Der Gemeinderat hatte in einer Pressemitteilung erklärt, die Kündigung erfolge aufgrund «unterschiedlicher Auffassungen hinsichtlich Führung der Gemeindeverwaltung und betreffend Gestaltung der Zusammenarbeit».

Das Arbeitsverhältnis wurde per Ende Jahr aufgelöst. «Im Sinne einer gegenseitigen Entlastung der Situation», so der Gemeinderat, übernehme die derzeitige Gemeindeschreiberin-Stellvertreterin Corinne Zemp die operativen Aufgaben von Müller.

Seit Anfang Mai wollte sie gehen

Dass jemand per sofort freigestellt wird, hat normalerweise triftige Gründe. «Es ist aber nichts Gravierendes vorgefallen», beruhigt der Dottiker Gemeindeammann Roland Polentarutti. Ihm sei bewusst, dass der Entscheid des Gemeinderats sehr abrupt erscheinen müsse. «Aber seit Anfang Mai ist bekannt, dass Frau Müller kündigen wollte. Jetzt mussten wir einfach Klarheit schaffen. Bevor hintenrum geredet wird, wollten wir die Situation klar kommunizieren», erklärt er. Die Gemeindeschreiberstelle werde in der nächsten Woche neu ausgeschrieben. Mehr will Polentarutti zum Fall Müller nicht sagen.

Stellvertreterin überbrückt

Eine Regelung, wie lange eine Gemeinde ohne Gemeindeschreiber auskommen könne, gebe es nicht, sagt Martin Süess, Leiter Rechtsdienst bei der Gemeindeabteilung des Kantons. «Die Gemeinde muss allerdings sicherstellen, dass die Aufgaben erfüllt werden. Dafür springt, wie in diesem Fall, meistens der Stellvertreter vorübergehend ein.»

Es sei für Gemeinden auch möglich, die Dienstleistungen temporär bei spezialisierten externen Büros einzukaufen. «Das ist manchmal auch bei ordentlichen Kündigungen nötig, wenn der neue Gemeindeschreiber beispielsweise noch die Kündigungsfrist abwarten muss», so Süess. Dass eine Gemeindeschreiberin freigestellt werde, sei zwar eher selten, aber das könne es ab und zu geben.

Seit März 2010 in Dottikon

Bernadette Müller war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Müller war seit März 2010 Gemeindeschreiberin in Dottikon. Zuvor war sie zwei Jahre Gemeindeschreiberin im benachbarten Dintikon, davor gut zehn Jahre Gemeindeschreiberin und Finanzverwalterin in Oberflachs.

Der Gemeinderat dankte Müller in seinem Schreiben «für die zielstrebige Umsetzung der Umstrukturierungsmassnahmen in der Gemeindeverwaltung» und wünschte ihr für die Zukunft alles Gute.