Schon nach seiner ersten Klavierstunde hat der heute 28-jährige ausgebildete Komponist und Musikwissenschafter Matthias Renaud eigene Stücke zu komponieren begonnen. Bis heute hat sich zwar deren Komplexität geändert, nicht aber seine Leidenschaft zur Musik. Im Februar wird sein neuestes Werk «Consolation/Diffraction» für Flöte, Klarinette und Klavier vom Ensemble Contraire uraufgeführt.

Renaud spielt Klavier und Orgel. Die Instrumente braucht er aber kaum, um zu komponieren. «Sie würden mich nur ablenken», erklärt er. Denn seine Stücke entstehen vollkommen ohne Instrumente in seinem Kopf. Was man mit den Instrumenten alles machen kann, hat er an der Musikakademie in Basel gelernt. «Den Werkzeugkasten habe ich im Kopf, ich muss mich nur daraus bedienen», beschreibt der Villmerger.

Eine Auftragswerk

Sein neuestes Stück war ein Auftragswerk für das Ensemble. «Über einen Kollegen aus dem Studium und meinen früheren Klavierlehrer ist einer der Musiker auf mich aufmerksam geworden», erzählt er. «Sie wollten eine moderne Komposition und gaben mir lediglich die drei Instrumente und einen Zeitrahmen von etwa einer Viertelstunde vor.» Sonst war er absolut frei in der Gestaltung des Stücks.

Aber wie entsteht ein Lied, wenn man nicht einmal zur Inspiration singt oder ein Instrument spielt? «Irgendwann kommt die Grundmelodie einfach», sagt der Komponist schulterzuckend. «Wenn ich einen Abgabetermin habe, geht es meistens schneller. Aber bis dahin muss ich warten.» Wenn die Melodie dann da ist, schreibt er die Noten von Hand auf. «Es ist eine direktere Verbindung als via Computer», sagt er.

Funktioniert es - oder nicht?

Für dieses Stück habe er allerdings eine ältere Vorlage aus der Schublade gezogen. «Letztes Jahr war Liszt-Jahr, weil der Komponist vor 200 Jahren geboren wurde. Ich habe seine ‹Consolation Nr. 3› auseinandergenommen und mein Stück aus einzelnen seiner Motive aufgebaut», so Renaud. «Ich wusste nicht, ob es funktionieren würde, aber als ich gestern zum ersten Mal bei einer Probe dabei sein konnte, war ich zufrieden.» Es sei üblich, dass Motive aus anderen Kompositionen – ob bewusst oder nicht – in die Stücke einfliessen. «Sonst müsste ich auf eine einsame Insel gehen, um zu komponieren», verdeutlicht Renaud, der als Informatiker in Zug arbeitet.

Seine Spezialität sind jedoch die Zwischenklänge. «Zum Beispiel das Luftgeräusch der Flöte oder das Klappern der Klappen interessieren mich.» Indem er sie als gleichberechtigte Klänge einsetzt, erweitert er das Klangrepertoire. «Das wurde in den 60er-Jahren erstmals gemacht und fasziniert mich sehr», hält der junge Musiker eine der Eigenheiten seines Stückes fest.

Aufführungen des Stücks im Rahmen der Konzerte des Ensembles Contraire: 4.Februar, 19.30, Zunftsaal Schmiedhof, Basel; 11. Februar, 19.30, Schlossergasse 9, Zürich; 17. Februar, 19 Uhr, Schulhaus Hof, Villmergen. Einführung durch Matthias Renaud jeweils 30 Minuten vorher.