Beim Betreten der Turnhalle sind sofort Motorengeräusche zu hören. Eine grosse Menschenmenge steht auf einem eingezäunten Feld in der Halle, in dem Strassen abgesteckt und Parkplätze mit Klebeband eingezeichnet wurden. Dazwischen sind unter anderem ein Plastikbaum, eine Windmühle und eine Brücke aufgestellt. Plötzlich ertönt ein lautes Hupen. Von hinten naht ein Truck, der sich an den Beinen vorbeischlängelt. Zirka 80 Fahrer und 300 Besucher haben sich für die diesjährige Funktions-Modellbau-Ausstellung des Vereins Modell Trucker Seetal in der Turnhalle Bachmatten in Muri eingefunden.

Muri: Dutzende Modell-Trucker kurven durch die Turnhalle

Muri: Dutzende Modell-Trucker kurven durch die Turnhalle

„Wir sind völlig überrascht von dem grossen Ansturm“, sagt Michael Jeker, Mitglied des Vereins Modell Trucker Seetal. Er führt durch den aufgebauten Parcours und zeigt stolz einige der teuersten und seltensten Modelle. „Die meisten der 80 angemeldeten Fahrer hier sind oder waren, genau wie ich, Lastwagenchauffeur.“ Die Funktions-Modellbau-Ausstellung fand vergangenes Wochenende zum ersten Mal in Muri statt. Der alte Veranstaltungsort sei nämlich mit der Zeit zu klein geworden. „Hier in der Turnhalle ist es super. Wir konnten einen grösseren Parcours aufbauen. So können erstmals auch die grossen Trucks mitfahren“, erklärt Jeker.

Aufbau dauerte elf Stunden

Zu den grossen Gefährten gehört auch jenes von Roger Kindhauser. Der Autoporter, ein weisser mit Modellautos beladener Truck, ist sein ganzer Stolz. „Ich bin hergekommen, um zu sehen, wie das Fahrverhalten des Trucks ist. Natürlich bin ich auch hier, um ein wenig anzugeben“, sagt er und lacht. Seit März habe er jeden Tag bis zu fünf Stunden an dem 4 500 Franken teuren Fahrzeug gearbeitet. „Es ist ein teures und zeitintensives Hobby, aber Lastwagen haben mich schon immer fasziniert.“ Erst nach 20 Jahren Pause hat der ehemalige Lastwagenchauffeur wieder damit begonnen. „Hier ist es wie auf einem grossen Spielplatz für Erwachsene, was mir sehr gefällt“, sagt Kindhauser und drückt auf der Fernbedienung mit Touchscreen einige Knöpfe, ehe er und sein Truck wieder in der Menge verschwinden.

Neben einem Bistro gibt es auch kleinere Aussteller in der Turnhalle, die an Ständen Fahrzeuge und Zubehör verkaufen. Unterdessen herrscht auf dem Parcours reger Betrieb. Gesprochen wird dabei jedoch nicht. Vielmehr wird mittels Lichthupe oder Blickkontakt zwischen den Fahrern kommuniziert. „Bis jetzt ist es zum Glück noch nie zu Unfällen gekommen“, sagt Jeker. Es gebe jedoch „Cherifs“, die für Recht und Ordnung auf dem Parcours sorgen. „Die Modelle sind sehr teuer. Auch der Parcours wurde von Hand gemacht und besitzt wertvolle Details.“ Insgesamt elf Stunden hatte der elfköpfige Verein für den Aufbau des Parcours gebraucht. „Fast alles ist selbst gemacht“, betont Jeker und zeigt auf die Windmühle aus Holz und die Seilbahn, die er selbst konstruiert hat.

Nachtfahren ist Highlight

Es gibt Einzelfahrer, die mit ihren Fernbedienungen dem Truck durch die ganze Halle hinterherlaufen, aber auch Gruppen von Menschen, die an einer nachgestellten Baustelle mit ihren Modell-Baggern Holzspäne abtransportieren. Am Ende des Tages werde jedoch alles wieder aufgeräumt, damit die Fahrer am nächsten Tag eine saubere Fahrbahn erwartet. Das Highlight des heutigen Fahrtags sei das Nachtfahren. „So kommen die <Christbäume> besser zur Geltung“, erklärt er mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Christbäume werden jene Modelltrucks genannt, die besonders viele Lichter besitzen. „Bis jetzt sind wir sehr zufrieden. Morgen Sonntag rechnen wir sogar mit noch mehr Besuchern“, sagt Jeker.