«Professor Bummbastic»

Dieser Aargauer Lehrer vermittelt Wissenschaft auf die explosive Art

«Professor Bummbastic»: Dieser Aargauer Lehrer vermittelt Wissenschaft auf die andere Art

Szenen aus der Show «Knallerga» von Raphael Oldani.

Auf der Bühne sieht er aus wie ein verrückter Wissenschaftler, doch Raphael Oldani ist im positiven Sinne ein verrückter Lehrer. Mit seiner Show bringt er Kindern – und Erwachsenen – Physik und Chemie wortwörtlich näher.

Es dampft, zischt und knallt. Ein Mann im weissen Kittel mit braunen Stachelhaaren und Pilotenbrille auf dem Kopf steht auf der Bühne, vor ihm schiesst eine Stichflamme in die Höhe.

Doch obwohl er wie ein verrückter Wissenschaftler aussieht, ist der Mann aus Küttigen in Wirklichkeit Lehrer an der Primarschule am Maiengrün in Hägglingen. In seiner Show «Knallegra» macht Raphael Oldani als Professor Bummbastic gemeinsam mit seinem Roboter Nimo Experimente aus den Bereichen Physik und Chemie.

«Es geht darum, zu zeigen, wie spannend und unterhaltsam Wissenschaft sein kann», erzählt Oldani. Schon als Kind habe er gern beobachtet, Dinge angezündet und sei von den Sternen begeistert gewesen. In der Oberstufe verlor er aber durch die Theorie und das Auswendiglernen der Formeln das Interesse an Chemie und Physik.

Ein Besuch im Technorama änderte alles: Die Begeisterung für die Wissenschaft überkam ihn wieder. Besonders die Ästhetik und Optik der Ausstellungsstücke faszinierten den Lehrer. «Das müsste man auf einer Bühne zeigen können», dachte sich Oldani, der bereits langjährige Schauspielerfahrung hat.

Auf das Erleben ausgerichtet

Oldani recherchierte im Internet, ob in der Schweiz bereits ein Angebot an Wissenschaftsshows für Kinder bestehe, und fand: nichts. «In Australien, den USA und in Deutschland sind solche Shows relativ verbreitet, aber hier nicht.»

So entstand sein Programm «Knallegra». Themen von Luft über Licht, Feuer und Elektrizität bis zur Schwerkraft werden in seiner zweistündigen Show behandelt. Die Vorstellung sei dabei vor allem auf das Erleben ausgerichtet, erzählt der gebürtige Tägliger. Er erläutert: «Danach kann man keine Prüfung schreiben und alle Fragen richtig beantworten. Es geht darum, die Zusammenhänge zu erkennen.»

Der Lehrer versucht ausserdem, Verbindungen zum Alltag herzustellen. «Damit kann ich die Leute überraschen.» Oft frage man sich gar nicht, wieso etwas gemacht oder eben nicht gemacht werden sollte. «Jeder weiss, dass man mit einem Feldstecher nicht direkt in die Sonne schauen darf, aber warum?» Auf solche Fragen will Oldani eine Antwort liefern und den Kindern so etwas fürs Leben mitgeben.

Die Töchter als Testpublikum

«Man soll staunen können, und das Herz soll angesprochen werden», sagt Oldani zur Wissenschaftsshow, die auch interaktive Teile beinhaltet. «Vielfach frage ich, wer Lust hat, zu mir auf die Bühne zu kommen. Dann schnellen die Hände in die Luft. Es wollen natürlich alle», lacht der Familienvater.

Das Programm besteht aber nicht nur aus wissenschaftlichen Inhalten: Professor Bummbastic singt Lieder, seine Experimente sind mit Musik umrahmt, und sogar Roboter Nimo gibt Tanzeinlagen zum Besten.

Das Highlight seiner Show auszuwählen, fällt Oldani schwer. «Es gibt so viele kleine Sachen, die faszinierend sind.» Eines seiner Lieblingsexperimente sei es zum Beispiel, Rauchringe zu machen, die dann 10 bis 20 Meter durch die Luft schweben und am anderen Ende des Raumes eine Kerze auslöschen.

Den Kindern gefielen aber stets unterschiedliche Dinge. Oldani lacht: «Ein Junge sagte mal, dass meine Perücke das Beste an der Show war.» Die Experimente zeigt er zuerst zu Hause in Küttigen seinen beiden Töchtern – sieben und vier Jahre alt–, um zu testen, ob sie ein Experiment genau so toll finden wie er.

Auch für Kinder bis 99 Jahre

«Anfangs war klar deklariert, dass meine Show nur für Kinder gedacht ist», erinnert sich Oldani. Doch dann hatte er nach einem Kurzauftritt bei der Einweihung des Wohler Sternenplatzes eine erfreuliche Begegnung: «Ein über 70-jähriger Mann sagte zu mir, dass er die Show super gefunden habe, weil seine eigenen Physiklektionen schon so lange her seien.»

Dem Primarlehrer wurde klar, dass er mit seinem Programm auch Erwachsene unterhalten kann. Deshalb sei «Knallegra» für Kinder von 5 bis 99 Jahre geeignet. Bisher hatte Oldani seine Show nur in Schulen vorgeführt, nun zeigt er sie zum ersten Mal öffentlich: am 20. Januar um 14 Uhr im Wohler Casino. Dafür hat er seine Vorstellung, die bisher nur 45 Minuten dauerte, auf zwei Stunden (mit Pause) ausgebaut. «Der Vorverkauf läuft sehr gut», freut er sich. «Es kommen Leute aus der ganzen Deutschschweiz.»

Auf die Frage, ob er im Hinblick auf Sonntag nervös sei, antwortet der Wahl-Küttiger: «Ich freue mich, aber ich bin auch unter Druck. Es kommen Eltern, die Eintritt zahlen. Wegen den Kindern mache ich mir keine Gedanken. Aber Erwachsene sehen zuerst oft das Negative. Das geht auch mir manchmal so.» Raphael Oldani ergänzt: «Kinder sind zwar kritischer, aber es ist relativ klar, was funktioniert oder nicht. Das finde ich schön.»

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