Tradition

«Dieses Jahr wurden schon fast 20 000 Stück verkauft»: Die Räbeliechtli strahlen weiter

Das kunstvolle Verzieren der Räben macht den Kindern immer noch viel mehr Spass als das Aushöhlen von Kürbissen.

Das kunstvolle Verzieren der Räben macht den Kindern immer noch viel mehr Spass als das Aushöhlen von Kürbissen.

Weder Schnitz-Kürbisse noch Laternen konnten das traditionelle, leuchtende Gemüse bisher verdrängen.

«Räbeliechtli, Räbeliechtli, chömed alli Chind!» Momentan ziehen im ganzen Freiamt singende Kinder mit ihren selbst gemachten Räbeliechtli durch die Strassen. Doch mehr und mehr Laternen und Kürbisse fallen bei den Umzügen auf. Stirbt das Räbeliechtli aus?

Marie Huber, Bäuerin aus Besenbüren, möchte den Brauch unbedingt bewahren. Jahrelang baute sie zusammen mit ihrem Mann Räben an: «Aus gesundheitlichen Gründen mussten wir damit aufhören, jetzt kaufen wir die Räben ein und vermarkten sie weiter.»

Räbeliechtli schnitzen in Sarmenstorf

Räbeliechtli schnitzen in Sarmenstorf

Die Schulen zeigen Interesse: So wurde ganz Bremgarten mit ihren Räben ausgerüstet. Trotzdem: «Es wäre schade, wenn Kürbisse oder ordinäre Laternen die Räbeliechtli ersetzen würden», sagt Huber. «Meine Mutter sagte immer, dass man mit dem Umzug das Christchindli schon vorher ‹zöndlet›».

Ein schweres Jahr für die Räben

Dieses Jahr war zu nass und zu kalt für die Räben, erklärt die Landwirtin. «Die Räbe, die zu 98 Prozent aus Wasser besteht, wird bei diesen Temperaturen nicht sehr gross. Einige Lehrer sind jedoch froh über die kleinen Räben, die geben nicht so viel Arbeit beim Schnitzen. Die meisten sind sogar erleichtert, wenn sie überhaupt noch Räben bekommen.»

Früher hat fast jeder Bauer Räben gepflanzt. Heute tun das im Freiamt nur noch wenige. Etwa Ernst Kämpf, von der gleichnamigen Gärtnerei in Oberlunkhofen. Er baut seit 30 Jahren Räben an, wie zuvor schon sein Vater. Dieses Jahr wurden schon fast 20 000 Räben verkauft: «Wir liefern sogar bis nach Zürich oder St. Gallen.» Angst, dass Kürbisse oder Laternen die Räben ersetzen, hat er nicht: «Wenn hier und da ein paar Kürbisse stehen, ruiniert das nicht gleich das Geschäft oder den Brauch an sich.»

Laut Kämpf lernen die Schüler viel beim Verarbeiten der Räben: «Wenn wir die Räben vor Verkauf nicht waschen, gibt es immer wieder verwunderte Kinder, die nicht wussten, dass Räben normalerweise mit Erde bedeckt sind.» Ausserdem ist der Gärtner davon überzeugt, dass die Räbe wieder an Popularität gewinnt: «Alte Traditionen liegen im Trend. Und auch in der Küche findet die Räbe als ehemalig verpöntes Armeleuteessen wieder mehr Anerkennung.»

Mehr Freude an Räbeliechtli

In der Primarschule in Bremgarten freuten sich die Kinder auf den Räbeliechtliumzug: Zusammen mit den Lehrpersonen fertigten sie aus ihren Räben kleine Laternen.

Als Erstes werden Muster in die Haut der Räbe geritzt, dann wird sie ausgehöhlt, mit drei Löchern versehen und aufgehängt. «Meistens werden die Lehrer von Eltern unterstützt. Es ist schon ein schwieriges Unterfangen, alleine auf mehrere Kinder aufzupassen, die alle mit scharfem Werkzeug hantieren», sagt Eva Knecht, Co-Schulleiterin.

Räbeliechtli-Umzug in Sarmenstorf

Räbeliechtli-Umzug in Sarmenstorf

Auch sie fürchtet die Verdrängung der Räbeliechtli durch Kürbisse nicht. «Vereinzelt sind entlang der Umzugsroute jeweils ein paar Kürbisse zu sehen, aber die Kinder haben mehr Freude an den Räbeliechtli.» Sie weiss nicht, wo der Brauch des Räbeliechtli-Umzugs seinen Ursprung hat – für sie zählt die Atmosphäre: «In dieser dunklen Jahreszeit ist ein Umzug mit Lichtern gerade das Richtige, um die Stimmung etwas zu heben.»

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