Mit einer ganzen Palette Drogen und pyrotechnischen Materials kennen sich ein 22- und ein 20-Jähriger aus. Sie mussten sich gestern Dienstag wegen einer ganzen Reihe von Delikten vor dem Bezirksgericht Muri verantworten. Sie haben sich Marihuana, Haschisch, Kokain, Ecstasy-Pillen, LSD-Trips und Joints besorgt und diese Drogen nach eigenen Angaben zum grössten Teil auch selber konsumiert. Im Zeitraum von September 2015 bis September 2016 haben sie aber auch damit gehandelt, war in der Gerichtsverhandlung zu erfahren.

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten warf dem Duo nicht nur Lagerung, Besitz, Verkauf und Konsumation von Rauschmitteln vor, sondern legte den beiden in der umfangreichen Anklageschrift auch mehrfaches Vergehen und Übertretung gegen das Waffengesetz zur Last. Immerhin wurde bei einer Hausdurchsuchung eine Schreckschusspistole samt Munition entdeckt, verbotene Schlagstöcke und Quarzhandschuhe, Rauchpetarden und -bomben, Signalfackeln und eine Kiste mit etwa 100 verschiedenen Knallkörpern. Davon hatten sie auch einiges verkauft.

Aussagen verweigert

Zwar erschienen die Beschuldigten mit ihren Rechtsvertretern vor Gericht, doch im Beweisverfahren brachte Gerichtspräsidentin Simone Baumgartner kein Wort zu den Anklagepunkten aus ihnen heraus. Sie machten von ihrem Recht, die Aussage zu verweigern, Gebrauch und gaben an, die Ereignisse würden zu lange zurückliegen, als dass sie sich noch an Details erinnern könnten.

Aufgeflogen ist die illegale Tätigkeit der beiden jungen Männer schliesslich bei einer Polizeikontrolle im Reusstal, als sie gerade dabei waren, über 300 Gramm Marihuana in Einzelportionen zum Verkauf abzupacken. Die Ermittlungen ergaben, dass die Beschuldigten während rund eines Jahres einen Betäubungsmittelhandel betrieben hatten, zum Teil im Bereich von Schulhäusern. Dabei nahmen sie auf fahrlässige Weise in Kauf, dass Schüler mit Drogen in Kontakt kommen konnten.

Gemeinsam haben sie jeweils das Rauschgift für den Weiterverkauf präpariert und das Kokain vorgängig mit Milchpulver oder dem Arzneimittel Dafalgan gestreckt. Das Duo hat, nach Ermittlungen der Untersuchungsbehörden, während eines Jahres mindestens 1150 Gramm Marihuana, 35 Gramm Haschisch, 109 Gramm Kokain, etwa 30 Pillen Ecstasy/MDMA und 20 LSD-Trips an rund 20 Personen verkauft und damit einen Umsatz von über 21 000 Franken erzielt. Die Einnahmen aus dem Drogenverkauf teilten die beiden Angeklagten bar oder mittels Banktransaktionen untereinander auf, wie die Staatsanwaltschaft in der Anklage festhielt.

Drogenkäufer genötigt

Bei der Beschaffung von Drogen gingen die Beschuldigten mitunter nicht gerade zimperlich vor. So beobachteten sie einen Rauschmitteldeal und nahmen daraufhin den jungen Drogenkäufer buchstäblich auseinander. Sie nötigten ihn, das eben erworbene Marihuana herauszurücken. Der jüngere der beiden Angeklagten griff dem Opfer in die Jackentasche und schnappte sich den Stoff. Mit dieser Tat handelte sich das Duo gleich noch eine Anklage wegen Nötigung ein.

Mit Freiheitsstrafen von je 15 Monaten bedingt, bei einer Probezeit von 4 Jahren, lag das Gericht mit seinem Urteil deutlich unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte je 30 Monate beantragt, davon 12 Monate unbedingt. «Ich hoffe», so die Gerichtspräsidentin, «dass sich die beiden zu keinen krummen Dingen mehr verleiten lassen.»