Boswil

Dokumentation zeigt spannende Reise durch die Vergangenheit

Das überarbeitete Bauinventar kommunaler Kulturobjekte wartet mit zahlreichen Informationen auf. Die Schule Boswil, das Zollhaus Weissenbach und die Bahngeschichte im Freiamt werden diskutiert.

Das Boswiler Bauinventar kommunaler Kulturobjekte umfasst nicht weniger als 42 Objekte. Es beinhaltet Wohnhäuser und Scheunen, Wegkreuze und Grenzsteine bis hin zur Weidhütte oder zum Güterschuppen beim Bahnhof.

Allen gemeinsam ist: Sie haben entweder einen historischen Zeugenwert, eine Bedeutung für das Orts- oder Landschaftsbild oder weisen einen Eigenwert wie Seltenheit oder handwerkliche und technische Qualitäten auf, die sie von anderen Objekten abheben.

Das Bauinventar dient den Gemeindebehörden und dem Kanton auch als Grundlage für die Ortsplanung und für baurechtliche Entscheide. Für den Grundeigentümer entfaltet es keine unmittelbare rechtliche Wirkung. Eine Umsetzung hat in geeigneter Form im Rahmen der kommunalen Nutzungsplanung zu erfolgen.

Aufschlussreiche Dokumentation

Der Blick ins Objektdossier ist spannend und aufschlussreich. Zum Beispiel das alte Boswiler Schulhaus: Es wurde 1852 erstellt und ist ein dreigeschossiger Biedermeierbau mit Satteldach.

Der einstige Bezug zum Strassenraum durch den baumbestandenen Vorhof mit Einfriedung sei einer Fahrbahnerweiterung zum Opfer gefallen.

Aber aufgrund seiner Grösse und exponierten Stellung setze das Gebäude weiterhin einen wichtigen städtebaulichen Akzent an der Einmündung der Bahnhofstrasse in die Zentralstrasse. Das Schulhaus wird als Teil der neuen Schulanlage weiterhin zu Schulzwecken genutzt.

Zollhaus in Weissenbach

Ein typischer Freiämter Ständerbau aus dem späteren 18. Jahrhundert steht in Weissenbach. Nach mündlicher Überlieferung diente er als Zollhaus zwischen dem luzernischen Schongauer Amt und den Freiämter Ortschaften Muri und Boswil.

Das Gebäude ist in seiner Gesamtform mit steilem Satteldach, Gehrschild und Klebdächern gut erhalten und bewahrt als wertvoller Zeuge der ländlichen Wohnkultur in der Stube ein zierbeschnitztes Kirschbaumbuffet von 1796.

Güterschuppen blieb original

Interessant ist auch der Beschrieb des zur Station Boswil-Bünzen gehörigen Güterschuppens der ehemaligen Aargauischen Südbahn. Er ist, im Gegensatz zum stärker veränderten und unschön erweiterten Aufnahmegebäude, in weitgehend originalem Zustand erhalten.

Die Bahnlinie Brugg–Rotkreuz wurde als Verbindungsbahn zur Gotthardstrecke von der Aargauischen Südbahn, einem Regieunternehmen der Centralbahn, in Angriff genommen.

Der Streckenabschnitt Rupperswil–Wohlen wurde 1874, jener von Wohlen–Muri am 1. Juni 1875 eröffnet. Die Landstationsgebäude stammen vom Centralbahnarchitekten Fechter.

Spiegelbildliche Raumanordnung

An der Oberdorfstrasse 17 zieht ein Doppelbauernhaus aus der Zeit um 1800 den Blick auf sich. Das Haus weist mit den traufseitigen Obergeschosslauben und den stirnseitigen Klebdächern regionaltypische Züge auf.

Mit der winkelförmig zugeordneten Scheune nimmt es eine riegelartige Stellung zwischen Bach und Oberdorfstrasse ein. Die beiden quer zum First aufgeteilten Wohnungen zeigen eine identische, spiegelbildlich angeordnete Raumordnung.

Als bemerkenswertes Element findet sich im strassenseitigen Hausteil ein kreuzgratgewölbter Keller. Aufgrund seines äusseren Erscheinungsbildes dürfte das Gebäude aus der Zeit um 1800 stammen.

Im Brandkataster von 1850 figuriert es als «Wohnhaus mit Gewölbe- und zwei Trämkellern, nebst Schweinestall, aus Holz und Stein, mit Ziegeldach». Bewohnt wurden die beiden Hausteile zu jener Zeit von Josef und Gottlieb Notter, welche sich die zugehörige Scheune teilten.

Die im ländlich-bäuerlichen Umfeld sonst eher seltenen Kreuzgratgewölbe sind in Boswil noch an weiteren Gebäuden anzutreffen.

Auf Karten sind sowohl die Objekte des Bauinventars als auch die kantonalen Schutzobjekte aufgeführt. Die rund 260 Seiten starke Dokumentation, die auf der Gemeindekanzlei eingesehen werden kann, bietet in Wort und Bildern eine aufschlussreiche Reise durch die Vergangenheit und rückt den Dorfbewohnern bekannte Bauwerke ins richtige Licht.

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