Das Baugesuch der Pro Natura Aargau für die Realisierung eines Flachmoors mit fünf Tümpeln im Märimoos ist seit einem Jahr beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) hängig (siehe Kasten). Dass der Entscheid des Kantons später als erwartet ausfällt, verwundert nicht – dem Projekt wurden diverse Steine in den Weg gelegt: Nebst einer Beschwerde von 20 Landwirten gegen die Wiederverwässerung des Moors hat sich der Gemeinderat kürzlich völlig unerwartet gegen die Kappung der Drainagen entschieden. Der Entscheid sei aber nicht nur unerwartet gekommen, sagen Isabella Braunwalder, Besitzerin des Märimooses, und Ulysses Witzig von der Pro Natura Aargau gegenüber der az Aargauer Zeitung. Der Gemeinderat mache dem vorgesehenen Projekt damit einen Strich durch die Rechnung.

Gemeinde Besitzerin der Drainage

Ulysses Witzig erklärt seine Überraschtheit: «Die Projektierung des Flachmoors mit den fünf Tümpeln basierte auf der mündlichen Zusage der Gemeinde, die bestehende Drainage kappen zu dürfen.»

«Der Gemeinderat war sich nicht bewusst, dass die Gemeinde Eigentümerin der Drainage ist», betont Gemeindeammann Walter Koch. Es sei bei der Zustimmung davon ausgegangen worden, dass der Gemeinderat in der Sache keine Entscheidungskompetenz habe und die Grundeigentümerin allein über ihr Land inklusive Entwässerungsanlagen verfügen könne. Er verstehe die Enttäuschung, doch der ablehnende Entscheid habe Gründe: «In Niederwil gibt es bereits diverse Naturschutzflächen. Weiteres wertvolles Kulturland aufzuheben, ist nicht verantwortbar.» Sein Grossvater sei dabei gewesen, als diese Leitungen mit öffentlichen Geldern in den 30er-Jahren von Hand verlegt worden seien, berichtet er.

Wie im Entscheid des Gemeinderats zu lesen ist, befürchtet dieser, dass die Grundwasserfassung bei starken Regenfällen gefährdet und die Hochwasserproblematik verstärkt werden könnte. Dieser Beschluss sei kein Schuss gegen die Pro Natura oder Frau Braunwalder, wird festgehalten. «Wenn dort Wasserbüffel weiden und der Boden für die Tümpel mit Lehm abgedichtet wird, haben wir nichts dagegen. Den Entscheid des Kantons über das Projekt werden wir akzeptieren.»

Trotz der Enttäuschung über den Gemeindebeschluss sieht Witzig die Angelegenheit sportlich: «Wir gehen davon aus, dass uns ein redimensioniertes Projekt zugestanden wird. Jetzt warten wir auf den Entscheid des Kantons.» Geplant war, auf dem 6 Hektaren grossen Grundstück fünf Tümpel von je rund 150 Quadratmetern Fläche anzulegen. Witzig geht davon aus, dass die Anzahl Tümpel auf drei schrumpfen wird. «Da die Entwässerungsanlage nicht gekappt werden darf, muss der Boden für die drei Tümpel mit Lehm abgedichtet werden.» Teurer werde diese Variante nicht – Projektmehraufwand habe die Pro Natura nur aufgrund der Änderungen. Weil Witzig nicht weiss, wo die Tümpel platziert und wie gross sie sein werden, kann er nicht beziffern, was das gesamte Projekt kosten wird.

Bauern behalten Projekt im Auge

Da wären noch die ansässigen 20 Landwirte, die eine Sammelklage gegen die Wiederverwässerung des Märimoos beim Kanton eingereicht haben. «Wir sind noch nicht offiziell informiert worden und wissen über den Stand der Dinge nicht Bescheid. Ob wir unsere Beschwerde weiterziehen, hängt vom Entscheid des BVU und von der aktuellen Version des Projekts ab. Mit dem Gemeinderatsbeschluss die Drainage betreffend ist die Sache für uns nicht vom Tisch», sagt Hanspeter Stutz, Nachbar von Braunwalder und Federführer der Beschwerde.

Lange werden die Befürworter und Gegner der Wiederverwässerung des Märimoos nicht mehr warten müssen: «Der Entscheid des BVU wird dem Gemeinderat noch im Januar zugestellt. Ob eine Baubewilligung erteilt wird oder nicht, entscheidet der Gemeinderat nach dem Einwendungsverfahren», erklärt Felicitas Siebert, Leiterin der Abteilung Baubewilligungen. Witzig und Braunwalder hoffen, dass die Arbeiten im Frühling begonnen werden können.