Buttwill

Drei Haselnüsse für das Eichhörnchen – aber bitte nicht selber füttern

Eichhörnchen brauchen harte Haselnussschalen, um ihre Zähne daran abzunutzen. Bild: Chris Iseli (3. Oktober 2012)

Andrea Turnell, Leiterin der Eichhörnchenstation Buttwil, bittet auf Facebook um ungeschälte Haselnüsse für ihre Schützlinge.

Eichhörnchen kennt man klein und süss. Ihre Beisser können aber, ohne die richtige Nahrung, monströse Ausmasse erreichen. Das schnelle Nachwachsen der Zähne ist in der Natur zwar überlebenswichtig, kann in der Obhut von Menschen aber zum Problem werden. «Wenn die Tiere ihre Zähne nicht richtig abnutzen können, wachsen sie immer weiter», erklärt Andrea Turnell, Leiterin der Eichhörnchenstation in Buttwil. Deswegen bittet sie via Facebook auch darum, ungeschälte Haselnüsse in die Eichhörnchenstation zu bringen. Diese dienen den Tieren nicht nur als Nahrung, sondern helfen ihnen auch bei ihrer Zahnpflege.

Eichhörnchen sollte man nicht selber füttern

So sehr die kleinen Nager auch ihre Nüsse lieben, in den ersten acht Wochen können sie diese noch nicht verzehren und deswegen auch noch nicht selbstständig überleben. Während dieser Zeit brauchen sie jemanden, der sich um sie kümmert. In der Natur übernimmt dies die Mutter der Eichhörnchen. In der Auffangstation die Pfleger, die sich intensiv um die Kleinen kümmern. Die richtige Nahrung ist das Wichtigste.

Während sich die Nüsse für die erwachsenen Eichhörnchen noch relativ einfach finden lassen, muss für die Jungtiere spezielle Milch eingekauft werden. Andrea Turnell warnt: «Für die Kleinen kann es tödlich enden, wenn man ihnen andere Milch gibt. Viel zu oft bekommen wir auch Tiere in kritischem Zustand und mit Blähbäuchen, nur weil man ihnen falsches Futter gegeben hat.» Selbst wenn man die richtige Nahrung hat, sollte man als Laie keine Eichhörnchen füttern, «denn diese können sich sehr schnell verschlucken. Dies kann sogar zu einer Lungenentzündung führen». Im Zweifelsfall sollte man mit dem Füttern warten, bis die Eichhörnchen in professionellen Händen sind.

Ein Tier mitzunehmen, ist nicht immer die richtige Entscheidung

Findet man ein Eichhörnchen, sollte man mit Bedacht handeln. Schon der Entscheid, ein gefundenes Tier mitzunehmen, kann ein Fehler sein. Vor allem bei Jungtieren, die man scheinbar verlassen auf dem Boden findet, neigen Menschen schnell dazu, sie mitzunehmen (siehe Box oben rechts). Andrea Turnell rät: «Bevor man ein Tier einfach mitnimmt, sollte man sich versichern, dass es auch wirklich Hilfe braucht. Oft ist die Mutter noch ganz in der Nähe und sucht das verlorene Eichhörnchen schon längst.» Dies sei vor allem oft der Fall, wenn Bäume gefällt werden. «Es kann vorkommen, dass der komplette Kobel herunterfällt. Die Tiere, die sich noch darin befinden, werden danach zu uns gebracht, auch wenn das teilweise gar nicht notwendig wäre. Manchmal reicht es, den Kobel einfach wieder auf einen anderen Baum zu setzten, solange kein Eichhörnchen verletzt ist», sagt Andrea Turnell.

Das Ziel ist, Eichhörnchen auszuwildern, nicht zu zähmen

So niedlich ihre Schützlinge auch sind, es handelt sich immer noch um wilde Tiere, ist Andrea Turnell wichtig. «Die Nagetiere sollen nicht gezähmt werden oder sich an Menschen gewöhnen. Sie sollen später schliesslich auch wieder alleine in der Natur überleben können. Für sie ist es besser, wenn sie Menschenscheu bleiben. Da ist es logisch, dass man auch manchmal von so einem süssen Ding gebissen wird.»

Bei drei ihrer sieben Schützlinge ist es diesen Herbst so weit: Sie werden ausgewildert und können ihre Nüsse wieder selber sammeln. Die restlichen vier müssen bei Turnell überwintern und sind auf Haselnussspenden angewiesen, bis auch sie in die Wildnis zurückkehren können.

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