Ausgefallenes Hobby
Dieser Aargauer drechselt federleichte Hüte aus Holz

Ein Hut aus Kirschbaum, Eiche oder Buche? Marcel Buchmann aus Dietwil im Freiamt fertigt zu seinem eigenen Vergnügen federleichte Kopfbedeckungen aus Holz. Jeder Hut ist ein Einzelstück – und eine Herausforderung für den Macher.

Eddy Schambron
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Marcel Buchmann hat schon zahlreiche Hüte aus Holz gefertigt. Käuflich sind die exklusiven Stücke leider nicht. ES

Marcel Buchmann hat schon zahlreiche Hüte aus Holz gefertigt. Käuflich sind die exklusiven Stücke leider nicht. ES

Rund 40 Kilogramm wiegt ein frisch geschlagenes Holzstück, das der Dietwiler Marcel Buchmann auf einer Drechselmaschine zu einem Hut verarbeitet. Am Schluss bleiben 160 bis 180 Gramm übrig, ein exklusives Einzelstück aus Hartholz – leider nicht käuflich. Der frühere Schreiner fertigt seine Holzhüte nämlich nicht aus kommerziellen Überlegungen an, sondern einfach aus Freude an der Arbeit. «Müsste ich Hüte für den Verkauf produzieren, wäre die Freude dahin», sagt der 58-Jährige, der allerlei Talente vorweisen kann.

«Wenn man etwas will, bringt man es hin»

Es war die Neugier, die Buchmann antrieb. Kann man einen tragbaren Hut aus dem vollen Holz drechseln? Er kann es inzwischen. «Wenn man etwas unbedingt will und das Interesse gross genug ist, bringt man alles hin», ist er überzeugt. So einfach wie genial ist beispielsweise seine Methode, beim Drechseln die verbleibende Stärke des Holzes zu erfassen. Er hält eine Lampe in das Innere des Hutes und sieht anhand des Lichtschimmers, wann er aufhören muss, Holz abzutragen. Nach der Drechslerarbeit für einen Hut kann er den Schlaf in der ersten Nacht praktisch vergessen: Buchmann muss immer wieder nach seinem Hut schauen, das dünne Holz der Hutkrempe nachspannen und in Form bringen, denn das nasse Holz hat erst nach etwa zwei Tagen so viel Feuchtigkeit verloren, dass es sich nicht mehr verändert. Genau voraussagen, wie ein Hut wird, kann sein Erzeuger nicht. «Dem Holzmocken sehe ich ja nicht an, wie er innen aussieht.» Einmal ist sogar ein eingewachsener Isolator eines Weidhages zum Vorschein gekommen.

Der Schreiner, der nach 30 Jahren Selbstständigkeit aus gesundheitlichen Gründen seinen Betrieb aufgeben musste , arbeitet heute als Angestellter – allerdings nicht mehr auf dem erlernten Beruf. Auch in seiner Freizeit ist er nicht einer, der seine Hände in den Schoss legt, ausser wenn er sich in sein kleines Museum, vollgestopft mit zum Teil kostbaren Antiquitäten, zurückzieht, ein Bierchen öffnet und die Nadel eines alten Plattenspielers in die Vinylrille legt. «Mich reizt die Herausforderung».

Eine gezimmerte Zündkerze

So drechselte er beispielsweise Pfeffermühlen in Form einer kleinen Flasche oder – Töfffahrer, der er ist – einer Zündkerze. Er hat schon einen alten Traktor auseinandergenommen und wieder so zusammengebaut, dass er lief. Er hat mit Antiquitäten gehandelt und kann nichts wegwerfen. Neuerdings fertigt er Skulpturen mit der Motorsäge, einfach weil es ihm Spass macht. Er hat sogar das Spielen des Schwyzerörgeli erlernt – und als er es beherrschte, wieder aufgegeben. «Ich muss immer etwas Neues ausprobieren.»

Der Hutmacher und Tausendsassa Marcel Buchmann ist jedoch kein rastloser Geselle, sondern hat gelernt, mit sich sorgsam umzugehen. Aber er ist einer, der seine Freizeit nutzte und nutzt, zum Beispiel auch für die Ausbildung zum eidgenössisch diplomierten Pilzkontrolleur. «Die Ausbildung und die Prüfungen waren happig, aber es war einer meiner Wünsche, sie zu schaffen», sagt der Präsident des Pilzvereins. Er wird sein Wissen nicht nur für sich nutzen, sondern anderen Pilzsammlerinnen und -sammlern zur Verfügung stellen.

Langweilig wird es Buchmann auch in Zukunft nicht werden. Bei einem Gang durch sein Haus zeigt er nicht nur, was er schon alles selber gemacht hat, sondern wo er auch noch etwas plant. So wartet die Treppe ins Obergeschoss schon lange auf ein Geländer. Das dauert, weil Buchmann «kein 08/15-Geländer» will. Der Pfosten ist immerhin schon bereit – mit einem fein geschnitzten Adlerkopf oben drauf.