Merenschwand

Dieser Autor fand den Schlüssel für seinen Mord beim Einkaufen im Coop

Marcel Huwyler mit seinem Erstling in der elterlichen Wagnerei, die heute im Postlonzihus zu sehen ist.

Marcel Huwyler mit seinem Erstling in der elterlichen Wagnerei, die heute im Postlonzihus zu sehen ist.

Der Merenschwander Autor und Journalist Marcel Huwyler bringt seinen ersten Krimi im deutschen Grafit-Verlag raus. Auch wenn die Geschichte nicht ortsgebunden ist, fliessen doch die Freiämter Wurzeln mit ein.

Eigentlich führten die Huwylers in Merenschwand eine Wagnerei. Aber der 51-jährige Marcel Huwyler drechselt lieber Sätze als Holz. Und so wurde er nach ein paar Jahren als Lehrer nicht nur Journalist, sondern jetzt auch Buchautor. Das erste Kapitel des Kriminalromans «Frau Morgenstern und das Böse», der am 23. September im Grafit-Verlag in Köln herauskommt, hat er bereits vor acht Jahren geschrieben. «Und es dann liegengelassen», wie er sagt. Aber schliesslich juckte es ihn in den Fingern, zumal sich die Geschichte schon längst im Kopf festgefressen hatte. Huwyler meldete sich ab, drei Monate in das Fischerdorf Xlendi auf Gozo, der Nachbarinsel von Malta. Und schrieb, schrieb, schrieb.

Frau Morgenstern mordet subtil. Und für Geld. Aber nicht in Merenschwand oder sonst wo im lieblichen Freiamt. «Ich wollte auf keinen Fall eine ortsgebundene Geschichte schreiben», erklärt Huwyler. Und trotzdem haben Merenschwand und das Freiamt ein bisschen Eingang in den Kriminalroman gefunden. «Ein einziges Wort, das an Merenschwand erinnert, ist verwebt für alle, die etwas Lokalkolorit in den Text interpretieren wollen», lacht der Autor, «und etwas Freiämterisches hat wohl seinen Niederschlag einfach deshalb gefunden, weil meine Wurzeln hier sind.» Nicht zu verachten ist auch seine Bemerkung, dass er bei einem Einkauf im Coop Muri «den Schlüssel für einen perfiden Mord» gefunden hat, der sogar eine Veränderung seines persönlichen Verhaltens hervorrief.

Eigentliche Recherchen musste Huwyler nicht anstellen, er kann von seinen Reportagereisen als Journalist für die «Schweizer Illustrierte» und die «Landliebe» sozusagen aus dem Vollen schöpfen. «Mein Beruf und meine Erfahrungen auch in Krisengebieten dieser Welt haben mir beim Schreiben des Buches sehr geholfen.»

Es ist anders, als einen Artikel zu schreiben

Seine journalistische Arbeit werde vom Schreiben des Buches profitieren, zeigt er sich überzeugt «Ein Buch zu schreiben ist etwas ganz anderes als Artikel oder Reportagen zu verfassen», konstatiert er. Es sind nicht nur die Textlänge, der Aufbau oder das Halten der Spannung, die unterschiedliche Anforderungen stellen. Eine interessante Erfahrung war, dass es im wirklichen Leben Ereignisse und Vorkommnisse gibt, die nie Eingang in einen Roman finden könnten, da sie dort schlicht unglaubwürdig wirkten.

«Eine erfundene Geschichte muss glaubwürdiger sein als die Realität, damit sie einem von den Leserinnen und Lesern abgekauft wird.» Im Journalismus sind Namen «heilig», sie dürften auf keinen Fall falsch geschrieben werden. In einem Roman sind sie viel mehr. «Namen sind magisch. Mit einem Namen kannst du alles verändern.» Ob jemand Schlunegger heisst oder Scheidegger, macht bei den Lesenden tatsächlich einen wesentlichen Unterschied.

Rund ein halbes Jahr hat Huwyler an «Frau Morgenstern und das Böse» geschrieben, nochmals so lange am Text herumgefeilt. Das Lektorat redete intensiv mit, machte Vorschläge, änderte ab. «Ich habe viel gelernt, und jeder Vorschlag aus dem Lektorat hat den Text verbessert», räumt der erfahrene Journalist ein. Keinen Einfluss konnte er auf die Gestaltung des Buchdeckels nehmen, der von einer Münchner Agentur entwickelt wurde. «Die Gestalter haben den Inhalt perfekt auf das Cover gebracht», freut er sich.

Abenteuer und eine ganze Menge Arbeit

Für Huwyler ist das Buch ein «riesiges Abenteuer». Er hat «viel Schwein» gehabt, wie er feststellt. «Mein Glück als Neu-Buchautor begann, als sich letzten Herbst die Münchner Literaturagentur Kolf für mein Manuskript zu interessieren begann und mich unter Vertrag nahm.» Diese Agentur war es, die seinerzeit Patrick Süskind («Das Parfum») entdeckte. Jetzt muss er, nach Erscheinen des Buches, Termine für Lesungen wahrnehmen. Einer davon, auf den er sich besonders freut, ist derjenige an der Frankfurter Buchmesse im Oktober. Und schliesslich haben Band zwei und drei bereits im Kopf Gestalt angenommen.

Schreiben wird er sie wieder im Fischerdorf Xlendi auf Gozo, «dem einzigen Ort auf der Welt, wo ich kein Heimweh habe», sagt der Vielgereiste. Der Freiämter lebt mit dem Gegensatz, zu Hause Fernweh zu verspüren und, kaum weg, unter Heimweh zu leiden. «Man hat halt seine Wurzeln.» Wie das wohl seine pensionierte, mordende Lehrerin Violetta Morgenstern sieht? Demnächst in jeder Buchhandlung.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1