Bezirksgericht Bremgarten
Drohbriefe und falsche Anschuldigungen: Wie ein Mann versuchte seine Partnerin an sich zu binden

Das Bezirksgericht Bremgarten behandelte einen bizarren Fall von Beziehungswirren.

Nathalie Wolgensinger
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Der Täter, der sich vor dem Bezirksgericht Bremgarten verantworten musste, ist reumütig. (Archivbild)

Der Täter, der sich vor dem Bezirksgericht Bremgarten verantworten musste, ist reumütig. (Archivbild)

Aargauer Zeitung

«Ich fühlte mich, als wäre ich im falschen Film», zieht Jasmin (Namen geändert) Bilanz über die unglaubliche Geschichte, die am Bezirksgericht Bremgarten verhandelt wurde. Was die geschiedene Frau und Mutter zweier Kinder durchlebte, würde als Filmvorlage durchgehen.

Es war vor vier Jahren, als ihre Partnerschaft mit Michael erste Risse bekam. Michael war besessen vom Gedanken, Jasmin könnte ihn verlassen. So liess er sich «Räubergeschichten» – so die Umschreibung seiner Anwältin – einfallen. Es waren haarsträubende Geschichten, die er seiner Partnerin auftischte. Er behauptete, man hätte ihn telefonisch bedroht und aufgefordert, die Liaison mit Jasmin zu beenden, sonst würde seinen drei Kindern etwas zustossen. Jasmin war entsetzt, dass ihr Liebster derart in Bedrängnis kam. «Ich konnte mir auf all das einfach keinen Reim machen», erzählte sie gestern Dienstag Bezirksgerichtspräsidentin Corinne Moser.

Wie im Krimi: Drohbrief aus Zeitungsbuchstaben

Noch verworrener wurde es, als Michael den Verdacht auf Jasmins Tochter Carla lenkte. Er behauptet, sie hätte ihren Kickbox-Trainer für die Drohungen engagiert. Carla wolle ihn einschüchtern und erreichen, dass ihre leiblichen Eltern wieder zueinanderfinden. Dazu passte ein Drohbrief, in dem «letzte Warnung» in ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben zu lesen war.

Für zusätzlich Angst sorgten zerstochene Pneus und Zucker im Tank ihres Autos. Aus dem Haus verschwanden auf unerklärliche Weise eine Brille, Carlas Pass und Pralinés. Michael behauptete, jemand hätte seine Kreditkarte gestohlen und sich damit auf einer Dating­plattform auf seinen Namen registriert. Seine Nachforschungen hätten ergeben, dass dies von Jasmins Computer getätigt wurde. Damit lenkte er den Verdacht wieder auf Carla. Jasmin liess die Hausschlösser auswechseln und Überwachungskameras installieren. Auch in ihrem Ferienhaus schien jemand gewesen zu sein.

Als ihr Michael erzählte, dass schwarz gekleidete Männer um sein Haus schlichen, war das Fass voll. Es gelang Jasmin, ihn vom Gang zur Polizei zu überzeugen und diese unglaublichen Geschehnisse damit aktenkundig zu machen. Um allem mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, fingierte Michael kurz nach seiner Aussage einen Überfall. Er behauptete, in der Garage seines Hauses von einem Unbekannten gewürgt worden zu sein.

Angeklagter ist reumütig: «Es war hirnverbrannt»

«Weshalb taten Sie das?», wollte Gerichtspräsidentin Moser vom reumütigen Michael wissen. Ihm war die Sache peinlich. Zerknirscht gab er zu, dass er einen Keil zwischen Jasmin und ihrer Tochter habe treiben wollen. «Das Ganze hat mit der Zeit eine Eigendynamik bekommen. Es war hirnverbrannt, aber mir fiel nichts Gescheiteres ein.» Er gestand seine Schuld ein, stritt aber ab, in die Ferienwohnung eingedrungen zu sein oder Dinge aus der Wohnung entwendet zu haben. Die Gerichtspräsidentin folgte dem Antrag des Staatsanwaltes und verurteilte ihn wegen mehrfacher falscher Anschuldigung, Irreführung der Rechtspflege, Sachbeschädigung und Nötigung zu elf Monaten Freiheitsstrafe auf zwei Jahre Bewährung plus 6000 Franken Busse. Der Forderung des Staatsanwaltes nach ambulanter psychologischer Therapie folgte die Gerichtspräsidentin nicht, weil Michael sich aus eigenem Antrieb in psychologische Behandlung begeben hat.

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