Wohlen
Dieser Aargauer Ex-Handballer gründet in Arosa eine neue Partei

Pascal Jenny ist in Wohlen aufgewachsen. Er war Handball-Profi und spielte für die Schweizer Nationalmannschaft. Heute lebt er in Arosa, wo er als Tourismusdirektor amtet. Er spricht über seine neue Partei und die Politik in seiner Heimatgemeinde.

Jörg Baumann
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Pascal Jenny ist noch immer mit seinem Heimatort Wohlen verbunden. Alex Spichale

Pascal Jenny ist noch immer mit seinem Heimatort Wohlen verbunden. Alex Spichale

Alex Spichale

Die jüngste Schweizer Partei, die Tourismuspartei, ist erst vor rund einem Monat gegründet worden. An den Wahlen vom 18. Oktober stellt sie allerdings noch keine Kandidatinnen oder Kandidaten. Sie will aber engagierte und tourismusnahe Nationalratskandidaten im Wahlkampf unterstützen.

Mitgründer und erster Präsident dieser neuen Partei ist der Aroser Tourismusdirektor Pascal Jenny (41). Er ist in Wohlen als Sohn eines Musikers und einer gelernten Bäuerin aufgewachsen.

Als Handballer spielte Jenny in seiner aktiven Laufbahn bei den Clubs TV Suhr, Kadetten Schaffhausen und Grasshopper Club Zürich. Insgesamt bestritt der Flügelspieler 348 Partien in der Swiss Handball League, in denen er 1124 Treffer erzielte. In 73 Länderspielen erzielte er zudem 118 Tore für die Schweizer Nationalmannschaft. Mit ihre nahm er auch an den Europameisterschaften 2006 teil.

Herr Jenny, haben Sie zur Gründung der Tourismus-Partei auch Echos aus Wohlen bekommen? Und wenn ja, wie war der Tenor?

Pascal Jenny: Ehrlich gesagt, habe ich aus Wohlen keine grossen Echos erhalten. Dennoch: die Handball-Freunde rund um Präsident Martin Laubacher vom TV Wohlen, die gerade am 3. Handball Unternehmer Forum in Arosa waren, haben mich schon darauf angesprochen. Mehr mit Blick auf «Sprüche», ob ich nun auch einer der Partei-Präsidenten und kaum mehr verfügbar sei.

Wie läuft es mit der Werbekampagne für die Partei? Wie viele Mitglieder zählt sie schon?

Wir sind bereits über 50 Mitglieder und Gönner und täglich kriegen wir 1 bis 2 Anmeldungen. Das ist sehr erfreulich. Das Ziel sind 100 Mitglieder und Gönner bis zu den Wahlen am 18. Oktober. Wichtig ist aber die Arbeit danach. Sprich die Aufbereitung der wichtigen Inputs für die gewählten Damen und Herren National- und Ständeräte.

Welches sind die wichtigsten Ziele der Tourismus-Partei?

Die Tourismus-Partei will bewegen und bewirken. Wir scheuen uns nicht vor kontroversen Themen. Es geht dabei aber nicht um Einzelinteressen. Der Tourismus als Ganzes ist das Hauptanliegen. Wir brauchen eine klare Linie, welche die Vielfalt im Schweizer Tourismus (nicht vergleichbar mit der vergleichsweise einfachen Aufgabenstellung der Bauern/Landwirtschaft), verständlich darlegt. Sprich eine Agenda, welche ein bis maximal 2 Jahresthemen auf politischer Ebene festlegt und an die sich alle involvierten Akteure halten müssen.

Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit stellen wir aber auch die Frage «welchen Tourismus können und wollen wir uns in der Schweiz noch leisten?». Es geht nicht nur um Neues, sondern auch um alte Zöpfe. Was zum Beispiel seit Jahrzehnten nicht funktioniert, hat keine Daseinsberechtigung, gefährdet die ganze Branche, den Wohlstand und die Reputation der Schweiz. Und ganz wichtig: die operativen Personen auf Destinationsebene, welche die Tiefe des Tourismus und dessen Komplexität kennen, müssen sich politisch einbringen.

Sind Sie mit Ihrem Heimatdorf Wohlen noch eng verbunden?

Ja. Meine Eltern wohnen nach wie vor am Reithalleweg 26 und der «Wohler Anzeiger» gehört zur wöchentlichen Pflichtlektüre. Auch zu Handball Wohlen, insbesondere zum Präsidenten Martin Laubacher habe ich guten Kontakt.

Was stellten Sie bei Ihrem letzten Besuch in Wohlen fest (positiv und negativ)?

Mit Wohlen verbinde ich nur positive Erinnerungen. Wenn ich in Wohlen bin, sehe ich immer Gesichter, die ich von früher kenne oder zu kennen glaube. Negative Feststellungen gibt es keine. Ich suche diese aber auch nicht. Wohlen ist für mich der Ort meiner Kindheit und die ist durchweg mit guten Erinnerungen verbunden.

Wie sind Sie aufgewachsen? Haben Sie noch Geschwister?

Aufgewachsen bin ich mit meinem Bruder Fabian (3 Jahre jünger) und später mit der Schwester Katharina (12 Jahre jünger). Meine Eltern haben uns geprägt. Toleranz und das Einbinden von allen Personen um uns herum waren wohl die wichtigsten Punkte, die wir erzieherisch mitbekommen haben.

Wo haben Sie als Kind in Wohlen am liebsten gespielt?

In unserem Quartier. Zwischen den Reihenhäusern gab es viel Spielfläche und die gibt es übrigens noch immer. Dort haben wir uns in der Freizeit auf dem Spielplatz und dem Rasen getroffen. Wir trieben viel Sport, vor allem Fussballspiele und Hockeyturniere.

Welche Lehrerinnen und Lehrer haben Sie am meisten geprägt?

Das ist eine schwierige Frage. Aber Brigitte Riepe in der Primarschule und danach Lorenz Stäger an der Kantonsschule kommen mir oft in den Sinn. Auch heute noch.

Welches waren Ihre liebsten Schulfächer?

Als Sohn eines Cello-Lehrers und Orgelbauers war ich leider zu wenig interessiert an Musik, obwohl ich auch Cello spielte. Spannend fand ich Geografie und Latein. Und natürlich Sport.

Waren Sie in der Pfadi Wohlen? Wenn ja, was haben Sie in der Pfadi gelernt?

Die Pfadi Wohlen war genial. Mein Sohn geht heute in die Waldspielgruppe in Arosa und staut Bäche, macht Feuer und lernt so die Natur kennen. Genauso war es auch in der Pfadi. Es war stets ein «Erfahren» draussen in der Natur. Zudem lernte man in den Lagern den Umgang in der Gemeinschaft. Auch die vielen Stunden mit meinem besten Schulfreund Matthias Leemann sind unvergessen.

Welches war Ihr erster Berufswunsch?

Das weiss ich nicht mehr so genau; vielleicht Pilot, später wohl Profi-Sportler.

Verfolgen Sie das politische Geschehen in Wohlen?

Nur ganz am Rande. Da bin ich zu weit weg. Mich interessiert mehr das Abschneiden des FC Wohlen und von Handball Wohlen.

Konnten Sie sich zu den Vorfällen um Gemeindeammann Walter Dubler eine eigene Meinung bilden?

Nein. Dazu reicht das Lesen des «Wohler Anzeigers» allein nicht aus. Da müsste ich mehr hinter die Kulissen sehen können.

Was würden Sie Walter Dubler raten, um das politische Umfeld wieder zu beruhigen?

Aus meiner Sicht, helfen in solchen Situationen nur zwei Dinge: Erstens: Alle Fakten bekannt machen und seine eigene Meinung dazu klar äussern, aufzeigen, was richtig und was falsch war. Zweitens: Wenn es eine Entschuldigung braucht, diese aussprechen und die Vertrauensfrage stellen. Danach die Konsequenzen ziehen.

Eine hypothetische Frage: Könnten Sie sich vorstellen, Gemeindeammann von Wohlen zu werden? Und was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Sag niemals nie. Sollte ich irgendwann wieder in Wohlen zu Hause sein und mich so mit dem Ort identifizieren wie ich zur Zeit mit Arosa oder dem Tourismus verbunden bin, dann könnte ich mir alles vorstellen, weil ich mich bei Themen, die mich «packen» gerne auch gesellschaftlich einbringe.

Eine Aussage zu einer ersten Amtshandlung zu machen, wäre aber unseriös. Ich bin zwar ein Typ mit Ideen, aber selbst in Arosa setze ich nur Dinge und Ideen um, die mit dem Umfeld und den aktuellen Gegebenheiten abgestimmt sind und gründlich analysiert wurden.

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