Niederwil

Drohende Schliessung: Die Post bekommt einen Rüffel von PostCom

Mit der Schliessung der Poststelle wären auch Firmen benachteiligt. zvg

Mit der Schliessung der Poststelle wären auch Firmen benachteiligt. zvg

Die Post hat die drei Nachbargemeinden nicht in den Schliessungsentscheid in Niederwil nicht mit einbezogen. Das ist unzulässig.

Marcel Kreber, der Vizepräsident der CVP Niederwil, hat die drohende Aufhebung der Post im Dorf zum Thema seines Grossratswahlkampfes gemacht. Jetzt haben er und seine verschiedenen Mitstreiter zumindest einen Teilsieg errungen.

Die PostCom, an die sich der Gemeinderat in Absprache mit den Dorfparteien gewandt hat, rüffelten die Post wegen ihres Vorgehens in der Angelegenheit. Die Post, so schreibt die unabhängige Aufsichtsbehörde über den Schweizer Postmarkt, habe die Nachbargemeinden (Stetten, Fischbach-Göslikon und Tägerig) in den Dialog zur beabsichtigten Schliessung der Poststelle Niederwil nicht mit einbezogen. Damit hätte die Post die in der Postverordnung VPG festgelegten Vorgaben für die Dialogführung mit den Gemeinden nicht erfüllt, schreibt die PostCom.

Versäumnis nachholen

Mit den Nachbargemeinden hätte die Post frühzeitig in den Dialog treten müssen, weil es dort nur noch Agenturen gibt. Für die Bevölkerung der drei Dörfer ist die Poststelle Niederwil deshalb Abholstelle für avisierte Sendungen, die man in einer Agentur nicht einlösen kann. Das sind beispielsweise Betreibungsurkunden, Zahlungsanweisungen oder Nachnahmen.

Weil sich die Bevölkerung nach einer allfälligen Aufhebung der Post Niederwil anderweitig orientieren müsste, seien somit auch Stetten, Fischbach-Göslikon und Tägerig davon direkt betroffen. Ergo müsse die Post jetzt den verpassten Dialog mit diesen Gemeinden nachholen.

Klar festgehalten hat die PostCom in ihrem Entscheid aber auch, dass für sie der Zug in Niederwil abgefahren ist. Weil der Gemeinderat bereits eine entsprechende Vereinbarung mit der Post eingegangen sei, könne sie der Post nicht empfehlen, das Verfahren wieder aufzurollen. In diesem Sinne ist die PostCom denn auch nicht auf die Eingabe von Niederwil eingegangen.

Mit einer Resolution aus der Bevölkerung, die an der Gemeindeversammlung im Juni von Marcel Kreber angeregt worden war, wollte der Gemeinderat auf sein ursprüngliches Einverständnis zurückkommen und sich jetzt gegen die Schliessung der Poststelle wehren. Das geht laut PostCom so nicht: «Die einvernehmliche Lösung zwischen der Gemeinde Niederwil und der Post behält ihre Gültigkeit, auch wenn die Post nun den Dialog mit den Nachbargemeinden aufnehmen muss.»

Chancen sind weiterhin intakt

Die Post, hält PostCom offen, dürfe allerdings Niederwil in den neuen Dialog mit einbeziehen, sofern sie das als sinnvoll erachte. Im Reusstal erachtet man die Sache dennoch als «noch lange nicht gegessen». Weil die Post jetzt für die definitive Schliessung auch das Einverständnis in Stetten, Fischbach-Göslikon und Tägerig einholen muss, dürfte es noch einmal spannend werden.

Was, wenn – wie zu erwarten ist – die drei Gemeinden ihr Einverständnis verweigern und einen allfälligen Schliessungsbeschluss der Post weiterziehen? Zumindest einen Aufschub dürfte der vorliegende Entscheid der Aufsichtsbehörde bedeuten. Bis die angesagten neuen Verhandlungen sowie ein allfälliges Beschwerdeverfahren abgeschlossen sind, dürften ein paar Monate vergehen. Ursprünglich wollte die Post im Frühling 2017 die Poststelle schliessen und im Volg eine Agentur eröffnen. Dazu dürfte die Zeit jetzt kaum reichen. Und, wer weiss: Vielleicht gibt die Post letztlich ja doch noch klein bei.

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