Oberrüti

Doppelturnhalle kostet rund 7,65 Mio. Franken – der Steuerfuss muss rauf

Nördlich der bestehenden Schulanlage Oberrüti kommen die neue Doppelturnhalle und der Pausenplatz zu stehen. AZ Archiv/Eddy Schambron

Nördlich der bestehenden Schulanlage Oberrüti kommen die neue Doppelturnhalle und der Pausenplatz zu stehen. AZ Archiv/Eddy Schambron

Der Gemeinderat von Oberrüti beantragt einen Kredit von 7,65 Mio. Franken für Doppelturnhalle und eine Steuererhöhung von 5 Prozent auf neu 114 Prozent. Dass zumindest in den nächsten fünf Jahren keine weitere grösseren Investitionen anstehen, ist somit klar.

Das ist für Oberrüti kein Spaziergang: Für die dringend benötigte Doppelturnhalle und den Pausenplatz müssen 7,65 Millionen Franken aufgewendet werden, im besten Fall 20 Prozent weniger, im schlechtesten 20 Prozent mehr.

Das bedeutet: Die ebenfalls dringend benötigten Werkräume für die Schule werden in eine spätere, zweite Etappe verschoben, der ebenfalls seit langem gewünschte Hartplatz in die dritte. Und: Der Steuerfuss muss rauf, und zwar um 5 Prozent auf neu 114 Prozent. So wird es der Gemeinderat der Einwohnergemeindeversammlung am 16. November beantragen.

Würde man das ganze Projekt auf einmal realisieren, kämen Kosten von 10,274 Mio. Franken auf die Gemeinde zu, 1,64 Mio. Franken für das Schulgebäude mit Werkzimmern und 984 000 Franken für einen kombinierten Hartplatz mit Aussengeräteraum. «Das wäre finanziell in keiner Weise tragbar», machte Frau Gemeindeammann Fränzi Baggenstos an einer Orientierungsversammlung klar. Sieben Millionen Franken sind eigentlich die oberste Grenze, hat man analysiert und zusammen mit der Finanzkommission ausgerechnet. Und das auch nur mit einer markanten Steuerfusserhöhung und dem Verzicht auf grössere Investitionen sicher in den nächsten fünf Jahren.

Unter diesen Umständen ist die Etappierung gegeben. Mit der Realisierung der ersten Etappe – Doppelturnhalle und Pausenplatz – sind nicht nur hohe Investitionen verbunden, sondern auch jährlich wiederkehrende Kosten von 455 000 Franken.

Massive Verschuldung

Die Auswirkungen dieses «Generationenprojekts», wie sich Baggenstos ausdrückte, auf den Gemeindehaushalt sind beträchtlich: Die Nettoschulden der Gemeinde steigen bis 2022 auf 8,19 Mio. Franken. Der Investitionsplan sieht danach nur noch bescheidene Beträge voraus: 250'000 Franken pro Jahr. So hofft der Gemeinderat, dass sich auch dank leicht steigender Steuererträge die Last langsam verringert. «Klar ist, dass wir diese nicht einfach an die nächste Generation weiterschieben dürfen.»

Im optimalen Fall ist die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde so, dass auch die zweite und dritte Etappe früher als erhofft realisiert werden können. «Ziel ist es letztlich, alle Bedürfnisse abdecken zu können», unterstrich Baggenstos. Erste Aufgabe der Gemeinde sei es jedoch, die Bedürfnisse der Öffentlichkeit, hier die Schule, zu befriedigen. Lucas Casanova, Präsident der Finanzkommission, machte deutlich, dass die Berechnungen auf Annahmen beruhen. «Es ist möglich, dass die finanzielle Entwicklung der Gemeinde besser wird als angenommen. Aber auch, dass sie schlechter wird.»

Auch die Schule muss zurückstecken: Schulpflegepräsident André Widmer erklärte, dass die Doppelturnhalle für die Schule erste Priorität geniesse. Aber auch, dass es damit eigentlich noch nicht getan sei. «Die Werkräume wären ebenfalls dringend nötig, und der Kindergarten pfeift raummässig schon lange aus dem letzten Loch». Aber die Schule muss sich den finanziellen Möglichkeiten beugen. Einfach die bestehende, 50-jährige Turnhalle zu sanieren, bringe es nicht, wie Widmer ausführte. Sie ist nach den heutigen Vorgaben einfach sechs Meter zu kurz und vier Meter zu schmal. Die Fläche der Duschräume ist um die Hälfte, der Umkleideraum acht Quadratmeter und der Geräteraum knapp 20 Quadratmeter zu klein.

Die Schulpflege hofft nun, dass mit der Doppelturnhalle nicht nur die Infrastruktur für die Turnenden auf den heutigen Stand kommt, sondern dass sie auch eine gewisse Entlastung der Schulräume mit sich bringen kann, was die Stundenplanung und den Unterricht erleichtern würde. «Und der Kindergarten bekommt etwas», sagte Widmer, liess aber auch keine Zweifel darüber aufkommen, dass dieses «Etwas» auf Kosten von anderen Bedürfnissen gehen wird.

«Sportliches Programm

Jetzt werden der Einwohnergemeindeversammlung am 16. November ein Ausführungskredit von 7,65 Mio. Franken und eine Steuerfusserhöhung von 109 auf 114 Prozent zur Genehmigung vorgelegt. Wird diesen Anträgen zugestimmt, soll im Oktober 2019 Baubeginn und am 1. September 2020 Einweihung der neuen Doppelturnhalle sein. «Ein sehr sportliches Programm», räumte Baggenstos ein.

Mit der Steuerfusserhöhung wäre Oberrüti wieder da, wo die Gemeinde 2011 mit ebenfalls 114 Prozent war. 2013 bis 2017 lag der Steuerfuss bei 112 Prozent, für 2018 wurde er auf 109 Prozent gesenkt.

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