Muri

Durch Zufall stiess Hans-Peter Strebel auf den Wirkstoff

Hans-Peter Strebels Entdeckung hilft MS-Patienten. Ueli strebel/Archiv

Hans-Peter Strebels Entdeckung hilft MS-Patienten. Ueli strebel/Archiv

Vor rund 30 Jahren entdeckte der Apotheker Hans-Peter Strebel eine Substanz, die gegen Multiple Sklerose (MS) hilft. Nun hat das Medikament die amerikanische Zulassung erhalten – ein grosser Erfolg für den Murianer.

Riesenerfolg für den Murianer Apotheker Hans-Peter (HP.) Strebel: Die USA gibt, wie «Blick» und «NZZ» am Dienstag berichteten, grünes Licht für die Zulassung der bisher wirksamsten Pille gegen Multiple Sklerose (MS). Sie heisst Tecfidera und wird vom US-Biotech-Unternehmen Biogen produziert. Auf den Wirkstoff für dieses Medikament ist Strebel über den Umweg eines Psoriasis-Medikaments gestossen, wie «Der Sonntag» bereits letztes Jahr berichtete.

Anfang in der Klosterapotheke

Vor rund 30 Jahren bat ein Psoriasis-Patient den Inhaber der Murianer Klosterapotheke darum, ein weisses Pulver zu analysieren, das er von einem Heilpraktiker erhalten hatte. Dieses Pulver zeigte zwar Wirkung gegen seine Schuppenflechte, verursachte aber auch starke Nebenwirkungen.

Strebel analysierte das Pulver zusammen mit Kollegen an der ETH Zürich und stellte 23 verschiedene Substanzen fest, die zum Teil hochtoxische Verbindungen waren. Und er kam, zusammen mit den Fachkollegen, zum Schluss, dass Fumarsäurederivate als möglicher Wirkstoff infrage kamen.

Langer Forschungsweg

Damit begann ein langer Forschungsweg, der schliesslich 1994 zur Zulassung des Psoriasis-Medikamentes Fumaderm führte; Strebel hatte dafür mit drei Wissenschaftern die Fumapharm AG gegründet.

Die Firma forschte weiter und die daraus resultierenden Daten deuteten darauf hin, dass Fumarsäurederivate auch als Therapeutika bei multipler Sklerose (MS) vielversprechend angewendet werden könnten. Die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Biogen Idec begann, welche 2006 die Fumapharm AG übernahm

Auch eine Portion Glück

«Dieser Erfolg ist wunderbar», stellte Hans-Peter Strebel im letzten Jahr im Gespräch mit der Zeitung «Der Sonntag» fest, «aber er macht bescheiden.» Nicht Fachwissen allein sei massgebend, «sondern so viele Zufälle und eine Portion Glück.» Nur schon, dass er das Pulver zur Analyse entgegennahm, war ungewöhnlich.

Schliesslich führte die Teamarbeit mit hoch qualifizierten Kollegen zu weiter verwertbaren Resultaten. Deshalb nimmt Strebel sich und seine Verdienste zurück, sucht nicht die Öffentlichkeit. «Es hätte auch schiefgehen können, und niemanden hätte das interessiert», sagt er.

Strebel zog sich 2006 aus dem operativen Berufsleben zurück, verkaufte sowohl die Fumapharm AG als auch die Klosterapotheke sowie die Zentralapotheke in Muri. Er ist heute Verwaltungsrat der EVZ Sport AG und im Vorstand beim Technopark D4 in Root, der zentralschweizerischen Plattform für Start-ups und Jungunternehmer.

Schliesslich ist er Mitglied des Advisor Boards am Institut für künstliche Intelligenz der Universität Zürich. In seiner Freizeit betreibt Strebel intensiv Fitness, spielt Saxofon und Golf.

Mit Muri verbunden

Auch wenn Hans-Peter Strebel in Luzern lebt, bleibt er mit Muri verbunden. Kürzlich haben er und seine Frau Katrin die Leitung von «Cabarena» abgegeben. Sie hatten die Institution zusammen mit dem Verein ehemaliger Bezirksschüler vor 16 Jahren gegründet, um hochstehende Kleinkunst ins Klosterdorf zu bringen.

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