Ukraine-Krieg
Oberwil-Lieli und Dottikon hadern mit der Flüchtlingsbetreuung – so lösen sie das Personalproblem

In Oberwil-Lieli lebten bisher kaum Asylbewerbende, nun wurde die Gemeinde mit Ukraine-Flüchtlingen überrannt. Bei der Betreuung und der Integration helfen Sachbearbeiterinnen von der Kanzlei. Auch Dottikon hat Mühe mit der intensiven Arbeit – sie stocken nun den Sozialdienst auf.

Melanie Burgener
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Die Gemeinde Dottikon ist auf der Suche nach einer Person, die den Sozialdienst bei der Betreuung von Ukraine-Flüchtlingen unterstützt.

Die Gemeinde Dottikon ist auf der Suche nach einer Person, die den Sozialdienst bei der Betreuung von Ukraine-Flüchtlingen unterstützt.

Andrea Weibel
(30. Januar 2020)

Die Mitarbeitenden des Sozialdienstes der Gemeinde Dottikon sind am Limit ihrer Ressourcen angekommen. Die Betreuung der bald 30 Ukraine-Flüchtlinge, die im Dorf leben, ist intensiv. «Diese Menschen haben viele Fragen, wenn sie zu uns kommen. Sie zu beantworten, gestaltet sich aufgrund der Sprachbarriere häufig schwierig und braucht deshalb viel Zeit», erklärt Gemeindeschreiber und Verwaltungsleiter Lukas Jansen.

Dennoch sei es wichtig, dass die Flüchtlinge eine Ansprechperson haben, die ihnen beim Einleben im Freiamt hilft. Hinzu kommt, dass man auf der Verwaltung damit rechnet, dass in Zukunft noch weitere Personen aus der Ukraine in Dottikon ein Zuhause suchen werden. Jansen sagt:

Lukas Jansen, Gemeindeschreiber von Dottikon, bereitet sich auf weitere Ukraine-Flüchtlinge vor.

Lukas Jansen, Gemeindeschreiber von Dottikon, bereitet sich auf weitere Ukraine-Flüchtlinge vor.

zvg (2. März 2020)
«Wenn die Prognosen stimmen, wird der Krieg nicht so bald ein Ende nehmen. Auf diesen Fall möchten wir vorbereitet sein.»

Deshalb macht sich die Verwaltung bereits jetzt auf die Suche nach Unterstützung. Dafür hat sie nun eine Stelle zur Verstärkung des Sozialdienstes ausgeschrieben. «Wenn es um formelle Gesuche oder Auszahlungen geht, können wir das stemmen. Dazu haben wir gute Leute auf der Gemeindeverwaltung», sagt Jansen. «Doch wenn es darum geht, Wohnungen neu einzurichten oder die Ukrainerinnen und Ukrainer im neuen Alltag zu unterstützen, können wir den Sozialdienst nicht genügend unterstützen.»

Auch Oberwil-Lieli hat Mühe: «Bei uns lebten bisher kaum Asylbewerbende»

In der Stellenausschreibung heisst es deshalb, dass per sofort oder nach Vereinbarung eine Betreuungsperson für Menschen, die aus der Ukraine in die Gemeinde geflüchtet sind, gesucht wird. Die Stelle ist im 50-Prozent-Pensum, unbefristet und könnte allenfalls auch von zwei Personen geteilt werden. Denn Jansen ist sich bewusst:

«Wir sind bei weitem nicht die einzige Gemeinde, die jemanden in diesem Bereich sucht. Geeignete Personen werden uns nicht die Türen einrennen.»

Nebst Dottikon hadert auch Oberwil-Lieli mit den Betreuungsaufgaben. Das Dorf mit seinen 2550 Einwohnenden und deren Verwaltung wurde zu Beginn des Krieges regelrecht überrannt. «Bisher haben in unserer Gemeinde kaum Asylbewerbende gelebt. Deshalb ist bei uns auch niemand angestellt, der oder die für deren Betreuung zuständig ist», erklärt Rita Brem, Gemeinderätin und Vorsteherin des regionalen Sozialdienstes.

Gemeinderätin Rita Brem ist dankbar, dass viele Einwohnende von Oberwil-Lieli ukrainische Flüchtlinge aufgenommen haben.

Gemeinderätin Rita Brem ist dankbar, dass viele Einwohnende von Oberwil-Lieli ukrainische Flüchtlinge aufgenommen haben.

zvg (18. Oktober 2020)

Fast 40 Ukrainerinnen und Ukrainer leben unterdessen in der Gemeinde am Mutschellen – fast alle davon in privaten Haushalten. «Die meisten Flüchtlinge haben wir nicht vom Kanton zugeteilt bekommen. Viele wurden direkt an der Grenze und ohne Anmeldung von Einwohnenden ins Dorf gebracht», blickt Brem zurück.

«Das war etwas chaotisch, weil wir zuerst herausfinden mussten, wo Menschen untergebracht worden sind. Denn sie müssen registriert werden, damit sie eine Bewilligung erhalten und Dienste wie Arztbesuche oder Deutschkurse in Anspruch nehmen können», erklärt sie.

Trotz hoher Belastung wird am Mutschellen keine neue Stelle geschaffen

Aktuell laufe die Betreuung und die Integration aber gut. «Es gibt sehr viel zu tun und es ist manchmal ein bisschen patchworkartig», sagt sie lachend und ergänzt ernster:

«Aber ich bin zufrieden und dankbar, dass es so viele Leute gibt, die die Flüchtlinge bei sich aufgenommen haben. Das ist nicht selbstverständlich.»

Dennoch hofft sie, dass in der nächsten Zeit etwas mehr Routine in die Arbeit kommt und damit für Entlastung sorgt.

Trotzdem sei aktuell nicht vorgesehen, wie in Dottikon eine weitere Stelle zur Betreuung der Flüchtlinge zu schaffen. «Ich habe das Glück, dass ich mich auf ein ganz tolles Team in der Gemeindekanzlei stützen kann», sagt sie. Eine Sachbearbeiterin, die eigentlich zur Unterstützung anderer Geschäfte auf der Verwaltung neu eingestellt worden ist, sei aktuell fast nur für die Menschen aus der Ukraine zuständig.

Rita Brem hofft aber, dass der Kanton nun zuerst andere umliegende Gemeinden, die bisher kaum Menschen aus der Ukraine beherbergen, bei der Zuteilung berücksichtigt. «Sollten aber einmal noch mehr Menschen nach Oberwil-Lieli flüchten, wären wir bereit.»