Oberwil-Lieli

Drohbrief von Behördenschreck Willi Sprenger ist 8 Wochen alt

Andreas Glarner will Willi Sprenger nicht mit einer Anzeige provozieren.

Willi Sprenger droht Andreas Glarner

Andreas Glarner will Willi Sprenger nicht mit einer Anzeige provozieren.

Die schriftliche Morddrohung, die der Aargauer SVP-Fraktionspräsident Andreas Glarner erhalten hat, ist datiert vom 24. Mai. Trotz massiven Drohungen sieht Glarner von einer Anzeige ab. Doch weshalb gelangt er er erst jetzt damit an die Medien?

Dem Aargauer SVP-Fraktionspräsident Andreas Glarner ist es nicht mehr wohl in seiner Haut. Er bekam eine schriftliche Morddrohung aus dem «Käfig», wie der Autor selber schreibt.
Absender ist der Behördenschreck Willi Sprenger aus Berikon. Sein Brief, über den «Tele M1» vorgestern berichtet hat, datiert vom 24. Mai. Weshalb Glarner erst acht Wochen nach Erhalt des Schreibens an die Öffentlichkeit gelangt? «Alle denken, dass ich so wahnsinnig scharf darauf bin, an die Medien zu gelangen.» Er habe dieses Schreiben nach seinen Sommerferien im Juli gegenüber «Tele M1» erwähnt, «als die Reporterin in einer anderen Sache bei mir war».

Willi bewaffnet mit Eisenstange

«An Andreas Glarner. Hallo, der erste Kriminal-Willi lässt grüssen», steht im Brief, den Glarner in seinem Briefkasten fand. «Demnächst entlassen mich die Staats-Schergen aus dem Kriminal-Käfig», schreibt der in Berikon bekannte Willi Sprenger und droht Glarner: «Der Kriminal-Willi weidet mit seinen Tieren im Hoheitsgebiet von Glarner, observiert dessen Villa und zu gegebener Zeit dringt er auf des Zaun-Könige-Land, bewaffnet mit schwerer Eisenstange.» Damit nicht genug: Dem Brief, der auch der az Aargauer Zeitung vorliegt, ist ein Zeitungsausschnitt mit einer Todesanzeige beigelegt.

Anzeige könnte provozieren

Glarner war erst überrascht, als er den Brief fand. Dann sei er natürlich erschrocken. «Im Brief stehen ja massive Drohungen gegen Leib und Leben.» Da mache man sich schon Sorgen, sagt der Gemeindeammann von Oberwil-Lieli. Er selbst kenne Sprenger nicht. Dieser ist kein unbeschriebenes Blatt: 14 Monate hat ihn der Richter hinter Gitter geschickt, weil er immer wieder Behördenmitglieder bedroht hatte. Ausserdem hat Sprenger 36 Scheiben des Beriker Gemeindehauses mit einer Eisenstange zertrümmert. Der Schaden damals betrug 55 000 Franken.

Nicht alle Briefe werden überprüft

Wie ist es überhaupt möglich, dass ein solcher Drohbrief das Gefängnis verlässt? Wie Pascal Payllier, Chef Amt für Justizvollzug in Aarau gegenüber «Tele M1» sagt, dürfen Briefe, die an eine Amtsstelle oder einen Anwalt adressiert sind, nicht kontrolliert werden. Der Hauptfokus der Prüfung liege auf der Sicherheit. So würden beispielsweise Skizzen des Gefängnisses aussortiert. Ausserdem werde bei der Kontrolle auch auf die Sprache geachtet: Unanständige Ausdrucksweisen werden nicht toleriert. Letztlich sei es aber immer der Vollzugsbeamte, der entscheide, so Payllier.

Glarner verzichtet auf Anzeige

Andreas Glarner befriedigt dies insgesamt nicht. «Ich frage mich einfach, was im Gefängnis alles möglich ist». Man wisse, dass Gefangene Fernsehen schauen und Krafttraining absolvieren dürften. «Man hat so ziemlich alles, wofür man draussen sparen müssen», resümiert Glarner. «Jetzt darf man sogar schon Drohbriefe verschicken.» Der SVP-Fraktionspräsident will trotz Morddrohung auf eine Anzeige verzichten. Er will den Behördenschreck nicht weiter provozieren.

Bedrohung selber abschätzen

Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei, erklärt: «Jeder muss selber abschätzen, wie bedroht er sich fühlt.» Um eine Ermittlung einzuleiten, müsse ein Strafantrag bei der Polizei unterschrieben werden. «Die Abschätzung der Gefahr ist sehr individuell. Schwierig wird es, wenn anonym gedroht wird», fügt Pfister hinzu.

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