Niederwil
Drainage im Märimoos darf nicht gekappt werden

Der unerwartete Entscheid des Gemeinderats macht der Pro Natura Aargau einen Strich durch die Rechnung. Das Flachmoor mit fünf Tümpeln im Märimoos kann damit wohl nicht wie geplant realisiert werden. Das letzte Wort hat der Kanton.

Erna Lang-Jonsdottir
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Das Baugesuch der Pro Natura Aargau für die Realisierung eines Flachmoors mit fünf Tümpeln im Märimoos ist seit einem Jahr beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) hängig (siehe Kasten). Dass der Entscheid des Kantons später als erwartet ausfällt, verwundert nicht – dem Projekt wurden diverse Steine in den Weg gelegt: Nebst einer Beschwerde von 20 Landwirten gegen die Wiederverwässerung des Moors hat sich der Gemeinderat kürzlich völlig unerwartet gegen die Kappung der Drainagen entschieden. Der Entscheid sei aber nicht nur unerwartet gekommen, sagen Isabella Braunwalder, Besitzerin des Märimooses, und Ulysses Witzig von der Pro Natura Aargau gegenüber der az Aargauer Zeitung. Der Gemeinderat mache dem vorgesehenen Projekt damit einen Strich durch die Rechnung.

Gemeinde Besitzerin der Drainage

Ulysses Witzig erklärt seine Überraschtheit: «Die Projektierung des Flachmoors mit den fünf Tümpeln basierte auf der mündlichen Zusage der Gemeinde, die bestehende Drainage kappen zu dürfen.»

Waldrand: Pro Natura hat die geringelten bäume gefällt

Das Märimoos gehört zum Anwesen von Isabella Braunwalder. Sie war selber im Vorstand von Pro Natura. Wie sie gegenüber der az Aargauer Zeitung sagt, will sie der Natur mehr Raum geben und zur Vernetzung der bestehenden Naturschutzgebiete beitragen (az vom 9.8. 2011). «Noch wichtiger als Naturschutz ist, dass die Wasserbüffelhaltung ein vollwertiger landwirtschaftlicher Erwerbszweig ist. Es gibt nicht weniger Ertrag für Wasserbüffel als für Rinder», ergänzt Ulysses Witzig von der Pro Natura Aargau. Seit der Trockenlegung des Märimoos in den 30er-Jahren wurde auf den 6 Hektaren Land intensive Landwirtschaft betrieben. Gemeinsam mit der Pro Natura hat Braunwalder 2010 ein Projekt ins Leben gerufen, das den natürlichen Zustand des Moors wiederherstellen soll. Vorgesehen ist ein Flachmoor mit Tümpeln. Für die extensive Bewirtschaftung des Gebiets sollen zirka acht Wasserbüffel eingesetzt werden. Die Pro Natura hat dazu einen 12-jährigen Pachtvertrag erhalten. Im Zusammenhang mit dem Projekt der Pro Natura im Märimoos wurde der Waldrand ausgelichtet. Dazu wurden 20 bis 30 Fichten geringelt. Beim Ringeln von Bäumen wird ein Stück der Rinde weit über dem Boden weggeschnitten (az vom 13.11. 2011). Da die Bäume dadurch keine Nährstoffe mehr aufnehmen können, sterben sie über längere Zeit ab. Gemäss Pro Natura ist dieses Verfahren für die Natur nützlich, weil sich viele Lebewesen im Totholz ansiedeln können. Da sich vereinzelte Personen aus der Bevölkerung gegen dieses Vorgehen wehrten, entschloss sich die Pro Natura dazu, die Bäume zu fällen. (elj)

«Der Gemeinderat war sich nicht bewusst, dass die Gemeinde Eigentümerin der Drainage ist», betont Gemeindeammann Walter Koch. Es sei bei der Zustimmung davon ausgegangen worden, dass der Gemeinderat in der Sache keine Entscheidungskompetenz habe und die Grundeigentümerin allein über ihr Land inklusive Entwässerungsanlagen verfügen könne. Er verstehe die Enttäuschung, doch der ablehnende Entscheid habe Gründe: «In Niederwil gibt es bereits diverse Naturschutzflächen. Weiteres wertvolles Kulturland aufzuheben, ist nicht verantwortbar.» Sein Grossvater sei dabei gewesen, als diese Leitungen mit öffentlichen Geldern in den 30er-Jahren von Hand verlegt worden seien, berichtet er.

Wie im Entscheid des Gemeinderats zu lesen ist, befürchtet dieser, dass die Grundwasserfassung bei starken Regenfällen gefährdet und die Hochwasserproblematik verstärkt werden könnte. Dieser Beschluss sei kein Schuss gegen die Pro Natura oder Frau Braunwalder, wird festgehalten. «Wenn dort Wasserbüffel weiden und der Boden für die Tümpel mit Lehm abgedichtet wird, haben wir nichts dagegen. Den Entscheid des Kantons über das Projekt werden wir akzeptieren.»

Trotz der Enttäuschung über den Gemeindebeschluss sieht Witzig die Angelegenheit sportlich: «Wir gehen davon aus, dass uns ein redimensioniertes Projekt zugestanden wird. Jetzt warten wir auf den Entscheid des Kantons.» Geplant war, auf dem 6 Hektaren grossen Grundstück fünf Tümpel von je rund 150 Quadratmetern Fläche anzulegen. Witzig geht davon aus, dass die Anzahl Tümpel auf drei schrumpfen wird. «Da die Entwässerungsanlage nicht gekappt werden darf, muss der Boden für die drei Tümpel mit Lehm abgedichtet werden.» Teurer werde diese Variante nicht – Projektmehraufwand habe die Pro Natura nur aufgrund der Änderungen. Weil Witzig nicht weiss, wo die Tümpel platziert und wie gross sie sein werden, kann er nicht beziffern, was das gesamte Projekt kosten wird.

Bauern behalten Projekt im Auge

Da wären noch die ansässigen 20 Landwirte, die eine Sammelklage gegen die Wiederverwässerung des Märimoos beim Kanton eingereicht haben. «Wir sind noch nicht offiziell informiert worden und wissen über den Stand der Dinge nicht Bescheid. Ob wir unsere Beschwerde weiterziehen, hängt vom Entscheid des BVU und von der aktuellen Version des Projekts ab. Mit dem Gemeinderatsbeschluss die Drainage betreffend ist die Sache für uns nicht vom Tisch», sagt Hanspeter Stutz, Nachbar von Braunwalder und Federführer der Beschwerde.

Lange werden die Befürworter und Gegner der Wiederverwässerung des Märimoos nicht mehr warten müssen: «Der Entscheid des BVU wird dem Gemeinderat noch im Januar zugestellt. Ob eine Baubewilligung erteilt wird oder nicht, entscheidet der Gemeinderat nach dem Einwendungsverfahren», erklärt Felicitas Siebert, Leiterin der Abteilung Baubewilligungen. Witzig und Braunwalder hoffen, dass die Arbeiten im Frühling begonnen werden können.