Einmal mehr sind bis zum Vorabend der Wohler Wahlen die grossen Töne verhallt. Auch der SVP ist es nicht gelungen, einen starken Gegenkandidaten zu Gemeindeammann Walter Dubler aufzubauen. Geschweige denn der FDP. Ihr droht ein Desaster.

Sie, die jahrzehntelang zusammen mit der CVP das politische Geschehen dominiert (und diktiert) hat, rutscht ohne Vertretung im Gemeinderat weiter in Richtung Bedeutungslosigkeit ab.

Der Reihe nach: Mit dem Verzicht von Vizeammann Matthias Jauslin wird ein Sitz im Wohler Gemeinderat frei. Bis zum Anmeldetermin vom Freitag, 12 Uhr haben sich 8 Kandidaten gemeldet: Die 6 Bisherigen Walter Dubler (Gemeindeammann, parteilos), Paul Huwiler (CVP), Bruno Breitschmid (parteilos), Ruedi Donat (CVP), Urs Kuhn (Grüne) und Arsène Perroud (SP) sowie neu Markus Gsell von den Grünliberalen und Roland Vogt (SVP).

Paul Huwiler und Roland Vogt wollen Vizeammann werden. Als Gemeindeammann kandidiert einzig Walter Dubler.

Seine Chancen, die fünfte Amtsperiode in Angriff zu nehmen, sind intakt. Er wird kein Glanzresultat erreichen, aber mit grosser Wahrscheinlichkeit erneut gewählt. Störmanöver sind zu erwarten.

Doch weil es seine Kritiker einmal mehr verpasst haben, frühzeitig eine valable Gegenkandidatur zu lancieren, werden sie die Wahl kaum beeinflussen. Wie es funktionieren könnte, den nach wie vor umstrittenen «Chief from Wohlen» (Dubler über Dubler) vom Sockel zu stossen, hat Paul Huwiler vor vier Jahren gezeigt.

Dass er es trotz der damals knappen Niederlage nicht mehr versucht, spricht für ihn. Huwiler weiss, dass er damit das Risiko einginge, den Gemeinderat auseinanderzureissen.
Es ist unbestreitbar, dass die Wohler Behörde in den vergangenen vier Jahren an Format gewonnen hat.

Das Kollegium konnte zwar Dublers Geltungsbedürfnis nicht zähmen. Aber es ist zusammengerückt, tritt geschlossener auf und gibt dem Ammann weniger Gelegenheit, die Wohler Politik als One-Man-Show zu zelebrieren.

Amtierende Gemeinderäte scheinen gesetzt

Zu spüren ist das im Einwohnerrat. Dort ist Dubler etwas weniger zur Zielscheibe der Kritiker geworden. Man geht, wenn schon, auf den Gesamtgemeinderat los.

Das ist für die Behörde zwar nicht angenehm. Aber es zeigt, dass sie erwachsener und führungsstärker geworden ist. Auf die Wohler Politik hat sich das noch kaum ausgewirkt. Solche Veränderungen brauchen Zeit.

Darum ist es wichtig, dass der Neue im Kollegium konsensbereit ist. Je kompakter die Behörde nach aussen auftritt, je stärker sie wirkt, umso mehr verhallen persönliche Angriffe an den Einwohnerratssitzungen im Durchzug des Casino-Saals.

Und vielleicht werden sie mit der Zeit sogar weniger und weichen einer vernünftigen Sachpolitik. Denn nur sie könnte Wohlen endlich weiterbringen.

Von den Amtierenden sechs Gemeinderäten wird am 22. September kaum jemand abgewählt. Auf Paul Huwiler als Vizeammann darf man wetten und von Walter Dubler war schon die Rede. Markus Gsell oder Roland Vogt, das ist die Frage, die sich stellt.

Hier der Grünliberale, den man zwar in Wohlen noch kaum kennt, der im Dezember bei den Ersatzwahlen für Toni Schürmann aber einen Achtungserfolg errungen hat. Dort der amtierende Einwohnerrat, der als SVP-Präsident die stärkste Wählerschicht hinter sich weiss.

Der Wahlkampf wird entscheiden. Verkauft sich Vogt als Hardliner, der im Gemeindehaus «aufräumen» will, hat er es schwer. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass auch das SVP-Volk zwischen Parlament und Exekutive unterscheidet.

Gsell hat von der SP noch etwas zugute (Verzicht auf den 2. Wahlgang im Januar zugunsten von Perroud). Er dürfte auch bei Teilen der der FDP punkten und bei der CVP sowieso. Denn weil Vogt wie Huwiler auf den Vize aspiriert, hat die CVP kein Interesse daran, dass er gewählt wird.