Anglikon
Drei neue Wohnungen im 200-jährigem Ratsherrenhaus

Der Stammsitz eines Zweiges der Familie Vock wird umgebaut. Im fast 200 Jahre alten Gebäude entstehen drei Wohnungen.

Jörg Baumann
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Das Ratsherrenhaus sticht durch seine imposante Gestalt aus dem Dorfbild von Anglikon heraus.

Das Ratsherrenhaus sticht durch seine imposante Gestalt aus dem Dorfbild von Anglikon heraus.

Jörg Baumann

Lange Zeit verharrte das Ratsherrenhaus in Anglikon in einem Dornröschenschlaf. Daraus will es der Architekt Hannes Schärer vom Büro Oberholzer Schärer Architekten in Wohlen wachküssen. Vor ein paar Wochen haben die Umbauarbeiten im imposanten Haus von 1821 begonnen. Das Ratsherrenhaus steht an schönster Hanglage oberhalb der Dorfkapelle von 1744, dem Wegkreuz von 1877 und dem 1987 zum 75-Jahr-Jubiläum der Vereinigung von Wohlen und Anglikon erstellten Muschelkalkbrunnen.

Haus aus dem Spätbarock

Das Ratsherrenhaus erhielt seinen Namen von den Nachkommen von Hans Vock, der das stattliche Bauernhaus erbauen liess. Dieser Zweig der Familie Vock stellte im 19. Jahrhundert einige Grossräte und Verfassungsräte und erhielt daher den Zunamen «Ratsherren». Im Ratsherrenhaus befand sich einst auch der Gasthof Sternen. Die Gemeinde unterstellte das Haus dem kommunalen Ortsbildschutz. Stilmässig gehört es mit seinen stichbogig ausgeschnittenen Fenster- und Türöffnungen dem Spätbarock an. Hauptakzent der dreiachsigen, talseitigen Trauffassade ist das mittig angelegte Stichbogenportal zum hier freistehenden Kellergeschoss mit den zwei tonnengewölbten Kellern, die auch nach dem Hausumbau erhalten bleiben.

Drei neue Mietwohnungen

Herrschaftlichen Charakter weist der Zugang zum Eingangsportal mit dem Schlussstein mit den Initialen H(ans) V(ock) und dem Baudatum 1821 auf. Die Eingangspartie ist richtiggehend inszeniert: In der strassenseitigen Bruchsteinstützmauer flankieren zwei aufwendig behauene Muschelkalkpfeiler mit gusseisernen Bekrönungen den Weg, der über eine von Mäuerchen flankierte Steintreppe zum Kellerportal hinaufführt. Wohn und Ökonomie mit Stall und Tenn sind an der Hangseite zugänglich. Über das Obergeschoss des Wohnteils zieht sich eine Teillaube. Beide Stockwerke und der Keller sind durch einen Mittelgang quer zur Firstrichtung und einen Treppenlauf vor der stallseitig gelegenen Küche erschlossen. Stube und Nebenstube sind an der Giebelseite angeordnet.

Das Innere des lange nicht mehr bewohnten Hauses wurde 1949/50 vollständig erneuert, heisst es im Ortsbildschutz-Kurzinventar, welches Elisabeth Hunziker, Mitarbeiterin der aargauischen Denkmalpflege, erstellt hat. Der Wohnteil wird beim Umbau in seiner Struktur und Oberfläche erhalten, jedoch auch an die neuen Bedürfnisse angepasst. Auf den zwei Wohngeschossen und im Dachgeschoss entsteht laut Hannes Schärer ein Familienhaus mit drei Wohnungen.

Die Scheune wird horizontal über dem Scheunentor getrennt. Das Erdgeschoss erhält keine weitere Unterteilung und soll zu einer offenen Halle werden, die als Wohn- und Arbeitsraum funktioniert. Darüber wird eine dritte Wohnung eingerichtet. Das angebaute ehemalige Waschhaus wird aufgestockt und dient als Aussenraum für die neue Wohnung in der Scheune. Die Gartenanlage im Süd-Osten zum Fabrikensemble der ehemaligen Färberei Schärer erhält mit einer unterkellerten Loggia ein neues Element – einen gemeinschaftlich genutzten, überdachten Aussenraum.