«Frühling ist, wenn die Salweiden blühen. Denn dann fliegen auch die Bienen wieder.» Kaspar Hummel kann sich kaum sattsehen an seinen fleissigen Helferinnen, die bei den warmen Frühlingstemperaturen so zahlreich die blühenden Widechätzli umschwirren, dass es einem in den Ohren saust.

Seit 51 Jahren hält der ehemalige Landwirt und Mechaniker Bienen. Und noch immer hat er nichts von seiner Leidenschaft verloren – im Gegenteil, es scheint, als verliebe er sich jeden Frühling noch mehr in seine Honigsammlerinnen.

Welcher Rasse diese angehören, kann er nicht sagen: «Es sind Trottoirmischungen», hält er lachend fest. Was er aber sagen kann, und zwar voller Stolz: «Dieses Jahr ist mir erneut keines meiner 32 Völker über den Winter eingegangen.» Dabei würde er eigentlich gerne reduzieren, vor allem das Hinunterbeugen zu den unteren Bienenstöcken macht dem 78-Jährigen Mühe. Aber solange es seinen Bienen – und natürlich auch ihm – so gut geht, will er nichts verändern.

Ein Paradies für Bienen

Den Bienen scheint es tatsächlich gut zu gehen. Über 30 Weiden, aber auch Bienen- und Schnurbäume, die viel Nektar und Pollen liefern, hat Hummel eigens für sie gepflanzt. Im Garten wachsen dazu unzählige verschiedene Blumenarten, ebenfalls nur für die Bienen.

«Natürlich haben auch wir Freude an den hübschen Blumen. Aber wir suchen uns prinzipiell immer Pflanzen für den Garten aus, die für Bienen, aber auch Schmetterlinge, Hummeln, Wildbienen und so weiter den meisten Nutzen bringen», erklärt Ehefrau Regula Hummel. Ein ganzes Feld wird im Sommer mit Oregano überwachsen sein, auch das sei eine wunderbare Bienenweide.

Ein sehr grosser Aufwand nur für die kleinen Insekten. Doch das ist längst nicht alles, was Hummels für sie tun. Regula Hummel kommt dem Bienenhäuschen oberhalb ihres Hauses nicht zu nahe, sie ist allergisch auf Bienenstiche und muss sofort Tabletten nehmen, falls sie gestochen wird. Kaspar Hummel dagegen machen Stiche überhaupt nichts aus. Er ist jeden Tag mindestens einmal im Häuschen bei der Arbeit, meistens zweimal.

Das Imkern hat er sich mehr oder weniger selber beigebracht. «Mein Vater hat 1947 das Haus hier in Weissenbach gekauft. Hier hat er mit nur vier Kühen seine acht Kinder grossgezogen. Für Bienen interessierte er sich nicht, doch mich faszinierten sie schon immer. Darum habe ich alles in Büchern nachgelesen», erinnert sich Kaspar Hummel.

Tüftler und Perfektionist

Im Alter von 27 Jahren habe er «einfach gestartet». Er hatte Freunde, die Imker waren, wurde bald Mitglied im Bienenzüchterverein und konnte viele Gerätschaften und auch seine ersten Völker von einem Imker übernehmen, der aufhören wollte. «Ich habe viel Lehrgeld bezahlt», erzählt er.

Doch in all den Jahren hat er sein Handwerk immer wieder hinterfragt und für sich perfektioniert. Beispielsweise hat er einen eigenen Wärmeschrank für den Honig gebaut und braucht durch seine eigene Methode auch viel weniger Ameisensäure gegen die gefährlichen Varoa-Milben. «Bei mir sind noch nie Völker wegen der Varoa gestorben», ist er stolz.

Dafür muss er in Kauf nehmen, dass er über grosse Teile des Jahres zweimal täglich im Bienenhäuschen arbeiten muss. «Aber ich mache es ja gerne.» Den Honig verkauft er selber ab Hof, liefert aber auch an Landi und Volg in der Umgebung.

Kaspar Hummel ist es ein Anliegen, dass die Leute, die einen Garten haben, sich auch Gedanken um die Bienen machen. «Man kann mit wenig Aufwand viel für sie tun», klärt er auf. «Zum Beispiel die Weiden nicht schneiden, bevor sie verblüht sind.»