Keiner ist so lange im Freiamt journalistisch tätig wie ba., mit vollem Namen Jörg Baumann, Wohlen, Jahrgang 1947. Am 2. Januar 1967, also vor 50 Jahren, hat er beim «Wohler Anzeiger» angefangen. Obwohl seit vier Jahren pensioniert, schreibt er weiter. «Ich kann nicht anders», sagt er, der 1988 zum damaligen «Freiämter Tagblatt» wechselte und seit der Gründung der Aargauer Zeitung für dieses Blatt arbeitet. Wie viele Artikel er in seinem Leben geschrieben hat, weiss er nicht. «Durchschnittlich vier pro Woche», schätzt der 69-Jährige. Das wären dann 10 400 Artikel. Aufbewahrt hat er keinen einzigen.

Einmal kam ba. nach der Lesung aus dem schriftstellerischen Werk einer Freiämterin in der Zeitung zum Schluss: «Da scheiden sich die Magensäfte.» Man kann davon ausgehen, dass diese Würdigung unumgänglich war. Denn meistens geht Jörg Baumann einen konzilianten Weg, wenn er in die Tasten greift. Aus nichts ein Thema machen, das liegt ihm nicht. Aber er hat ein Gespür für Geschichten, ist vielseitig interessiert, sprachlich selbstverständlich sattelfest. «Journalist ist der einzige Beruf, der für mich möglich gewesen ist», stellt er deshalb fest. Weil er schreiben wollte, weil dieser Beruf jeden Tag etwas Neues, manchmal auch Überraschendes bringt, weil man in alle möglichen Lebenssituationen Einblick erhält. «Man lernt die unterschiedlichsten Leute kennen, man ist ständig am Lernen, der Beruf zwingt einen dazu, offenzubleiben.» Die kaufmännische Tätigkeit nach der Lehre, die er 1963 bis 1966 bei der Cellpack AG in Wohlen absolvierte, konnte das nicht bieten.

Grosser Wandel

Zu Hause war der «Wohler Anzeiger» ständig präsent, auch weil Vater Otto Baumann dort als Schriftsetzer arbeitete. Als die Stelle von Redaktor Kurt Troxler frei wurde, bewarb sich der junge Kaufmann, dessen Lieblingsfach im KV Deutsch bei Eugen J. Bischof war, um einen Posten in der Redaktion. Walter Meyer, der damalige Chefredaktor, gab dem Jungspund eine Chance. Vom heute praktizierten Lokaljournalismus war die damalige Arbeit weit entfernt: «Wir druckten Gemeinderatsnachrichten ab, redigierten Korrespondententexte äusserst sanft, es gab keine Medienkonferenzen.» Verlautbarungsjournalismus nennt man das heute. Trotzdem war er 1969 wieselflink der wohl erste Journalist vor Ort, als die «Pulveri» in Dottikon in die Luft ging. «Es war am Morgen, ich wollte gerade frühstücken, da erreichten Wohlen ein Knall und eine Druckwelle. Mir war sofort klar: Das musste die Sprengstofffabrik Dottikon sein.» Er fuhr sofort los, um darüber zu berichten. Das Unglück forderte 18 Tote und zahlreiche Verletzte. «Es war eine riesige Herausforderung für mich als jungen Journalisten, dieses Ereignis zusammenzufassen.» Nicht zuletzt deshalb ist es ihm in besonderer Erinnerung geblieben.

Wechsel zur Konkurrenz

21 Jahre war ba. dem «Wohler Anzeiger» treu, dann nahm er ein Angebot des damaligen «Freiämter Tagblatts» an. Er konnte sich auf der neuen Redaktion schnell auf den durch die tägliche Erscheinungsweise höheren Druck, auf die dadurch notwendige, vorausschauende Planung und auf die sich zunehmend verändernde Arbeitsweise einstellen. Er lernte, wie alle heute älteren Journalistinnen und Journalisten, den Umgang mit dem Computer und der digitalen Fotografie. Einzig von Video-Produktionen lässt er die Finger.

Fehler schmerzen

Baumann ist ein Schnellschreiber. Wenn es läuft. Aber er kennt auch die andere Seite: «Die Leute wissen nichts von möglichen Schreibblockaden, von missglückten Textanfängen, von der Furcht, wichtige Dinge zu vergessen, Namen falsch zu schreiben, sonst irgendwie einen Bock im Text zu haben, vom Zeitdruck, der bisweilen herrscht.» Gedruckt ist eben gedruckt, und ein Fehler schwarz auf weiss tut weh. «Manchmal kann man im Gespräch Fehler bereinigen, manchmal muss man Kritik einfach schlucken. Das ist unangenehm.» Kommt hinzu, dass durch die Nähe des Lokaljournalismus zu den Menschen Fehler sofort auffliegen. Baumann gibt zu, dass er, wie viele Journalisten übrigens, empfindlich auf Kritik reagiert. Allerdings hat er auch die Erfahrung gemacht, dass die meisten Leute uns Lokaljournalisten durchaus mit einer gewissen Grossmütigkeit begegnen.

Geliebtes Freiamt

ba. bildet sich nichts ein. «Ich glaube kaum, dass ich mit meiner Arbeit irgendeinen Entscheid beeinflusst oder verändert habe.» Das sieht er auch nicht als Aufgabe des Lokaljournalismus. «Wir sind dazu da, Information zu verbreiten, eine Region, ihr Leben und ihre Entwicklung abzubilden.» Das Freiamt ist ihm lieb, Ortsbild- und Naturschutz liegen ihm besonders am Herzen und geschichtliche Themen sind bei ihm in guten Händen. Er hebt die kulturelle Vielfalt im Freiamt hervor und findet, dass Gemeindebehörden heute auf hohem Niveau jammern: «Ich habe noch erlebt, wie in ärmeren Gemeinden die Steuerfüsse bei 170 oder 180 Prozent lagen.» Jetzt engagiert er sich, als Rentner, neben der Arbeit für die az im Redaktionsteam der Bremgarter Neujahrsblätter. «Ein Leben ohne Schreiben kann ich mir schwer vorstellen, also schreibe ich, solange ich kann und andere das wollen.» Gut so.