Muri

Dieser Honduraner sucht eine Gastfamilie: «Ich möchte lernen, wie man Rösti kocht»

Irving Crisanto (23) aus Honduras arbeitet ein Jahr lang als Volontär im Roth Haus in Muri – und fühlt sich sehr wohl.Andrea Weibel

Irving Crisanto (23) aus Honduras arbeitet ein Jahr lang als Volontär im Roth Haus in Muri – und fühlt sich sehr wohl.Andrea Weibel

Irving Crisanto (23) aus Honduras hilft für ein Jahr im Roth Haus Muri – jetzt sucht er eine neue Gastfamilie.

Er sitzt auf dem Sofa im Roth Haus und grinst breit: Irving Crisanto scheint sich wohlzufühlen an seinem vorübergehenden Arbeitsplatz in Muri. «Es ist eiskalt draussen», sagt er mit einem skeptischen Blick aus dem Fenster. Doch dann grinst er wieder und fügt hinzu: «Aber das war es wert, denn ich habe vor einigen Wochen zum ersten Mal Schnee gesehen, es war traumhaft.» In seiner Heimatstadt Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, gibt es die weisse Pracht nicht. «Dort wird es nie kälter als etwa 9 Grad, aber auch nur, wenn es wirklich kalt ist.

Dafür ist es im Sommer bis zu 45 Grad heiss, aber das mag ich dann auch wieder nicht.» Was den zentralamerikanischen Staat ausserdem von der Schweiz unterscheidet, ist für Irving neben Essen und Bergen vor allem eines: die Eisenbahn. «Ich wollte schon immer in die Schweiz kommen, denn ich hatte vom Glacier Express gehört, der hat mich fasziniert. Bei uns gibt es schon Züge, aber die sind nicht mehr funktionstüchtig.» Als er dann von einem Freund, der ebenfalls in der Schweiz im Austausch gewesen ist, zu Rösti eingeladen wurde, stand für den 23-jährigen Softwareingenieur-Studenten fest, dass er dieses kleine Land mitten in Europa, das so viele faszinierende Dinge vereint, einfach besuchen muss.

"Ich würde gerne lernen, wie man Schweizer Essen kocht": Irving aus Honduras sucht eine neue Gastfamilie

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«Sein Strahlen ist viel wert»

«Meine Patentante hat mir von ICYE erzählt, der Organisation für internationalen Jugend- u. Kulturaustausch. Sie selber hat mit ihnen vor Jahren Europa besucht und wohnt heute in London. Sie fand, das müsste ich unbedingt auch machen.» Also hat sich Irving beworben. Deutschland und Österreich wären für ihn auch infrage gekommen, doch am Ende gefiel ihm das Angebot, im Roth Haus in Muri zu arbeiten, am besten. «Ich hatte auch schon Erfahrungen mit behinderten Personen gesammelt, als ich im Oktober 2015 bei den Special Olympics geholfen habe», berichtet er. «Dort habe ich mit den Athleten gespielt, auf sie aufgepasst, ihnen Essen gebracht und das Camp aufgeräumt.»

Und was tut er im Roth Haus? «Etwa dasselbe», sagt er lachend. Es wird deutlich, dass Felicia Solothurnmann von ICYE Schweiz nicht lügt, wenn sie über ihn sagt: «Irving hat immer ein Lachen auf dem Gesicht – egal wie dicht der Nebel über den Strassen liegt.» Und auch Uwe Tischer, Heimleiter des Roth Hauses, sieht das als Markenzeichen und grosses Plus bei Irving: «Er arbeitet mit kognitiv schwer beeinträchtigten Menschen, diese reagieren stark auf Mimik, da sind sein stetes Strahlen und seine gute Laune sehr viel wert.»

Das Roth Haus arbeitet seit gut 15 Jahren mit ICYE zusammen und stellt fast jedes Jahr einen Volontär ein. «Es ist ein Kulturaustausch, darum erhalten die Volontäre keinen Lohn. Wir bieten ihnen stattdessen eine Tagesstruktur, sie lernen im besten Fall Deutsch und den Umgang mit den Menschen», erklärt Tischer. Unter Kultur versteht er aber nicht nur Feste wie Weihnachten, Fasnacht oder Geburtstag, die die Volontäre mitfeiern. «Viele sind es auch nicht gewohnt, dass wir Punkt 8 Uhr anfangen, daran müssen sie sich gewöhnen. Und eine Afrikanerin stand beim ersten Schneefall einmal am Fenster und rief: ‹Schaut mal, es regnet weiss!› Dieser Austausch ist sowohl für uns als auch für die Volontäre eine grosse Bereicherung.

Gastfamilie gesucht

Irving fühlt sich sehr wohl im Roth Haus und möchte seine neu gewonnenen Erfahrungen auch gerne in seiner Heimat weiter einsetzen: «Ich werde zwar sicher mein Studium fertigmachen, denn ich möchte als Programmierer arbeiten. Aber ich möchte mich auch für ein soziales Projekt einsetzen. Ich lerne so viel von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Roth Haus, sie sind fantastisch.»

Doch zuerst muss er ein ganz anderes Problem lösen: «Ich habe eine tolle Gastfamilie in Aarau, dort gefällt es mir gut. Leider konnten sie mich aber nur ein halbes Jahr lang beherbergen. Ende Februar muss ich also wechseln. Aber ICYE hat bisher noch keine neue Gastfamilie für mich gefunden.» Sie suchen, so gut sie können, und zwar im ganzen Aargau. «Ich stelle keine grossen Ansprüche. Ich würde einfach gerne Zeit mit der Familie verbringen, vielleicht Deutsch lernen und gemeinsam etwas unternehmen», erklärt Irving und fügt strahlend hinzu: «Und ich würde gerne lernen, wie man Schweizer Gerichte kocht, beispielsweise Rösti oder Fondue. Ich liebe Fondue.»

Mehr Informationen für mögliche Gastfamilien finden Sie unter www.icye.ch

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