Nach wie vor betreibt die Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDB) am Wohler Bahnhof eine eigene Haltestelle. Pendlerinnen und Pendler müssen beim Wechsel von der BDB zur SBB (und umgekehrt) die Zufahrtsstrasse zur Park+Ride-Anlage sowie dem SBB-Freiverlad überqueren. Eine Situation, die angesichts der heutigen Personenfrequenzen am Wohler Bahnhof immer absurder und vor allem gefährlicher geworden ist. Zudem muss die BDWM als Betreiberin der BDB ihre Haltestelle dem Behindertgleichstellungsgesetz anpassen und so oder so investieren.

Nach Lösungen gesucht, wie die BDB mit der Verlegung ihrer Einfahrt besser in den Bahnhof integriert werden könnte, wird seit Jahrzehnten ohne konkretes Ergebnis. Im Weg stand solchen Ideen der Freiverlad einerseits, auf den die SBB bisher nicht verzichten wollte. Zum anderen geht es auch um den Güterschuppen. Der steht zwar weder kommunal, noch kantonal und schon gar nicht eidgenössisch unter irgendwelchem Schutz. Doch weil der Schopf in irgendwelchen Akten der SBB als erhaltenswertes Objekt taxiert ist, stand er nie zur Diskussion.

Durchbruch bei der Planung

Noch fahren in Wohlen schwere Lastwagen durch eine Fussgängerzone zum Freiverlad, noch steht der Güterschuppen fest auf seinem Fundament. Doch dieser Zustand ist nicht mehr für alle Zeiten zementiert. Beim Planungsprojekt «ÖV-Drehscheibe» Wohlen, bei dem es vor allem um die Verbesserung der Umsteigemöglichkeiten geht, will man damit aber auch gleichzeitig Möglichkeiten schaffen, den Bahnhofplatz neu zu gestalten und das Areal besser auszunützen.
«Die Situation war zeitweise recht verkorkst und wir sind lang kaum einen Schritt weiter gekommen», blickte Gemeinderat Paul Huwiler auf die bisherige Planungsphase zurück.

Er hat das Projekt als Vizeammann über Jahre begleitet, gibt es jetzt aber ab. Die Wende kam, laut Huwiler, mit der Diskussion über die Mehrwertabschöpfung im Zusammenhang mit der Einzonung eines 1,8 ha grossen Grundstücks im Farnbühl, das den SBB gehört. Der Gemeinderat hatte es verpasst, den Planungsmehrwert rechtzeitig einzufordern, und musste nachverhandeln. Dabei wurde vor rund einem Jahr vereinbart, dass Wohlen zwei Drittel der von den SBB bezahlten Mehrwertabschöpfung (3,4 Mio. Franken) in den Freiverlad reinvestiert.

Parteien sind sich einig

Damit konnte die Planung wieder intensiviert werden. Der Gemeinderat hat eine Projektgruppe ins Leben gerufen, welche die einzelnen Schritte aus Wohler Sicht regelmässig reflektiert hat. In den vergangenen 12 Monaten sind zwei sogenannte «Zielbildvarianten» ausgearbeitet worden: die Sanierung der BDB-Haltestelle am bisherigen Platz sowie die Verlegung in Richtung SBB-Gleise. Beide Möglichkeiten sind laut Paul Huwiler sowohl auf ihre verkehrstechnische Tauglichkeit wie auch auf die städtebauliche Verträglichkeit hin geprüft worden.

Und, welche Überraschung, alle beteiligten Parteien (Wohlen, BDWM, Kanton und SBB) sind zum gleichen Schluss gekommen: Eine Verlegung des BDB-Bahnhofes wäre aus allen Perspektiven betrachtet die optimale Lösung. Der Komfort und – vor allem – die Sicherheit für die Pendler wird deutlich verbessert, der Bahnhofplatz lässt sich endlich richtig gestalten und auch städtebaulich eröffnen sich neue Perspektiven. Der öffentliche Raum, so Paul Huwiler, könne im Bereich des Bahnhofs so gestaltet werden, dass Kirchenhügel, reformierte Kirche sowie das ehemalige Verwaltungsgebäude der Georges Meyer AG deutlich besser zur Geltung kämen als heute.

Noch ist nicht gebaut. Man ist sich einig, wo man hin will, aber verschiedene Details sind noch offen. Als erstes bleibt jetzt abzuwarten, ob das Bundesamt für Verkehr die Aufhebung des Freiverlads bewilligt. Wenn ja, kann weiter geplant und eine neue Einfahrt für die BDB bis 2022/23 realisiert werden.

Der Umbau der Perronanlagen auf dem Bahnhof läuft planmässig.

Der Umbau der Perronanlagen auf dem Bahnhof läuft planmässig.