Bezirksgericht Muri

Drohte er seiner Partnerin, den Hund zu erschiessen? Richterin verliert Überblick über wirre Verhandlung

Die Einzelrichterin sah keinen Zweck darin, die Verhandlung fortzuführen, ehe ein wichtiger Punkt geklärt ist. (Symbolbild)

Die Einzelrichterin sah keinen Zweck darin, die Verhandlung fortzuführen, ehe ein wichtiger Punkt geklärt ist. (Symbolbild)

Am Bezirksgericht Muri war man sich nicht einmal einig, wann die mutmassliche Tat stattgefunden hat. Bevor der Prozess weitergeführt wird, soll die Polizei erst Licht ins Dunkle bringen.

Der Beschuldigte war ein 55-jähriger Mann, der gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten mit Straftaten versucht hat, zu verhindern, dass seine Partnerin mit ihm Schluss macht. Er werde ihr Leben zur Sau machen, soll er im Verlauf einer verbalen Auseinandersetzung zu ihr gesagt haben.

Zudem soll er den gemeinsamen Hund auf den Arm genommen haben und damit gedroht haben, ihn zu erschiessen. Auch die Drohung, sie werde ihren Job verlieren, sei gefallen. «Mit diesen Äusserungen hat der Beschuldigte die Strafklägerin durch Androhung ernstlicher Nachteile genötigt, dass sie bei ihm bleibt und die Trennung von ihm nicht vollzieht», schreibt die Staatsanwaltschaft im Strafbefehl vom 29. Mai, in dem der 55-Jährige wegen Nötigung verurteilt wird.

Diesen Strafbefehl hat der Beschuldigte jedoch angefochten, womit es am Dienstag zur Verhandlung vor dem Bezirksgericht Muri kam. Das habe er so nicht gesagt, sagt der Mann. Seinem «Hundeli» könne er sowieso nichts antun. «Ich habe gesagt, lass den Hund da, aber du kannst gehen.»

«Eine Trennung wäre ihm eher egal gewesen als der Hund», sagte die damalige Partnerin des 55-Jährigen vor Gericht. Doch auch ihr lag das Tier am Herzen. «Er wusste genau, dass er mich mit dem Hund unter Druck setzen kann.» Dieses Mal ging sie aber tatsächlich und nahm die beiden Hunde gleich mit.

Zuflucht fand sie bei ihrer Schwester, die den 55-Jährigen ebenfalls angezeigt hat. Er soll sie vor der Trennung in ihrer Wohnung besucht und versucht haben, sie zu küssen. Obwohl sie das nicht wollte und sich wehrte, habe er nicht sofort aufgehört. Auch diesen Vorwurf der sexuellen Belästigung weist der 55-Jährige weit von sich. Es steht Aussage gegen Aussage.

Ist der Streit am Samstag oder Sonntag eskaliert?

Einig war man sich vor Gericht nicht einmal, wann die Auseinandersetzung stattgefunden hat. Zu Beginn ihrer Einvernahme sagte die frühere Partnerin, dass es einen Fehler im Strafbefehl gebe. Zum grossen Streit sei es am Sonntag und nicht am Samstag gekommen.

Ihre Schwester sprach zuerst davon, dass ihre Schwester am Samstag zu ihr geflüchtet sei, bevor sie auf Sonntag umschwenkte. Der Beschuldigte hingegen betonte, dass der Streit ganz bestimmt am Samstag war. Und der Polizeibericht datiert vom Sonntag.

Den Überblick verloren? So ging es Einzelrichterin Simone Baumgartner auch. Sie sah keinen Zweck darin, die Verhandlung fortzuführen, bevor dieser Punkt geklärt ist. Jetzt soll die Polizei Licht ins Dunkel bringen. Erst dann wird der Prozess mit den Plädoyers weitergeführt, die die Parteien schriftlich beim Gericht einreichen. Bis zum rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

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Autor

Fabio Vonarburg

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