Den Lindenberg hinaufstrampeln? Den Mutschellen in Angriff nehmen? Klar doch, das ist mit dem Elektro-Velo keine Sache mehr. «Im letzten Jahr war jedes dritte verkaufte Velo ein E-Bike», sagt Markus Huwiler von Huwiler Sport Muri, «das wird weiter zunehmen.» Er ist einer der Velohändler, die jetzt alle Hände voll zu tun haben. Frühlingszeit ist schliesslich Velozeit.

Was so aber trotzdem nicht stimmt, wie Huwiler sagt: «Das Fahrrad ist heute eine ganzjährige Sache. Spezielle Velos müssen manchmal sogar bereits im Herbst bestellt werden, damit sie im Frühjahr ausgeliefert werden können.» Ob City-Bike oder Mountainbike, die elektrische Unterstützung hat auf jeden Fall bei vielen eine neue Lust am Fahrrad geweckt.

Ausgereifte Technik

Es gibt keinen Grund, nicht ein Velo mit elektrischer Unterstützung zu kaufen – ausser vielleicht der Preis oder die innere Überzeugung, Distanzen ausschliesslich mit eigener Kraft zu meistern. «Vom technischen Standpunkt aus spricht nichts gegen das E-Bike», sagt Huwiler, «die Technik ist ausgereift.» Diese Velos sind längst nicht mehr für die älteren Semester eine Option, sondern auch bei den sportlich orientierten Fahrerinnen und Fahrern im Aufschwung. So erfreut sich der E-Antrieb im Sektor Mountainbike immer grösserer Beliebtheit. «Gerade im Freiamt mit den zum Teil doch erheblichen Höhenunterschieden erleichtert die Unterstützung durch Elektromotor das Fahren erheblich», unterstreicht Huwiler, selbstverständlich selber begeisterter E-Bike-Fahrer.

Die gelegentlich aufkommende Kritik, die schnellen Mountainbiker würden quer durch die Wälder radeln oder auf Wanderwegen mit hohen Tempi Fussgänger gefährden, lässt er nicht gelten. «Rücksichtslos fahren hat nichts mit dem Antrieb zu tun, sondern ist wie bei allem eine Frage der Verantwortung und des Anstandes.»

Unterschiedliche Ansprüche

Den «typischen» Velofahrer gibt es nicht, wie Huwiler weiss. «Die Ansprüche sind unterschiedlich: Wer in der Stadt fährt, braucht ein anderes Velo als einer, der über Stock und Stein radelt oder schnell auf der Strasse unterwegs sein will.» Manchmal ändern sich auch die Bedürfnisse. Mit zunehmendem Alter wird vielleicht die elektrische Unterstützung wichtiger. Oder man entschliesst sich, das Fahrrad nicht nur als Sportgerät zu nutzen, sondern auch für den täglichen Weg zur Arbeit. Entsprechend ist das Angebot in den Fachgeschäften breit gefächert. Allen gemeinsam ist aber, dass sie die Vorzüge des Velos und die Freude am Fahren geniessen und in den Fachgeschäften auch die entsprechende Ausrüstung kaufen können.

Das E-Velo hat sich als Massenverkehrsmittel im Verkehrsdschungel und Freizeit-Bereich längst etabliert, stellt auch Velosuisse, der Verband der Schweizer Fahrradlieferanten, fest. Auf Schweizer Strassen sind über 400'000 E-Bikes im Einsatz. «Ein Boomende ist nicht absehbar.» Anders als beim teuren E-Auto stimme beim E-Bike das Verhältnis von Reichweite, Nutzen und Kosten. Interessant: 78 Prozent der E-Bike Käufer entschieden sich für ein 25-km/h-Velo, 22 Prozent für die schnellere 45-km/h-Version, welche dann aber mit einer separaten Nummer eingelöst werden muss und wie das «Töffli» Waldwege nicht mehr befahren darf.