Prozess in Bremgarten 

«Du fieser Gauner, erbarmungsloser Loser»: 43-Jähriger erhält für Rache-SMS die Quittung

«Du erbärmlicher, fieser Gauner und erbarmungsloser Loser», titulierte der Beschuldigte seinen ehemaligen Mitschüler in einer SMS-Nachricht.

«Du erbärmlicher, fieser Gauner und erbarmungsloser Loser», titulierte der Beschuldigte seinen ehemaligen Mitschüler in einer SMS-Nachricht.

Das Bezirksgericht hat einen Mann vom Vorwurf der versuchten Nötigung freigesprochen. Aber wegen Beschimpfung kassierte er eine Geldstrafe.

«Du erbärmlicher, fieser Gauner und erbarmungsloser Loser», titulierte Hassan seinen ehemaligen Mitschüler Alberto (beide Namen geändert) vor ein paar Monaten in einer SMS-Nachricht. Alberto traute seinen Augen nicht, als er an jenem Morgen früh, kurz vor 6 Uhr, diese Meldung auf seinem Mobiltelefon las. Zwar war der Text in einem oberlausigen Deutsch abgefasst, doch der Empfänger fühlte sich nach Erhalt der Nachricht in Angst versetzt und bedroht.

Die beiden waren sich vor Jahrzehnten in der Schule das letzte Mal begegnet. Jetzt sahen sie sich vor dem Bezirksgericht Bremgarten wieder: Hassan (43) und der 45-jährige Alberto. Der Jüngere angeklagt wegen versuchter Nötigung und Beschimpfung, der Ältere als Zivil- und Strafkläger.

«Keinen Namen genannt»

Er dachte, ein Kollege hätte ihm eine SMS geschickt. Doch als er den Text gelesen habe, sei er erschrocken, sagte Alberto vor Gericht. Was er dachte, als er die SMS erhalten hatte, fragte Gerichtspräsident Raimond Corboz den Zivil- und Strafkläger. «Ich und meine Frau bekamen Angst, denn seine Identität hatte der Absender nicht preisgegeben. Deshalb wählte ich umgehend die auf dem Display angezeigte Nummer, weil ich natürlich wissen wollte, wer sich hinter der verstörenden SMS verbarg. Ich fragte, wer er sei. Den Namen hat er mir nicht verraten, dafür gesagt, er sei mit mir am selben Ort zur Schule gegangen», schilderte Alberto.

«In der Schule gequält»

«Ich bin es. Derjenige, den du in der Schule immer gequält hast», hiess es unter anderem in der SMS. Der Absender drohte mit Polizei, Anwälten und Gericht. Er schrieb: «Ich kann auch anders» und verlangte von Alberto, dass er die Anzeige gegen einen Kollegen zurückziehen soll. «Der Passus, ‹er könne auch anders›, löste bei mir und meiner Frau grosse Angst aus», hielt Alberto vor Gericht fest und stellte eine Schadenersatz- und Genugtuungsforderung von 6000 Franken.

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erachtete die Drohung als versuchte Nötigung und Beschimpfung, um den Zivil- und Strafkläger dazu zu bewegen, seine Anzeige zu widerrufen. Der Strafantrag lautete: 60 Tagessätze zu 30 Franken, unbedingt.

In der Pause bis zur Urteilsverkündung fanden Hassan und Alberto klärende Worte miteinander. Hassan erkannte dabei offenbar, dass er von seinem Kollegen, den Alberto in einem anderen Fall angeklagt hatte, reingelegt wurde und er sich deshalb zur fatalen SMS-Meldung hinreissen liess, wie er sagte. Wegen versuchter Nötigung gab es einen Freispruch, für die Beschimpfung eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 20 Franken.

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