Sarmenstorf

Drogistin mit Herzblut: «Im Internet kann jeder solange suchen, bis ihm Krebs diagnostiziert wird»

So kennt man sie: Maja Fabich-Stutz sitzt in der Drogerie und hat ein offenes Ohr für ihre Kunden.

So kennt man sie: Maja Fabich-Stutz sitzt in der Drogerie und hat ein offenes Ohr für ihre Kunden.

Seit 30 Jahren sind die Drogerie Stutz und der Name Maja Fabich Synonym für Naturheilkunde. Auch bei Fasnachtsartikel setzt Fabich ausschliesslich auf umweltfreundliche Produkte.

Ein Jahr nach ihrem 30-Jahr-Jubiläum wird die Drogerie Stutz 60 Jahre alt. Ja, das geht. «Mein Vater hat die Drogerie 1957 gebaut und eröffnet. Doch nachdem er 1974 gestorben ist, leitete meine Mutter die Drogerie vorübergehend mit der Unterstützung von diplomierten Drogisten», erklärt Maja Fabich-Stutz, die heutige Inhaberin der Drogerie. Sie selbst übernahm die Leitung, sobald sie ihre Ausbildung fertig hatte. «Das war 1986, also vor genau 30 Jahren. Und das ist auch unser Grund zu feiern.»

Seit damals hat sich sehr vieles verändert. Fabich schüttelt lachend den Kopf, als sie erzählt: «Früher merkte oft der Pfarrer bei der wöchentlichen Beichte als Erster, wenn etwas mit den Leuten in Sarmenstorf nicht stimmte. Wenn er mit Gesprächen und Tee nichts mehr ausrichten konnte, setzte er sich oft mit dem Doktor und dem Drogisten, also meinem Vater, zusammen. Und wenn die auch nicht mehr weiterwussten, gingen sie noch zum Tierarzt», erinnert sich Fabich, die damals als kleines Mädchen oft mit ihrem Vater zu solchen Besprechungen gehen durfte. «Man kannte sich noch im Dorf und konnte so Diagnosen stellen oder andere Heilmethoden diskutieren.»

Frauen hatten es nicht leicht

Schon da wusste die heute 54-Jährige, dass sie in die Fussstapfen ihres Vaters treten wollte. «Das war aber vor 30 Jahren noch nicht so einfach: Es galt, dass der Sohn das Geschäft des Vaters übernimmt. Aber meine drei Brüder wollten alle lieber Handwerker werden, also durfte ich das Geschäft weiterführen.»

Doch auch als Frau war sie als Drogistin nicht bei allen beliebt. «Es gab zu jener Zeit nur drei Frauen im Kanton, die eine Drogerie leiteten. Ich weiss noch, wir haben damals Anrufe von Ehefrauen von Aargauer Drogisten erhalten, die uns sagten, wir sollen uns unterstehen, an Verbandssitzungen zu gehen», lacht sie heute.

Ängste aus Internetdiagnosen

Schon immer war es ihr grösstes Ziel, Leuten ganzheitlich zu helfen. «Man sollte wieder vermehrt auf seinen inneren Arzt im Körper hören, statt sich alle möglichen Medikamente zu kaufen.» Eine der grössten Neuerungen der heutigen Zeit seien die Ängste, die sich Kunden bei Diagnoseversuchen im Internet gleich mit herunterladen: «Jeder, der irgendwo Schmerzen hat, kann so lange suchen, bis er eine Website findet, auf der seine Symptome als Krebs diagnostiziert werden», weiss sie.

«Mir hat einmal ein Mann geklagt, er habe nicht mehr lange zu leben, er habe Krebs im Knie. Er arbeitete im Büro und war froh, dass er zumindest mit seinen Freunden noch eine gute Zeit gehabt hatte, sie seien nämlich vor kurzem ein Wochenende Schneeschuhlaufen gewesen. Da merkte ich, dass der Mann ganz einfach nur grausamen Muskelkater hatte, was sich später beim Arzt bewahrheitete.»

Sie sieht Drogisten darum als viel mehr als nur Verkäufer von Medikamenten: «Wir tun das, was heute häufig fehlt im Leben der gestressten Menschen: Wir hören zu, reden mit den Leuten und fragen, was sie die ganze Woche lang mit ihrem Körper machen, was sie essen, ob sie Sport treiben, welche Ergänzungsmittel sie nehmen. Meistens merkt man dann bereits, was ihnen eigentlich fehlt.»

In den 30 Jahren hat Fabich auch ein immer grösseres Netzwerk mit Ärzten, Hebammen, Therapeuten, der Pro Senectute und vielen anderen aufbauen können. Sie ist Präsidentin des aargauischen Drogistenverbands und diskutiert auch beim Kanton mit anderen Gesundheitsdienstleistenden das wichtige Thema Gesundheit. So ist die Drogerie für sie auch zur Triagestelle geworden, die die Kunden an Spezialisten weiterleiten kann.

Ein Keller voll Fasnacht

Auch das Dorf und dessen Traditionen liegen ihr am Herzen: «Sarmenstorf ist ein Fasnachtsdorf. Darum haben wir einen ganzen Keller voller Fasnachtsartikel.»

Auch da ist ihr Qualität wichtig: «Wir waren die Ersten der Gegend, die umweltfreundliche Fasnachtsschminke im Sortiment hatten, die dann aber halt auch ihren Preis hat. Ich will nicht unten billige Schminke verkaufen und oben das Mittel gegen Hautausschlag dazu.»

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