Dottikon
Wird die Sternenkreuzung bald zum Sternenkreisel? «Jein», denn es gibt Alternativen

Schon vor Jahren kaufte der Kanton die alten Gebäude an der Wohlerstrasse 1 und 3 in Dottikon, um die Verkehrssituation an der viel befahrenen Sternenkreuzung zu beruhigen. Zum Beispiel mit einem Kreisel. Getan hat sich seither wenig. Doch nun wird ein Projekt aufgegleist. Drei mögliche Optionen stehen zur Debatte.

Pascal Bruhin
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Ein Kreisel würde für die Fussgänger keinen Mehrwert bringen, findet Gemeindeammann Roland Polentarutti, hier vor der Sternenkreuzung in Dottikon.

Ein Kreisel würde für die Fussgänger keinen Mehrwert bringen, findet Gemeindeammann Roland Polentarutti, hier vor der Sternenkreuzung in Dottikon.

Pascal Bruhin

Dass die Sternenkreuzung in Dottikon gefährlich ist, erlebt die AZ beim Augenschein mit Gemeindeammann Roland Polentarutti hautnah mit: Von Hägglingen her kommt ein Cabriolet-Fahrer, will Richtung Wohlen abbiegen. Da schneidet ihm ein dunkler Volvo von Wohlen herkommend und gen Othmarsingen unterwegs mitten auf der Kreuzung den Weg ab. Fast hätte es «klöpft». Nach ein wenig Gehupe und einem wütenden Fingerzeig ziehen beide Gefährte weiter. «Der ist aber mindestens bei dunkelorange durchgefahren», attestiert Polentarutti dem Volvo-Fahrer mit hochgezogener Augenbraue.

Petition forderte mehr Sicherheit für die Schulkinder

Sei es nun Zufall oder Vorführeffekt, das Gefahrenpotenzial der Kreuzung ist seit Jahren erkannt. 2020 forderte etwa eine Petition mehr Sicherheit für die Schulkinder, die auf ihrem Schulweg den gefährlichen Übergang über die Kantonsstrasse queren müssen. Die Gemeinde unterstützte diese. Auch der Kanton, der für den Unterhalt der beiden Kantonsstrassen, die sich beim «Sternen» in Dottikon kreuzen, zuständig ist, hat den mittelfristigen Handlungsbedarf bei der Verkehrssicherheit erkannt.

Ein heikler Punkt in Dottikon: Kinder müssen auf dem Schulweg die Sternenkreuzung überqueren.

Ein heikler Punkt in Dottikon: Kinder müssen auf dem Schulweg die Sternenkreuzung überqueren.

Dominic Kobelt (2011)

Schon vor Jahren hat der Kanton nämlich die baufälligen Gebäude an der Wohlerstrasse 1 und 3 von der Erbengemeinschaft Stutz erworben – als Landreserve für eine mögliche Entschärfung, etwa durch einen Kreisel. Was genau geschehen soll, ist jedoch nach wie vor unklar, wie Matthias Adelsbach, stellvertretender Kantonsingenieur, auf Anfrage bestätigt:

«Wir stehen noch ganz am Anfang der Projektierung.»

Es ginge nun erst einmal darum, eine Auslegeordnung zu machen und den Verkehrsknoten genau anzuschauen. «Jein», sagt Adelsbach denn auch auf die Frage, ob die beiden Gebäude dereinst abgerissen werden sollen, um Platz für einen Kreisel zu schaffen. «Aber es geht in die richtige Richtung.»

Die baufälligen Häuser an der Wohlerstrasse 1 und 3 hat der Kanton vor Jahren erworben. Seither stehen sie leer.

Die baufälligen Häuser an der Wohlerstrasse 1 und 3 hat der Kanton vor Jahren erworben. Seither stehen sie leer.

Pascal Bruhin

Auch eine Verlegung der Strasse wird geprüft

Ein Kreisel sei nur eine der Varianten, die geprüft würden, um die Verkehrssicherheit an dieser Stelle zu erhöhen. Möglich wäre auch, dass man die Strasse von Hägglingen her kommend so verlegt, dass ein gerader Übergang in Richtung Hendschiken entsteht, auch dazu müssten die beiden Häuser abgerissen werden, wie das Satellitenbild von Google Maps zeigt:

Als letzte Alternative bliebe der Status quo, beziehungsweise fast. Denn die Erneuerung der veralteten Lichtsignalanlage ist bereits beschlossen und wird voraussichtlich nächstes Jahr ausgeführt. Im Vordergrund steht dabei die Ampelsteuerung. Die Masten sollen hingegen noch bis zu einer Umgestaltung weiterverwendet werden, sofern ein Ersatz nicht zwingend erforderlich ist.

Vorprojekt von Kanton und Gemeinde ist in Ausarbeitung

Erste Gespräche zwischen Kanton und Gemeinde Dottikon betreffend der möglichen Optionen laufen derzeit. Roland Polentarutti sagt: «Wenn wir etwas machen wollen, braucht es den Kanton.» Ein Kauf der beiden Häuser durch die Gemeinde sei damals auch ein Thema gewesen. «Wir sind jetzt gemeinsam daran, zu schauen, was entstehen soll.» Einen Kreisel kann sich der Gemeindeammann persönlich an dieser Stelle nicht vorstellen. Zum einen aufgrund der schwierigen Strassenlage – die Strasse von Hägglingen her fällt relativ steil ab – und den beengten Verhältnissen. Zum anderen ist er überzeugt:

«Ein Kreisel würde für die Verkehrssicherheit der Fussgänger keine Verbesserung bringen.»

Er fügt an: «Ausser man würde am Kreisel ebenfalls Ampeln installieren oder aber Fussgängerüber- oder -unterführungen statt der Fussgängerstreifen bauen.» Für die Gemeinde sei der anstehende Ersatz der Lichtsignalanlage und die Anpassung des Phasenablaufs das adäquate Mittel, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Gemeindeammann Roland Polentarutti kann sich einen Kreisel an der Sternenkreuzung in Dottikon nicht vorstellen.

Gemeindeammann Roland Polentarutti kann sich einen Kreisel an der Sternenkreuzung in Dottikon nicht vorstellen.

Pascal Bruhin

Eine Studie soll Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen

Doch selbst wenn der Kanton letztlich einen Kreisel möchte: Einen grossen Knackpunkt gibt es dabei. Denn die beiden alten Gebäude stehen zwar nicht unter Denkmal-, wohl aber unter Volumenschutz. Das heisst, bei einem Abriss müssten die Häuser gemäss aktueller Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Gemeinde wieder gleich aufgebaut werden. Diesbezüglich hat der Gemeinderat im Rahmen der anstehenden Revision der BNO nun eine Studie darüber in Auftrag gegeben, welche Entwicklungsmöglichkeiten es an der Wohlerstrasse und an der Sternenkreuzung gäbe. Erste Resultate sollen bis Ende Jahr vorliegen.

Wann und ob die Dottiker Sternenkreuzung tatsächlich zum Sternenkreisel wird, bleibt also ungewiss. Polentarutti mutmasst:

«Die grosse Schaufel wird hier nicht so schnell rausgeholt.»

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