Pascal Bär stemmt die 80-Kilo-Hantel, als wäre sie aus Luft, und grinst dabei frech in die Kamera. Als er sie hinlegt, kann ich mich nicht zurückhalten und schaue ungläubig nach, ob die Eisenstange mit den beiden Gewichten auch echt ist. Mit ernüchterndem Ergebnis: Nicht einen Millimeter kann ich das Sportgerät bewegen. Als Bär die Hantel hochhebt und wieder an ihren Platz zurücklegt, ist nach wie vor keine Spur von Anstrengung in seinem Gesicht zu sehen.

Vor rund fünf Jahren, als er mit dem Bodybuilding anfing, war das noch anders. Mit Kraftsport hatte er bis dahin nichts am Hut gehabt. «Ich habe Volleyball in der ersten Liga gespielt», erzählt der Sportler. «Doch ich musste es aufgrund fortschreitender Knieprobleme aufgeben.»

Ganz auf Sport verzichten wollte der heute 22-Jährige jedoch nicht: «Ich ging ins Fitnesscenter, denn Gewichteheben belastet die Knie weniger, und machte dort sehr schnell Fortschritte.» So entschied er sich nach kurzer Zeit für seine neue Leidenschaft, das Natural Bodybuilding. Jetzt bereitet er sich zum ersten Mal auf die Schweizer Meisterschaften vom 23. Oktober vor.

21 Stunden Training pro Woche

Hauptberuflich arbeitet er als Fitnesstrainer, nächstes Jahr möchte er sich als Personaltrainer selbstständig machen. Nebenbei trainiert er sechsmal die Woche, insgesamt 21 Stunden. «Für Freizeit und Freunde bleibt momentan nicht viel Zeit», erzählt er. «Meine Familie versteht und unterstützt mich, denn wir alle treiben viel Sport.»

Um bei den Meisterschaften in Form zu sein, macht er seit Mai eine strenge Diät, bei der er täglich maximal 2400 Kalorien zu sich nimmt. «Grundsätzlich habe ich kein Problem mit der Diät, doch es gibt auch Tage, an denen ich deshalb schlechte Laune oder Mühe beim Konzentrieren habe.» Doch von Anabolika und Steroiden lässt er die Finger. Denn Bodybuilding ist nicht gleich Bodybuilding. «Man unterscheidet zwischen Natural und normalem Bodybuilding», erklärt Bär.

«Bei Letzterem steht der Muskelaufbau im Vordergrund, dort wird auch mal mit Doping nachgeholfen. Dies ist bei uns verboten und wird vor den Meisterschaften mit Urin- oder Blutproben getestet.» Die Meisterschaften sind ebenfalls in zwei Kategorien aufgeteilt: Schwergewicht und Fitness. In der Fitnessklasse, in der Bär antreten wird, bewertet die Jury die Ausstrahlung und Ästhetik der Athleten. «Da kommt es sehr auf den Geschmack der Jury an», erläutert der gelernte Detailhandelsfachmann. «Es ist nicht wie beim Weitsprung, wo derjenige, der am weitesten springt, auch gewinnt.»

Am Abend vor dem Wettbewerb wird Bräunung auf den gesamten Körper aufgetragen, braune Farbe soll die Muskeln besonders gut hervorheben. In der Schwergewichtskategorie liegt der Fokus auf der Masse der Muskeln. Ein Wettkampftag beginnt mit einer Vorrunde, wo die besten ausgesucht werden. «Es gibt Grundposen, die jeder Teilnehmer vorzeigen muss», erklärt Bär. «Anschliessend hat jeder eine Minute Zeit, um seine eigene Choreografie vorzuführen.» Bewertet werden Ästhetik, Muskelhärte und Körperfettanteil. Wer die Schweizer Meisterschaften gewinnt, qualifiziert sich gleichzeitig für die Weltmeisterschaft.

Zwischen Anabolika und Poulet

Trotz seiner Diät möchte er sich eine Nascherei zwischendurch nicht verbieten. «Dass Bodybuilder sich nur von Poulet, Reis und Spinat ernähren, ist nicht wahr», erzählt Bär. «Solange es nicht über meinem täglichen Kalorienkontingent liegt, esse ich auch gerne mal ein Stück Schokolade oder einen Döner.»

Seiner Ansicht nach werde das, was man mit richtiger Ernährung, viel Sport, Geduld und Disziplin erreicht werden kann, zu wenig wertgeschätzt. «Die meisten denken, dass man nur durch Doping so weit kommen kann. Ich wurde sogar schon auf der Strasse angesprochen, ob ich Anabolika oder Ähnliches verkaufe. Dabei ist das gar nicht nötig.»