Rotwild
Durchs Kelleramt ziehen wieder Hirsche

Seit zwei Jahren wird im Grenzgebiet zum Kanton Zürich vermehrt Rotwild gesichtet, 2018 wurden zwei Tiere überfahren

Toni Widmer
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Dieser ungerade Achtender tappte 2017 im Revier der Jagdgesellschaft Oberwil-Lieli in eine Fotofalle.

Dieser ungerade Achtender tappte 2017 im Revier der Jagdgesellschaft Oberwil-Lieli in eine Fotofalle.

Dem Wild gefällt es in den Freiämter Wäldern, das belegt die eben veröffentlichte Kantonale Jagdstatistik. Weil die Rehe praktisch keine natürlichen Feinde haben, müssen die Bestände von den Jagdgesellschaften reguliert werden. Damit gilt es, zu hohe Schäden in Wald und Flur zu verhindern.

Um wie viele Tiere der Rehwildbestand zu reduzieren ist, wird zwischen den Jagdgesellschaften, den Forstbetrieben und den Gemeinden in Absprache mit den Fachleuten des Kantons alle zwei Jahre definiert. Im Aargau sind 2018 total 7108 Rehe gefallen. 5622 wurden von Jägerinnen und Jägern erlegt, 900 wurden Opfer des Strassenverkehrs und 586 aus anderen Gründen (Alter, Krankheit, von Füchsen gerissene Kitze usw.) gestorben. Im Freiamt wurde der Rehwild-Zuwachs im vergangenen Jahr um 1152 Tiere vermindert, davon 678 im Bezirk Bremgarten und 474 im Bezirk Muri. In den Bremgarter Revieren wurden dabei 120 Tiere Opfer des Strassenverkehrs, im Bezirk Muri waren es 82.

Zwei Hirschkühe überfahren

Erstmals seit Menschengedenken sind in der Freiämter Jagdstatistik auch zwei Hirschkühe aufgeführt. Sie wurden allerdings nicht von Jägern erlegt, sondern im vergangenen Jahr von Autos totgefahren – beide im aargauisch-zürcherischen Grenzgebiet zwischen dem Umfahrungstunnel in Oberwil-Lieli und Birmensdorf. Ein Zeichen dafür, dass das in unserer Region einst weitgehend ausgerottete Rotwild den Weg zurückgefunden hat.

Die Erhebungen zeigen, dass sich die Tiere in einem relativ schmalen Streifen im Waldgebiet zwischen der Zürcher Kantonsgrenze, dem Kelleramt, dem Mutschellen und dem Heitersberg aufhalten und/oder durch dieses Gebiet ziehen. Im September und Oktober 2018 wurden einzelne Rothirsche im Gebiet der Gemeinden Jonen, Unterlunkhofen und Oberwil-Lieli gesichtet. In Unterlunkhofen ist ein junger männlicher Hirsch offenbar sogar auf einer Bewegungsjagd von den Jägern gesichtet, von ihnen aber geschont worden, weil nicht mit Schrot auf Rotwild geschossen werden darf. Insgesamt sind 2018 aus der Region Kelleramt/Mutschellen gegen drei Dutzend Meldungen von Rotwild-Sichtungen eingegangen. Das heisst, dass dort sicher noch mehr Rothirsche leben. Deshalb müssen sich die Verantwortlichen intensiv mit der aufkommenden Population befassen.

Herausforderung für die Jäger

Sie wird vor allem für die Freiämter Jäger, die mit der Regulierung von Rotwild-Beständen noch wenig bis gar keine Erfahrung haben, zu einer echten Herausforderung, der sie sich aber durchaus zu stellen bereit sind. Nicht von ungefähr ist zur kürzlich durchgeführten Bezirksversammlung von JagdAargau in Eggenwil mit dem Toggenburger Wildhüter Urs Büchler ein Fachmann eingeladen worden, der in einem ausführlichen Referat auf die Besonderheiten der Hirschjagd einging, die in einem stark überbauten und mit vielen Verkehrwegen durchsetzten Gebiet wie dem Freiamt stattfindet.

«Die Aargauer Jägerinnen und Jäger begrüssen die Ankunft des Rothirsches in seine angestammten Lebensräume in unserem Kanton. JagdAargau unterstützt deshalb den Grundsatz im vom Regierungsrat erlassenen Massnahmenplan, wonach dem Rotwild die Wiederbesiedlung mit seinem natürlichen Raum und Sozialverhalten ermöglicht werden soll», halten die Jäger in einer Mitteilung zur Versammlung fest.

Keine Trophäenjagd

Sie sind sich aber auch bewusst, dass sie sich frühzeitig auf die Bestandesregulierung vorbereiten müssen. Zurzeit sind die Rotwildbestände in unserer Region kein Problem. Doch wenn sie weiter wachsen, könnten sie eines werden. Hirsche brauchen bis zu 20 Kilogramm Futter am Tag. Wenn sie davon nicht mehr genügend im Wald finden, werden sie auf Wiesen und Äcker ausweichen und entsprechende Schäden verursachen. Kommt dazu, dass mit einer zu hohen Population auch die Gefahr von schweren Verkehrsunfällen grösser wird. Ausgewachsene Hirsche bringen weit über 100 Kilogramm auf die Waage. Das kann bei einem Zusammenstoss mit einem Auto für dessen Passagiere böse Folgen haben.

Grundsätzlich dürfen Hirsche im Aargau bereits jetzt bejagt werden, allerdings nur in beschränktem Umfang und nur in revierübergreifenden Jagdgemeinschaften. Die Kantonale Jagdverwaltung legt von Saison zu Saison nicht nur die jeweilige Abschussquote fest, sie definiert auch, was für Tiere geschossen werden dürfen. Es gibt keine Trophäenjagd nach dem Hirsch mit dem grössten und schönsten Geweih, sondern eine gezielte Bestandesregulierung. Weil sich das Rotwild grossräumig bewegt, müssen für seine Bejagung revierübergreifende Jagdgemeinschaften gebildet werden, die sich das nötige Know-how gemeinsam aneignen.

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