SVP-Slogans
Drohungen an Luzerner Anwalt: «Ihr Türken gehört einfach nicht hierher»

Yetkin Geçer, der Luzerner Anwalt, der die SVP kritisiert hatte und wegen den rassistischen Slogans auf der Website der SVP Widen eine Anzeige gegen Unbekannt eingereicht hatte, wird nun in E-Mails bedroht.

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Yetkin Geçer klagte gegen die rassistischen SVP-Parolen

Yetkin Geçer klagte gegen die rassistischen SVP-Parolen

zvg

«Sau Türke», «Dreck Jugos»: Die SVP Widen hatte auf der eigenen Website Slogans mit rassistischem Inhalt publiziert. Der Luzerner Anwalt hatte daraufhin am Montag Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht. (az berichtete)

Nun wird der türkisch-stämmige Anwalt aus Luzern mit Hassmails und Drohungen bombardiert. In einer E-Mail mit gefälschter Absenderadresse wird Yetkin Geçer bedroht und verunglimpft.

Der Absender eines Hassmails, der sich selber «Herr L» nennt, erklärt Geçer, dass er als Türke in der Schweiz nicht wilkommen sei und sich nicht wundern sollte, wenn er als «Sau Türke» betitelt wird.

Das Droh-Mail an den Luzerner Rechtsanwalt

Das Droh-Mail an den Luzerner Rechtsanwalt

Zur Verfügung gestellt

Der Anwalt selber sieht die Sache gelassen. Zahlreiche albanische, serbische und türkische Jugendliche hätten ihm nach der Veröffentlichung der Klage ihre Solidarität bekundet.

Vorwiegend sei dies über Facebook-Anfragen geschehen. Geçer findet es schade, dass es die SVP mit seiner ausgrenzenden Innenpolitik schafft, jungen Migranten das Gefühl zu geben, nicht dazu zu gehören: «Unter diesen Vorgaben erscheint die Forderung nach mehr Integration, zweifelhaft», betont er. Auch Anwaltskollegen aus Zug, Zürich und Bern hätten ihn zu dem Schritt beglückwünscht.

Inkompetenz schützt nicht vor Strafe

Was den Skandal mit den rassistischen Slogans angeht, wirft der Anwalt der SVP Widen vor, sich die Parolen als eigene angeeignet zu haben. Dabei hätten sie geglaubt, dass die Parolen von der SVP-Zentrale genehmigt worden waren: «Die SVP Aargau, allen voran Herr Andreas Glarner, haben nicht gesagt, dass es sich bei den Parolen um einen Spass oder um eine Hacker-Attacke handelt.»

Desweiteren wirft der Advokat der SVP Bremgarten vor, die Täter in Schutz zu nehmen: «Die SVP Bremgarten versucht zu suggerieren, mit dem neuen Medium Internet nicht umgehen zu können. Glarner stellt seine Leute in diesem Zusammenhang inkompetent dar, die einen Internetkurs bräuchten», erklärt Geçer und weiter: «Es handelt sich hierbei um eine augenscheinliche Schutzbehauptung». Zudem schütze Inkompetenz nicht vor einer Strafe, so der Anwalt. (kgh)