ist.

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Vor etwas mehr als einem Jahr kommt eine Rumänin von einem Aufenthalt im Ausland zurück in ihre Wohnung in Wohlen. Ihr Mann ist bei der Arbeit, auf dem Sofa sitzt seine neue Freundin - es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden. Die Rumänin setzt einen sogenannten CS-Spray ein, eine Waffe, die in der Schweiz verboten ist.

Heute stand sie vor dem Bezirksgericht Bremgarten, die Anklage lautete auf versuchte einfache Körperverletzung mit Gift, einer Waffe oder eines gefährlichen Gegenstands und Widerhandlung gegen das Waffengesetz.

Wusste sie von der Freundin?

Gerichtspräsident Lukas Trost wollte die genauen Umstände der Tat klären. Die Beschuldigte gab in einer ersten Aussage an, sie habe die Frau für eine Einbrecherin gehalten und sei schockiert gewesen, als sie diese in ihrer Wohnung vorfand. Allerdings befindet sich die Wohnung im vierten Stock und die Türe war abgeschlossen. «Wie hätte ein Einbrecher in die Wohnung gelangen sollen, ohne die Türe zu öffnen?», wollte Trost wissen.

Darauf hatte die Beschuldigte keine Antwort. Erschwerend kam hinzu, dass die Behörden einen Tag vor der Auseinandersetzung ein E-Mail erhielten. Darin schrieb eine Person, die sich als die Beschuldigte ausgab, dass sich in ihrer Wohnung eine Person illegal aufhalte, «offenbar eine ungarische Prostituierte». Die Rumänin bestritt, dieses Mail verfasst zu haben, konnte aber auch nicht glaubhaft erklären, wer das Mail in ihrem Namen geschrieben haben könnte.

Kein Strafantrag vom Opfer

Um die Beschuldigte wegen Körperverletzung verurteilen zu können, hätte ihr nachgewiesen werden müssen, dass sie das Opfer schwer habe verletzen wollen, erklärte Trost bei der Urteilsverkündung. «Dies ist für mich nicht nachgewiesen», sagte Trost, merkte aber an: «Ihre Aussagen sind für mich höchst unglaubhaft. Sie haben mich mehrfach angelogen, davon bin ich überzeugt.» Er sei sicher, dass die Beschuldigte wusste, dass ihr Mann eine neue Freundin hatte und sich diese in der gemeinsamen Wohnung aufhalte.

Da das Gericht in diesem Fall aber kein Offizialdelikt nachgewiesen sah, hätte das Opfer einen Strafantrag einreichen müssen - darauf verzichtete die Frau ausdrücklich. «Sie wusste wohl selber, dass es ungebührlich ist, sich als neue Freundin einfach in die Wohnung der Eheleute zu setzen», vermutete Trost.

Schuldig gesprochen wurde die Rumänin im zweiten Anklagepunkt. «Es gibt Sprays, die zur Verteidigung erlaubt sind, und die gefährlichen, wie sie einen verwendet haben.» Die Waffe wurde eingezogen und vernichtet. Für den Verstoss gegen das Waffengesetz sprach Trost eine bedingte Geldstrafe von 1200 Franken aus. Hinzu kommt eine Busse von 300 Franken und die Hälfte der Gerichtskosten. Allerdings kann das Urteil sowohl von der Beschuldigten als auch von der Staatsanwaltschaft weitergezogen werden.